Polizeibericht : Täter verwechselte Wohnungen

Ein Glaser hat die zerstörte Thermopanescheibe  erst einmal abgedichtet.  Ein unbekannter Täter schleuderte Steine in die Erdgeschosswohnung  eines Ehepaares. Laut Polizei wollte er wohl einem Sextäter  eine Lektion erteilen. Doch der wohnt ein Stockwerk höher.
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Ein Glaser hat die zerstörte Thermopanescheibe erst einmal abgedichtet. Ein unbekannter Täter schleuderte Steine in die Erdgeschosswohnung eines Ehepaares. Laut Polizei wollte er wohl einem Sextäter eine Lektion erteilen. Doch der wohnt ein Stockwerk höher.

Ein Anschlag auf einen verurteilten Sextäter traf die Nachbarn.

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26. August 2014, 06:00 Uhr

Neumünster | Der feige Anschlag galt offenbar dem Mieter im ersten Stock – dem vorbestraften Sexualstraftäter Heinrich P.. Doch der Täter verwechselte die Wohnungen und schleuderte zwei Steine in die Fenster der Erdgeschosswohnung eines völlig unbescholtenen älteren Ehepaars. Nur knapp verfehlten die harten Wurfgeschosse am vergangenen Sonnabend kurz nach 23 Uhr die völlig schockierte Wohnungsinhaberin und eine Freundin, die gerade zu Besuch war. Jetzt ermittelt die Polizei. Auch die vermutet: „Da wollte wohl jemand die Unerwünschtheit eines anderen Hausbewohners zum Ausdruck bringen“, so Polizeisprecher Rainer Wetzel.

„Wir standen ganz in der Nähe des Fensters im Wohnzimmer, als es plötzlich explosionsartig knallte. Ein Stein flog direkt am Kopf meiner Freundin vorbei, einer landete auf dem Sofa, wo sie wenig später geschlafen hätte“, berichtet die betroffene Mieterin noch immer völlig aufgelöst von dem Vorfall. „Wir hatten großes Glück und richtig Angst um unser Leben“, schildert sie weiter.

Die beiden Frauen, die zu dem Zeitpunkt allein in der Wohnung waren, flüchteten in den Hausflur und riefen die Polizei. Als die Ermittler eintrafen, waren der oder die Steinewerfer längst in der Dunkelheit verschwunden. Eine Fahndung blieb erfolglos. Lediglich zwei zertrümmerte Thermopanescheiben, eine im Wohnzimmer, eine im Esszimmer des Ehepaares, und zwei große Feldsteine blieben zurück. Die Polizei untersucht jetzt die Steine, die einen Durchmesser von zirka acht Zentimetern haben, auf Spuren.

Was für die Polizei eine Sachbeschädigung ist, ist für die betroffenen Anwohner durchaus ein Anschlag auf ihr Leben. Sie wollen nach jahrelangem Spießrutenlauf und Angst jetzt umziehen. Denn seit der mehrfach verurteilte Sextäter vor Jahren in die Dachwohnung des Hauses in dem ruhigen Wohngebiet einzog, gerieten die alteingesessenen Anwohner aus dem Erdgeschoss immer gleich mit in den Fokus des Protestes gegen den Nachbarn. So wurden sie zum Beispiel stellvertretend beschimpft und beleidigt. „Wir haben dort lange sehr gern gewohnt. Doch jetzt ist Schluss“, sagt die Mieterin aus dem Erdgeschoss traurig.

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