Schutz für Radfahrer und Fußgänger : TBZ in Neumünster: Abbiegeassistenten für Lkw werden Standard

TBZ-Fahrer Thomas Paulitz (von vorne) und Stadtrat Oliver Dörflinger präsentieren den kleinen Bildschirm im Cockpit, auf dem sie TBZ-Chef Ingo Kühl im toten Winkel des Fahrzeugs erkennen können.
TBZ-Fahrer Thomas Paulitz (von vorne) und Stadtrat Oliver Dörflinger präsentieren den kleinen Bildschirm im Cockpit, auf dem sie TBZ-Chef Ingo Kühl im toten Winkel des Fahrzeugs erkennen können.

Bis Ende 2019 sollen alle großen Fahrzeuge des Technischen Betriebszentrums mit Abbiegeassistenten versehen sein.

shz.de von
22. August 2018, 07:00 Uhr

Neumünster | Thomas Paulitz setzt den rechten Blinker und schaut in den Außenspiegel. Eigentlich ist alles frei. Doch gerade als der sehr erfahrene Müllwagen-Fahrer des Technischen Betriebszentrums (TBZ) mit seinem 26-Tonnen-Gefährt um die Kurve fahren will, piept es ohrenbetäubend. Paulitz drückt auf die Bremse und schaut auf den kleinen Monitor neben seinem Lenkrad. Dort sieht er ein kleines Kind, das im sogenannten toten Winkel neben dem Fahrzeug läuft.

In diesem Fall ist die Situation gestellt, doch vier bis fünf Mal pro Jahr erlebt der erfahrene Brummi-Fahrer genau das in der Realität. Passiert ist zum Glück noch nie etwas, auch nicht bei Paulitz’ Kollegen. Dennoch setzt die Stadt nun auf Prävention: Alle 24 TBZ-Fahrzeuge über 7,5 Tonnen werden bis Ende 2019 mit dem sogenannten Abbiegeassistenten versehen, das Paulitz bereits an Bord hat. Bei Neuanschaffungen soll das Gerät bereits in der Ausstattung integriert sein. Gesamtkosten: Gut 55.000 Euro.

Die Aufkleber der „Aktion Abbiegeassistent“ kleben an den Türen der TBZ-Fahrzeuge, die bereits mit dem Gerät ausgestattet sind.
Christian Lipovsek

Die Aufkleber der „Aktion Abbiegeassistent“ kleben an den Türen der TBZ-Fahrzeuge, die bereits mit dem Gerät ausgestattet sind.

 

„Wir schützen damit nicht nur die schwächsten Verkehrsteilnehmer wie Fußgänger und Radfahrer, sondern auch die Fahrer, denen wir die schwierige Arbeit mit den großen Brummis erleichtern“, erklärte gestern Stadtrat Oliver Dörflinger bei der Vorstellung des Projektes. Schlimme und zum Teil tödliche Unfälle wie zuletzt in Köln und Hamburg könnten vermieden werden.

TBZ-Chef Ingo Kühl ging ins Detail: „Aufgrund ihrer Größe weisen Nutzfahrzeuge zahlreiche tote Winkel auf, die eine wichtige Unfallursache darstellen. Zusätzlich wird die Sicht durch die Fahrerposition, Karosserieteile, fehlende Heckfenster und Kabinenwände behindert, was die Unfallgefahr weiter erhöht.“ Abbiegeassistenten ermöglichten den Fahrern ein sicheres Rangieren und Fahren, so Kühl weiter: „Die am Fahrzeug montierten Kameras und Sensoren erleichtern dem Fahrer die Sicht auf tote Winkel und das Zurücksetzen, indem sie sämtliche Personen oder Hindernisse im Sichtfeld der Kamera als Livebilder auf dem Monitor anzeigen und Warnsignale beim Aufenthalt von Personen im Gefahrenbereich abgeben.“

Die Stadt schließt sich damit der Aktion „Ich hab den Assi“ vom Bundesverkehrsministerium an. Bundesminister Andreas Scheuer hatte beim Start betont, Abbiegeassistenten könnten die Zahl der tödlichen Unfälle deutlich reduzieren. „Das ist eine einfache technische Lösung, die Leben rettet“, sagte der CSU-Politiker.

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