Protest : Syrer demonstrierten für Asyl-Auskunft

Das Warten muss ein Ende haben: Zehn asylsuchende Syrer demonstrierten 24 Stunden vor der Landesunterkunft, um eine schnellere Entscheidung zu ihren Verfahren einzufordern.
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Das Warten muss ein Ende haben: Zehn asylsuchende Syrer demonstrierten 24 Stunden vor der Landesunterkunft, um eine schnellere Entscheidung zu ihren Verfahren einzufordern.

Junge Flüchtlinge fordern schnellere Behandlung ihre Asylverfahren. Mahnwache ging über 24 Stunden

shz.de von
15. Januar 2015, 06:15 Uhr

Neiumünster | Mit einer gut 24-stündigen Demonstration haben zehn Syrer von Dienstagvormittag bis gestern um 11 Uhr vor der Landesunterkunft am Haart eine Beschleunigung ihrer Asylverfahren gefordert. Die Männer sind schon zwischen elf Monaten und zwei Jahren in Deutschland. Sie hatten sich in der Landesunterkunft kennengelernt und waren dann auf die Kreise verteilt worden. Bereits Ende Oktober waren sie zu einer Kundgebung nach Neumünster gekommen (der Courier berichtete).

„Wir wollen Antworten zum Stand unserer Asylverfahren.“ So lautete eine Forderung der Flüchtlinge. Auf Plakaten hieß es weiter: „Wir machen uns Sorgen um unsere Kinder“. Aber die Syrer dankten auch „dem deutschen Volk“ für die Aufnahme.

Die Demonstranten verbrachten die kalte und regnerische Nacht im Freien. „Wir haben ihnen Essen und Getränke sowie Decken gebracht und hatten einen Eingang zur Kirche sicherheitshalber offen gelassen“, erklärte Pastorin Isabel Frey-Ranck von der Dietrich-Bonhoeffer-Gemeinde. Die Gemeinde ist sehr engagiert in der Flüchtlingshilfe. Flüchtlingsseelsorger Keyvan Yavarizadeh war ebenfalls vor Ort.

Einer der zehn Syrer war Ali Almeshref. Der 23-jährige Student aus der Stadt Deer Alzoor kam vor elf Monaten über die Türkei, Griechenland, München und Hamburg nach Neumünster. Hier blieb er einen Monat in der Landesunterkunft, ehe er nach Flensburg verteilt wurde. „Ich möchte wissen, wie es weitergeht. Seit Monaten besteht mein Leben nur aus Aufstehen, Essen und Schlafengehen. Ich möchte Deutsch lernen“, sagte er auf Englisch. Die Ungewissheit und die lange Wartezeit plagten ihn.

Gestern Mittag dann die Entscheidung zum Ende der Demonstration. Nach einem Telefonat mit dem Bundesamt für Migration und Flüchtlinge teilte Pastorin Frey-Ranck den Syrern mit, dass es kurzfristig eine Entscheidung, zumindest für einen großen Teil der Flüchtlinge gebe. „Das Bundes- und auch das Landesamt tun ihr Möglichstes. Doch die Zahl der Flüchtlinge ist hoch, und es gibt nicht mehr Personal. Deshalb sind manche Akten lange liegen geblieben“, sagte sie. Die angekündigte schnelle Entscheidung sei allerdings ein Sonderfall, auf den sich niemand berufen könne, betonte sie.

Die Syrer machten sich nach einem Mittagessen in der Landesunterkunft zurück in ihre Städte. Zu Zwischenfällen kam es laut Polizei nicht. „Die Zusammenarbeit mit den Behörden hat gut geklappt“, hob die Pastorin hervor.



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