zur Navigation springen

Neue Regelung : Taxifahrer fürchten den Mindestlohn

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Die neue Regelung ab 1. Januar verunsichert die Branche. Die Taxigenossenschaft prognostiziert die Abschaffung von Arbeitsplätzen.

shz.de von
erstellt am 21.Okt.2014 | 06:00 Uhr

Neumünster | Ab dem 1. Januar gilt auch in Neumünster der gesetzliche Mindestlohn. Betroffen ist davon auch das Taxigewerbe. Kunden müssen im neuen Jahr für Fahrten tiefer in die Tasche greifen. Die Taxiunternehmen selbst blicken mit Verunsicherung auf die neue Regelung und sehen sich mitunter sogar in ihrer Existenz bedroht. „Die geplante Einführung eines gesetzlichen Mindestlohns von 8,50 Euro wird in der Taxi-Branche zur Vernichtung von mindestens 50 000 Jobs führen. Das ist jeder vierte Arbeitsplatz“, sagt Michael Müller, Präsident des Deutschen Taxi- und Mietwagenverbands (BZP).

Für die Neumünsteraner Taxigenossenschaft 44444 prognostiziert der Vorstand Thomas Heuer „eine Reduktion des Fahrzeugbestands und eine Abschaffung von Arbeitsplätzen“. Zur Zeit beschäftigt die Genossenschaft 55 Taxen und etwa 100 Fahrer und ist damit das größte der etwa ein Dutzend Taxiunternehmen in Neumünster. „Ab 1. Januar werden wir nicht mehr 55 Autos haben“, kündigte Heuer an. Notwendig werde dieser Schritt, um die erhöhten Lohnkosten zu decken. Zur Zeit liegt der durchschnittliche Stundenlohn eines Fahrers bei etwa 6,50 Euro. Üblich ist die Bezahlung der Fahrer nach einer Prozentregelung: 40 Prozent der Einnahmen bekommt der Fahrer, 60 Prozent gehen ans Unternehmen.

Herbert Wichmann (61) aus Neumünster, der seit 19 Jahren Taxifahrer ist, freut sich nicht auf den Mindestlohn: „Man hätte die Prozentregelung behalten sollen. Ich fürchte um meinen Arbeitsplatz. Allgemein ist die Stimmung unter den Fahrern schlecht.“

Ein weiterer Schritt ist die Erhöhung der Grundtaxe. Michael Müller äußerte: „Bei einem Mindestlohn in Höhe von 8,50 Euro müssen nach Meinung von Gutachtern die Kosten für Taxi-Fahrten bundesdurchschnittlich um 25 Prozent steigen.“ Obmann Thomas Heuer sieht für Neumünster eine Erhöhung um 20 Prozent als Obergrenze. „Interne Verhandlungen in der Unternehmerschaft laufen, ein Ergebnis wird Ende Oktober erwartet.“ Den Antrag auf Erhöhung stellt der Landesverband für das Taxi- und Mietwagengewerbe Schleswig-Holstein, genehmigt werden muss er von der Stadt. „Wir haben eh schon die höchsten Preise in Schleswig-Holstein, ich glaube nicht, dass die noch erhöht werden können“, meint der Mehrwagenunternehmer Nurali Mamedov.

Fahrer Herbert Wichmann befürchtet zudem, mit einer Preiserhöhung Kunden zu verlieren: „Wir haben viele Stammkunden, die das abgezählte Geld in der Hand haben. Die werden sich wundern und das unter Umständen nicht mitmachen.“ Zudem wird das breite Transportangebot schrumpfen, Nurali Mamedov befürchtet: „Vermutlich werde ich in der Woche nachts gar nicht mehr fahren.“

Möglicherweise werden die Taxler zukünftig nach zwei Modellen bezahlt : Arbeitszeit gibt 8,50 Euro, Arbeitsbereitschaft bringt weniger. Michael Burdinski von der Staatlichen Arbeitsschutzbehörde bei der Unfallkasse Nord erklärt: „Nach der Definition des Bundesarbeitsgerichtes (BAG) ist die Arbeitsbereitschaft eine ‚Zeit wacher Aufmerksamkeit im Zustand der Entspannung‘. Demnach ist ein Taxifahrer, der zwischen dem Kundentransport längere Stillstandszeiten hat, in Arbeitsbereitschaft. Arbeitsbereitschaft gilt als Arbeitszeit und ist zu vergüten.“ Die Höhe regelt jedoch der Arbeitsvertrag. Thomas Heuer sagt dazu: „Das ist für uns eine Option im nächsten Jahr.“

Kritisch betrachtet der Zweiwagenunternehmer Dirk Heyden die Koppelung von Mindestlohn, Arbeitsbereitschaft und Tarifanhebung : „Eine Forderung nach einer Tarifanhebung, die über die Deckung gestiegener Kosten wie Versicherungen oder Treibstoff hinaus geht, ist abzulehnen. Wer den Mindestlohn nicht voll zahlt, sollte auch auf eine Tariferhöhung verzichten.“ Heyden zahlt bereits annähernd den Mindestlohn. „Weshalb muss ein Taxi ein Mercedes sein? Ich investiere lieber in die Qualität meines Personals“, meint der Daciafahrer.

Neumünsteraner brauchen aber nicht zu befürchten, dass sie eine Fahrt von der Silvesterparty nach Hause teuer zu stehen kommt. Jens Dittebrandt von der Stadt schließt aus, dass „eine Erhöhung der Entgelte noch zum 1. Januar 2015 in Kraft treten wird. Realistisch wäre allenfalls ein Inkrafttreten im zweiten Quartal 2015.“

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen