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Flüchtlinge : Taxen wollten Flüchtlingsfamilie nicht fahren

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Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Fahrer verweigerten die Tour zur Aufnahmestelle am Haart. Eine Geschäftsfrau, die die Tour vermitteln und bezahlen wollte, will Anzeige erstatten.

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erstellt am 08.Sep.2015 | 11:00 Uhr

Neumünster | „Ich habe mich geschämt für unsere Stadt, für uns Deutsche!“ – Astrid Schulzke zeigte sich auch gestern noch spürbar geschockt von dem fremdenfeindlichen Verhalten Neumünsteraner Taxifahrer, das ihr am Sonntagnachmittag vor dem Bahnhof begegnete. Gleich zwei wartende Taxis lehnten die Beförderung einer sechsköpfigen Flüchtlingsfamilie ab, obwohl Astrid Schulzke sich bereit erklärte, die Kosten der Tour zu übernehmen.

Die Feindseligkeit gegenüber den Fremden sei zum Greifen gewesen, schon lange nicht mehr sei ihr etwas so peinlich gewesen, ereifert sich die Geschäftsfrau.

Die Familie – Vater, Mutter und vier Kinder zwischen drei und zehn Jahren – war ihr vor dem Blumenladen am Bahnhof aufgefallen. Schwer bepackt mit mehreren Koffern schaute sie sich hilflos um, ganz offensichtlich eine Flüchtlingsfamilie.

Als Astrid Schulzke Hilfe anbot, hielt ihr der Mann dankbar lächelnd einen Zettel mit der Adresse der Aufnahmestelle am Haart hin. Astrid Schulzke fackelte nicht lange und schob die Familie zum nahen Taxistand, um sie auf ihre Kosten zum Haart fahren zu lassen.

Damit aber begann der Ärger: Gleich zwei Taxen, eine Fahrerin und ein Fahrer, verweigerten die Tour. Als Astrid Schulzke die Fahrer daraufhin bat, in der Zentrale einen Kombi zu bestellen, lehnten die auch das barsch ab. Astrid Schulzke rief daraufhin selbst von ihrem Handy in der Taxizentrale an und beschwerte sich über das Verhalten der Fahrer. Die Funkerin habe sich über das Verhalten der Fahrer entsetzt gezeigt und sofort zugesagt, einen Wagen zu schicken, sagt sie.

Dazu kam es dann allerdings nicht mehr. Ein dritter Taxifahrer, Basir Hakimy, war auf den Streit aufmerksam geworden und bot nicht nur spontan an, die Tour mit der Familie zu übernehmen, sondern wollte die Familie sogar kostenlos chauffieren. Basir Hakimy hat selbst türkische Wurzeln. Ihm taten die Flüchtlinge – ebenso wie Astrid Schulzke – leid.

Die Geschäftsfrau will die barsche Abfuhr der Taxifahrer nicht einfach auf sich beruhen lassen und will die Fahrer jetzt bei den Ordnungsbehörden melden: „Wir haben in Deutschland Beförderungspflicht, ein solches Verhalten geht gar nicht“, meinte die Neumünsteranerin.

Rückendeckung bekommt sie dabei auch von der betroffenen Taxizentrale, die sich vom Verhalten der beiden Fahrer ausdrücklich distanziert. Die Zentrale habe sie sogar bestärkt, die Fahrer zu melden, sagte Astrid Schulzke.

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