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Holsteinischer Courier

22. Oktober 2017 | 16:19 Uhr

Raumnot : Tafel wartet auf ein Signal der Stadt

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Verein kann die Miete für zusätzlichen Lagerraum nicht tragen. Für den neuen Kühltransporter wurden jahrelang Spendengelder angespart

von
erstellt am 10.Aug.2017 | 08:00 Uhr

Neumünster | Noch fehlt die Folie mit dem Tomaten-Logo und dem Schriftzug der Neumünsteraner Tafel, aber der ganze Stolz des Vereins ist seit kurzem schon im Einsatz: 45  000 Euro hat der nagelneue 3,5-Tonnen-Kühltransporter der Marke Ford Transit gekostet. „Das haben wir lange angespart durch viele Spendenaktionen“, sagt die Tafel-Vorsitzende Christina Arpe.

Mit dem sechs Jahre alten Citroën-Kombi und dem schon zehn Jahre alten anderen Transit hat die Tafel damit drei Kühlfahrzeuge auf der Straße. „Die fahren jeden Tag 200 bis 250 Kilometer ab“, sagt Christina Arpe. Am Dienstag erst ging es nach Hamburg zum Zwischenlager des Tafel-Bundesverbands. Dort landen Großspenden wie jetzt palettenweise ein Markenshampoo. „Das ist absoluter Luxus für unsere Tafel-Gäste und geht am Donnerstag bei der Ausgabe raus“, so Arpe.

Lebensmittelspender hat die Tafel eigentlich reichlich und gibt die Sachen zum Teil auch an andere soziale Organisationen weiter. Dennoch gibt es trotz des großen Bedarfs seit etwa zweieinhalb Jahren einen Aufnahmestopp bei zurzeit 3500 Klienten. „Wir sind an der Grenze unserer Kapazität, personell und räumlich“, sagt die Tafel-Chefin. So werden dringend Fahrer gesucht. Arpe: „Und wir benötigen zusätzlichen Lagerraum.“

Zeitweise könne in der Ausgabe an der Kieler Straße 45 gar nicht mehr richtig gearbeitet werden, betont Arpes Stellvertreter Andreas Swete. Wegen der Enge müssten Kisten unnötig hin- und herbewegt werden. Swete: „Die Bedingungen für die 57 ehrenamtlichen Helfer sind eigentlich unzumutbar.“

Die Tafel ist zwar im Gespräch mit einem Neumünsteraner Unternehmer, der in der Nähe Lagerraum mit Hochregalen zur Miete anbieten würde (der Courier berichtete). Christina Arpe: „Aber das können wir nicht bezahlen. Hier erwarten wir ganz klar ein positives Signal der Stadt.“ Anderswo stellten die Kommunen die Räumlichkeiten bereit, die Neumünsteraner Tafel erhalte jedoch seit ihrer Gründung 1994 keinerlei Unterstützung von der Stadt und sei allein auf Spenden und Mitgliedsbeiträge angewiesen, so Swete. „Wir sind an einem sozialen Brennpunkt, könnten mehr Menschen helfen, denn die Lebensmittel sind da. Aber wir werden ausgebremst“, sagt Andreas Swete.

Dass Bedürftige vom Jobcenter mit einer Bescheinigung zur Tafel weitergeschickt würden, findet Christina Arpe unmöglich. „Wir entscheiden immer noch selbst, wen wir in unsere Kundenliste aufnehmen“, sagt sie. Ganz schlimm sei die Situation der „Flüchtlinge, Illegalen und Sinti und Roma, die hoffen, Reste zu bekommen. Wir werden oft übelst beschimpft, wenn wir nichts rausgeben können. Das ist genauso schlimm, wie Menschen abweisen zu müssen“, sagt Christina Arpe.


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