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Wieder in der Kritik : Susanne Bendfeldt versucht es erneut

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Die Ex-OB-Kandidatin will in Henstedt-Ulzburg antreten und verschweigt ihre Schill-Vergangenheit

von
erstellt am 21.Jan.2014 | 06:00 Uhr

Es ist quasi eine Wiederholung der Ereignisse. Susanne Bendfeldt (53), die vor elf Jahren für das Oberbürgermeisteramt in Neumünster kandidiert und damals mit 46 Prozent gegen den Amtsinhaber Hartmut Unterlehberg (SPD) unterlag, will jetzt erneut Verwaltungschefin werden – und zwar in Henstedt-Ulzburg (Kreis Segeberg). Damals wie heute gerät die Juristin in die Kritik, und das liegt erneut an ihrer kurzen Mitgliedschaft in der umstrittenen Schill-Partei in Mecklenburg-Vorpommern. Diesen Teil ihres politischen Lebenslaufs soll die CDU-Frau, die in Neumünster noch als parteilose Kandidatin antrat, auch jetzt wieder in Vorstellungsgesprächen nicht erwähnt haben.

Was im Jahr 2003 in Neumünster im Wahlkampf schon für Aufregung sorgte, führt jetzt auch in Henstedt-Ulzburg zu Diskussionen. Vor elf Jahren war Susanne Bendfeldt als mittelständische Unternehmerin noch in Schwerin zu Hause und ging in der Schwalestadt für CDU und FDP gegen Hartmut Unterlehberg ins Rennen. Kurz nach der Präsentation ihres Wahlplakats im Januar kam es zum Eklat. Damals wurde durch einen Courier-Bericht bekannt, dass sie nicht nur Mitglied der Schill-Partei in Mecklenburg-Vorpommern gewesen war, sondern 2002 als 1. stellvertretende Vorsitzende sogar für einige Monate der Parteiführung angehört hatte. Dieses Kapitel hatte sie in Neumünster verschwiegen. „Der Eintritt in die Schill-Partei erfolgte aus rein pragmatischen Gründen“, erklärte Susanne Bendfeldt damals dem Courier. „Zusammen mit mehreren anderen Persönlichkeiten aus Mecklenburg-Vorpommern wollten wir eine dritte Kraft im Lande gründen, um für eine Ablösung des rot-roten Regierungs-Bündnisses zu sorgen. Der erhoffte Aufwärtstrend blieb aber aus, und damit war das Thema für mich erledigt. Das Kapitel ist abgehakt“, sagte Susanne Bendfeldt einst. Sie sei im Herbst 2002 aus der Schill-Partei ausgetreten. Einen Grund, ihre Mitgliedschaft öffentlich zu machen, habe sie nicht gesehen. CDU und FDP hielten damals an ihrer Kandidatin fest.

Elf Jahre später ist die Juristin Geschäftsführerin einer Gesellschaft für Immobilienentwicklung in Hamburg und Christdemokratin. Jetzt möchte Susanne Bendfeldt als Bürgermeisterkandidatin in Henstedt-Ulzburg antreten und sich dabei von CDU und der Wählergemeinschaft Bürger für Bürger (BFB) unterstützen lassen. Am Donnerstag dieser Woche soll sie offiziell als Kandidatin nominiert werden. Am Wochenende war sie bereits mit Parteifreunden in der 27 100 Einwohner starken Gemeinde unterwegs und sah sich ein Gewerbegebiet, das Bürgerhaus und Sportanlagen an. Dass sie auch hier in den Bewerbungsgesprächen ihre Vergangenheit in der Schill-Partei verschwieg, begründet sie laut Medienberichten mit der langen Zwischenzeit: „Das Thema liegt zwölf Jahre zurück und erschien mir heute nicht mehr aktuell“, hieß es. Sie wolle lieber über Gegenwart und Zukunft sprechen. Der CDU-Ortsverbandsvorsitzende Michael Meschede hat sich bereits hinter Susanne Bendfeldt als Kandidatin gestellt. „Das Thema Schill-Partei ist für uns erledigt“, erklärte er. Auch die BFB machte bisher keinen Rückzieher.

Susanne Bendfeldt war gestern für eine Stellungnahme nicht zu erreichen.

Kommentar:

Wie heißt es so schön im Volksmund? Aus Fehlern wird man klug. Tja, schön wär’s. Für Susanne Bendfeldt scheint das zumindest nicht zu stimmen. Es gehört schon eine gewisse Chuzpe dazu, gleich zwei Mal hintereinander den unangenehmen Teil des Lebenslaufs einfach zu verschweigen, nur weil er einem nicht mehr in den Kram passt. Beim ersten Mal, im Jahr 2003, konnte man der damaligen OB-Kandidatin noch Unwissenheit zugute halten. Doch nach dem Sturm der Empörung, der sie damals möglicherweise wichtige Stimmen und vielleicht sogar das Amt kostete, hätte sie es besser wissen müssen. Hat sie aber nicht. Auch ihre neuste Entschuldigung, es sei alles so lange her, zieht nicht recht. Allein mit einem ehrlichen Umgang hätte sie punkten können.

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