Stadtwerke Neumünster : Telekommunikation auf der Kippe?

IDas Kraftwerk an der Bismarckstraße erzeugt Fernwärme und Strom. Dieser reicht jedoch nicht aus, deswegen muss an der Börse zugekauft werden.
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IDas Kraftwerk an der Bismarckstraße erzeugt Fernwärme und Strom. Dieser reicht jedoch nicht aus, deswegen muss an der Börse zugekauft werden.

Die Stadtwerke Neumünster (SWN) erwarten auch für 2018 ein Minus. Deshalb stehen jetzt alle Betriebszweige auf dem Prüfstand. Die Kosten sollen um acht Millionen Euro sinken.

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01. August 2018, 07:31 Uhr

Neumünster | Nachdem die Stadtwerke Neumünster (SWN) das Jahr 2017 mit einem dramatischen Minus von 5,5 Millionen Euro abschlossen, droht auch in diesem Jahr ein Verlust. Das geht aus einer Zwischenbilanz hervor, die die Geschäftsführer Tino Schmelzle und Thomas Junker gestern zogen. Danach konnte der Negativtrend im ersten Halbjahr zwar mit einem Gewinn von 1,4 Millionen Euro durchbrochen werden, doch für das Gesamtjahr 2018 wird ein Minus von 2,7 Millionen Euro prognostiziert. Alle Bereiche stehen auf dem Prüfstand. Besonders eng werden könnte es für die Telekommunikationssparte.

Die Prognose aus dem Wirtschaftsplan für dieses Jahr, nach der Ende 2018 unter dem Strich wieder ein Gewinn von 1,3 Millionen Euro stehen sollte, können die Stadtwerke nicht erfüllen. Die Prognose sei auf Basis vorliegender Daten aus dem November 2017 erstellt worden. Erst im Frühjahr dieses Jahres seien jedoch millionenschwere Belastungen zutage getreten, die in keiner Planung enthalten gewesen seien, so Schmelzle und Junker, die seit Anfang 2017 an der SWN-Spitze stehen. Das sei auch das Ergebnis von Sonderregelungen des Vorgängermanagements gewesen, kritisieren sie. Man müsse jetzt das aufarbeiten, was in der Vergangenheit versäumt wurde.

Dazu zählt vor allem ein striktes Sparprogramm auf allen Geschäftsfeldern, dessen Volumen die SWN-Geschäftsführung auf 4,4 Millionen Euro allein für dieses Jahr beziffert. In den kommenden zwei Jahren sollen die Kosten weiter sinken, so dass sie 2020 um acht Millionen Euro niedriger liegen als heute. Der Plan zur Restrukturierung sei mit den Führungskräften des Konzerns erarbeitet worden. Er umfasse 190 Punkte, von denen bereits über 100 umgesetzt würden, heißt es von SWN. Dazu zählten auch personelle Konsequenzen. So musste bereits die kaufmännische Leiterin gehen – nicht ohne Störgeräusche. Ein erster Termin vor dem Arbeitsgericht blieb ohne Einigung.

Neben internen Defiziten in der Prozesssteuerung und -kontrolle hatten 2017 vor allem zwei Bereiche die Bilanz verhagelt, die bis dahin sichere Gewinne versprachen: der Glasfaserausbau und das Stromgeschäft. Beim Strom hatte sich der Verzicht auf langfristige Lieferverträge, der sich jahrelang als richtig erwiesen hatte, im vergangenen Jahr als riskant herausgestellt. Die Preise stiegen und das Unternehmen war gezwungen, auch zu ungünstigen Konditionen Energie zu beziehen. Die Kosten stiegen gegenüber 2016 um 1,2 Millionen Euro und das Ergebnis blieb um 2,1 Millionen Euro hinter den Erwartungen zurück. Künftig wird auf langfristige Verträge gesetzt. „Doch die Umstellung kann nicht von heute auf morgen wirken“, so Schmelzle.

Auf den Prüfstand gestellt wird auch der Bereich Telekommunikation. Durch steigende Baupreise und eine unterplanmäßige Anschlussquote bescherte der Glasfaserausbau in den Kreisen Steinburg und Dithmarschen den Stadtwerken ein Minus von drei Millionen Euro. In diesem Bereich erwartet SWN in diesem Jahr wieder schwarze Zahlen. Planungsleistungen sollen wieder im Haus erbracht werden und Verträge nachverhandelt werden.

Das größte Problem aber: Die derzeit rund 36  000 Kunden reichen nicht aus, um das Telekommunikationsgeschäft auskömmlich zu betreiben. Notwendig wären laut SWN-Geschäftsführung 60  000 Kunden. Bis September, wenn der Wirtschaftsplan 2019 aufgestellt wird, soll die Lage in diesem Bereich analysiert sein. „Dann werden wir entscheiden“, sagt Junker.

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