Neumünster : Tafel in Not: Aufnahmestopp für Kunden

Boris Davydovych (58) zählt zu den ersten Kunden der 1994 gegründeten Tafel, als die 2003 die Räume an der Kieler Straße bezog. Praktikantin Katharina Wienekamp (links) und Tafel-Chefin Christina Arpe versorgen ihn mit Obst und Gemüse.
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Boris Davydovych (58) zählt zu den ersten Kunden der 1994 gegründeten Tafel, als die 2003 die Räume an der Kieler Straße bezog. Praktikantin Katharina Wienekamp (links) und Tafel-Chefin Christina Arpe versorgen ihn mit Obst und Gemüse.

Der Organisation fehlen Helfer und Lagerräume. Die Stadt hat auf Hilferufe nach einer neuen, größeren Unterkunft bisher nicht reagiert.

shz.de von
16. Mai 2015, 15:30 Uhr

Neumünster | Eigentlich ist die Tafel da, um Bedürftige zu unterstützen. Doch nun ist die Einrichtung an der Kieler Straße selbst in Not. Weil die Zahl der Helfer immer weiter zurückgeht, gleichzeitig aber die Zahl der Kunden immer weiter wächst, hat Tafel-Chefin Christina Arpe einen Aufnahmestopp verhängt. Wer bisher nicht in der Kartei registriert ist, bekommt bei der Essensausgabe keine Ware mehr. Und die Situation könnte sich weiter verschärfen. Die wöchentliche Öffnung ist in Gefahr.

35 Helfer versorgen mittlerweile 3500 Kunden. Dazu zählen nicht nur die Menschen in den langen Schlangen, die sich immer donnerstags und freitags vor dem Gebäude an der Kieler Straße drängeln, sondern auch zwei Schulen, der Kinderschutzbund, das Frauenhaus und die Obdachlosenunterkunft. Hinzu kommt die Belieferung von bedürftigen Familien, die nicht zur Ausgabe kommen können.

Die ehrenamtlichen Mitarbeiter holen außerdem täglich Lebensmittel aus mehr als 20 Märkten und Bäckereien in der Stadt ab. Gerade einmal vier Fahrer gibt es noch für die Kühltransporter, alles Frauen. „Die Arbeit ist hart und anstrengend. Deshalb können wir gut Männer mit Führerschein gebrauchen, die sich trauen, so ein Fahrzeug zu fahren“, sagt Christina Arpe. Auch zum Ausladen, Einräumen und für die Essensausgabe werden dringend Leute gesucht. Nur dank Praktikanten und Ein-Euro-Kräften kann der Betrieb derzeit noch aufrecht erhalten werden. „Brechen da Leute wegen Krankheit oder Urlaubs weg, müssen wir auf eine 14-tägige Versorgung umstellen. Mit allen Konsequenzen“, erklärt die Tafel-Chefin.

Trotz der prekären Lage schickt die Stadt offenbar immer weiter neue Bedürftige. „Erst vorhin war wieder ein neues Ehepaar da, das vom Amt auf die Tafel hingewiesen wurde. Als wir denen eine Absage erteilten, waren sie sehr verärgert und haben auf die Aussage des Amtes gepocht“, sagt Christina Arpe. Sie wünscht sich deutlich mehr Verständnis und Unterstützung vom Rathaus. „Es wird vor Weihnachten immer gesagt, wir bekommen genügend Geld. Aber die Spenden müssen das ganze Jahr reichen.“ Schon seit langem frage sie auf der höchsten Verwaltungsebene nach kostenfrei von der Stadt zur Verfügung gestellten Räumen. Die derzeitige Unterkunft sei zu klein und koste Miete, die ebenfalls von Spenden finanziert werden müsse, sagt sie. Ihr Vorschlag: „In der alten Fabrikhalle an der Anscharstraße hätten wir Platz genug. Aber unser Hilferuf wird ja nicht erhört.“ In der sogenannten Ribsteinhalle soll nach dem Umbau die Aktion Jugendzentrum einziehen (der Courier berichtete).

Wie lange der Aufnahmestopp dauert, ist noch unklar. Nach einem Stopp von November bis Februar kamen sofort wieder 40 Anmeldungen pro Woche.

  •  Wer mithelfen möchte, sollte sich bei Christina Arpe unter tafelkontakt@tafel-nms.de melden.
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