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Aukrug/Nortorf : Taxiunternehmen fordern bis zu 30 Prozent mehr

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Der Landesverband beantragt bei der Kreisverwaltung in Rendsburg die Erhöhung der Fahrpreise, um die Mehrkosten des Mindestlohns aufzufangen. Die Anhörung geht noch bis morgen

shz.de von
erstellt am 30.Okt.2014 | 16:45 Uhr

Aukrug | Die Erhöhung der Taxitarife im Kreis Rendsburg-Eckernförde scheint sicher. Dem Kreis liegt ein Antrag auf Änderung der Beförderungsentgelte vor, bestätigte die Verwaltung jetzt. Demnach fordern die Unternehmen in einzelnen Tarifen Erhöhungen von bis zu 30 Prozent. Ob diese Forderung erreicht wird, ist offen. Die Chancen stehen jedoch gut, denn die Kreisverwaltung muss bei ihrer Entscheidung nicht nur die Interessen der Kunden berücksichtigen, sondern auch den Ansprüchen der Unternehmen und deren Mitarbeiter gerecht werden.

Die Erhöhung der Fahrpreise wird aus Sicht der Taxifahrer nötig, weil ab dem 1. Januar 2015 der Mindestlohn auch in diesem Gewerbe gilt (der Courier berichtete). In der Branche werden in vielen Fällen geringere Stundensätze als der dann vorgeschriebene Mindestlohn von 8,50 Euro gezahlt. Dadurch entstehen den Unternehmen Mehrkosten, die sie entweder über Entlassungen oder eine Fahrpreis-Anhebung auffangen müssen.

„Das Gesetz zwingt uns zur Erhöhung. Die Einnahmen passen nicht zu den Lohnkosten“, sagt zum Beispiel Hubert Hein, Inhaber von Taxi-Lucht in Nortorf. Er sieht beide Seiten: „Die Zeche werden nach der Erhöhung die armen Rentner zahlen. Und wir werden ganz sicher Fahrgäste verlieren“, meint er. Schon jetzt sei abends ab 18, 19 Uhr nicht mehr viel los. „Demnächst müssen wir den Betrieb wohl um 20 Uhr einstellen“, meint er. Zurzeit ist gegen 23 Uhr im einzigen Taxiunternehmen in Nortorf Schluss. Andererseits hat Hubert Hein auch Verständnis für die Fahrer, die ihr Auskommen brauchen. „Einer hat nach acht Jahren gerade gekündigt“, erzählt Hubert Hein.

Seinem Kollegen Christian Schaupp, Inhaber vom Fahrservice Schaupp in Aukrug, ist es wichtig, dass sich die Preise in Zukunft auch an den anderen Regionen orientieren. „Wir müssen die Kosten decken“, sagt er.

Der Landesverband für das Taxi- und Mietwagengewerbe Schleswig-Holstein beim Kreis Rendsburg-Eckernförde hat mittlerweile einen Antrag auf Änderung der Verordnung über Beförderungsentgelte gestellt. Demnach ist eine Erhöhung von etwa 25 Prozent im Mittel vorgesehen. „In einigen Tarifgruppen ist es weniger, in anderen mehr“, sagt Andreas Brück, der als Fachgruppen-Leiter der Straßenverkehrs- und Bußgeldbehörde für den Antrag zuständig ist. Die Grundgebühr für Fahrten von Montag bis Sonnabend zwischen 6 und 22 Uhr soll dem Antrag zufolge von 2,70 Euro auf 3,40 Euro erhöht werden. An Sonn- und Feiertagen möchten die Taxiunternehmen sie sogar von 3,20 Euro auf 4 Euro heraufsetzen. Auch die Gebühren für den gefahrenen Kilometer sollen steigen. Sollte dem Antrag ohne Änderungen stattgegeben werden, müssten Fahrgäste ab Januar 2015 beispielsweise für Fahrten bis drei Kilometer Länge 2,10 Euro pro Kilometer bezahlen. Derzeit beträgt der Preis 1,70 Euro.

Die Kreisverwaltung hat nach Eintreffen des Antrags das Verfahren eingeleitet. Zunächst hört die Verwaltung die Meinungen der 45 Taxiunternehmen im Kreis, der Industrie- und Handelskammer (IHK) sowie der Städte, Gemeinden und Ämter. Bis 31. Oktober müssen dem Kreis die Antworten vorliegen. „Dann werten wir die Stellungnahmen aus, setzen uns unter Umständen noch einmal mit dem Landesverband des Taxi- und Mietwagengewerbes zusammen und formulieren dann einen Vorschlag an den Landrat“, so Brück über das Vorgehen. „Zum Ausgang des Verfahrens kann ich noch keine Aussage treffen“, sagte Andreas Brück. Bei der Bewertung müsse die Verwaltung ein ausgewogenes Verhältnis finden. Dazu zähle es, den Ansprüchen der Bevölkerung, der Unternehmen und der Fahrer gerecht zu werden. „Eine Taxifahrt muss bezahlbar sein“, sagte Brück. Die Tarife dürfen sich ihm zufolge innerhalb des Kreises nicht unterscheiden. Sonst werde der Wettbewerb verzerrt.

Es stehe dem Kreis frei, den Antrag abzulehnen, sagte Thomas Balk, Verkehrsreferent bei der Industrie- und Handelskammer zu Kiel. So etwas sei in der Vergangenheit zwar schon passiert, „wäre in diesem Fall aber nicht plausibel“, so Balk.



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