Amtsgericht Neumünster : Täter stach plötzlich zu – Er hatte 3,7 Promille

Der Angeklagte räumte die Tat ein, gab aber an, dass er sich an nichts erinnern könne.
Der Angeklagte räumte die Tat ein, gab aber an, dass er sich an nichts erinnern könne.

Ein Gast wurde in einer Kneipe schwer verletzt. Das Gericht verurteilte den Täter zu acht Monaten auf Bewährung.

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04. Juli 2015, 07:00 Uhr

Neumünster | Ein harmloser Kneipenbesuch endete für einen 56-jährigen Neumünsteraner im Juli vergangenen Jahres im Friedrich-Ebert-Krankenhaus (FEK). In der Kneipe „Peggy Lu’s“ an der Esplanade hatte ihm ein Gast ein Messer ihn den Bauch gestochen. Das Amtsgericht verurteilte den 39-jährigen Angeklagten gestern wegen gefährlicher Körperverletzung zu einer Freiheitsstrafe von acht Monaten auf Bewährung. Zudem muss er ein Schmerzensgeld von 1200 Euro an sein Opfer zahlen.

Warum die Situation derart eskalierte, ließ sich ein Jahr nach der Tat nicht mehr genau nachvollziehen. Der Angeklagte hatte am Nachmittag mit einer Aushilfe in der Kneipe Karten gespielt. Das spätere Opfer war gegen 16.20 Uhr dazugestoßen: „Ich habe mich dazugesetzt, und wir haben uns gegenseitig einen ausgegeben. Als ich zur Toilette ging und wieder zurückkam, schlug der Mann mir plötzlich ins Gesicht. Ich habe dann reflexartig zurückgeschlagen. Auf einmal spürte ich einen Faustschlag in der Rippengegend – zumindest dachte ich das, bis ich das viele Blut gesehen habe.“ Der Mann kam ins Krankenhaus und musste dort fünf Tage bleiben.

Der Angeklagte räumte die Tat ein, gab aber an, dass er sich an nichts erinnern könne: „Da ich festgenommen und das Messer bei mir gefunden wurde, gehe ich aber davon aus, dass es so gewesen ist“, sagte er der Richterin. Der alkoholkranke Täter hatte nach dem Stich das Lokal verlassen, konnte aber kurz darauf von der Polizei gestellt werden. Eine Blutprobe ergab 3,7 Promille. „Ich muss morgens meinen Pegel haben. Wenn ich im Laufe des Vormittags nicht vier bis fünf Bier trinke, kann ich Krampfanfälle kriegen“, sagte er.

Eine Zeugin, die am Tag der Tat als Aushilfe in der Kneipe arbeitete, gab an, dass der Angeklagte bereits alkoholisiert war, als er das Lokal betrat. Der Mann sei beim späteren Kartenspiel genervt gewesen, weil es dabei durch Beleidigungen und Einmischungen durch das spätere Opfer gekommen sei. „Es fielen Sätze wie ‚Du Arsch, wie spielst du denn?!‘“, gab die 37-Jährige an. Nach der Tat soll der Angeklagte laut Angaben der Zeugin sofort Reue gezeigt haben. „Er hat sich auch im Krankenhaus nach dem Zustand des Mannes erkundigt“, sagte die Zeugin.

Ein Polizist berichtete, dass der Angeklagte zwar betrunken wirkte, „aber nicht so, wie man sich jemanden mit mehr als 3 Promille im Blut vorstellt“.

Die Richterin sah aufgrund des Alkoholpegels eine verminderte Schuldfähigkeit vorliegen: „Die Möglichkeit eines Vollrausches ist naheliegend, dafür müsste ich jedoch die Schuldunfähigkeit sicher festgestellt haben. Das kann ich nicht. Der Angeklagte ist erhebliche Alkoholwerte gewöhnt. Er war in der Lage, Karten zu spielen, sich zu unterhalten und zudem steh- und gehfähig.“ Positiv wertete sie, dass der Mann umfassend geständig war und Reue zeigte.

Während der dreijährigen Bewährungszeit wird dem vorbestraften Mann ein Bewährungshelfer zur Seite gestellt. Zudem muss er als weitere Auflage zehn Gespräche bei der Suchtberatung wahrnehmen.

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