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Holsteinischer Courier

20. Oktober 2017 | 00:23 Uhr

Sturmschäden : Stürme beschleunigen Waldumbau

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

1000 Bäume umgeknickt: Auf dem Boxberg dauern die Aufräumarbeiten noch bis Mai. Schrobach-Stiftung schätzt , dass die Umgestaltung 30 Jahre dauert.

von
erstellt am 24.Jan.2014 | 16:00 Uhr

Noch bis in den Mai werden Förster Arne Petersen und seine Helfer auf dem Boxberg mit den Folgeschäden der Herbststürme zu tun haben. „Christian“ und „Xaver“ haben auf dem Boxberg insgesamt rund 1000 Bäume entwurzelt oder abgeknickt. „Die Stürme haben den geplanten Waldumbau beschleunigt, dafür aber neue Probleme geschaffen“, sagt die Geschäftsführerin der Kurt-und-Erika-Schrobach-Stiftung, Cordelia Wiebe.

Besonders heftig haben „Christian“ und „Xaver“ an der Nordseite des Boxbergs und in einem Waldstück direkt an der B 430 gewütet, wo die Stürme Schneisen der Verwüstung geschlagen und ganz neue Lichtungen geschaffen haben. „Diese kahlen Flächen sind zum einen optisch nicht sehr schön und zum anderen jetzt mit unglaublich viel Arbeit verbunden“, erläutert Cordelia Wiebe. Der Abtransport der umgewehten Bäume wurde erstmal gestoppt, um die ohnehin schon arg ramponierten Waldwege nicht noch weiter zu beschädigen. Aber erst wenn das Holz im Frühjahr weggeräumt sein wird, ist es sinnvoll, die Sanierung der Wege in Angriff zu nehmen.

Die Schrobach-Stiftung strebt in allen ihren schleswig-holsteinischen Wäldern (insgesamt 1200 Hektar) den Umbau zu einem Laub- und schließlich Naturwald an. Was für den Boxberg, den die Stiftung 2008 erwarb, ein ziemlich rigoroses Unterfangen bedeutet. „Das war hier ja ein fast kompletter 90-prozentiger Nadelwald“, erklärt Förster Arne Petersen. Hilfreich seien die Vorarbeiten zum Waldumbau, die die Landesforsten geleistet haben, indem sie schon vor über 20 Jahren mit dem Anpflanzen von Buchen begannen. „Da steht die nachfolgende Waldgeneration an vielen Stellen schon in den Startlöchern“, vermerkt Petersen, der die Umwandlung zum Laubwald auf möglichst natürliche Weise vollziehen will.

„Wir nehmen alle Bäume und Sträucher mit, die bei der Naturverjüngung von selber kommen: Birken, Ebereschen, Haselnuss, Weiden oder Erlen.“ „Der Boxberg ist ein Fauna-Flora-Habitat-Gebiet, und unsere Ziele decken sich mit den im Managementplan für dieses Schutzgebiet festgeschriebenen Zielen“, betont Cordelia Wiebe. Schützenswert ist auf dem Boxberg vor allem die Heide. „Die Heidefläche soll noch größer werden, da ist so ein Sturm manchmal sogar hilfreich“, meint Petersen. „Man selbst hätte das als Sturm vielleicht ein bisschen anders gemacht“, stellt Cordelia Wiebe mit Blick auf eine neu entstandene, etwa einen halben Hektar große Lichtung direkt an der B 430 fest: „Hier sind Sicht- und Schallschutz jetzt gerade ganz weg, und deshalb soll hier möglichst schnell eine grüne Wand gepflanzt werden.“

Die Sturmschäden wertet man bei der Schrobach-Stiftung als Bestätigung des eigenen Waldumbaukonzepts. „Nadelbaumbestände sind an sich instabil“, weiß Petersen, „Wälder mit Baumarten, die hier an diesen Standorten natürlich wachsen, sind per se stabilere Wälder.“ „Christian“ und „Xaver“ haben zwar ganze Arbeit hinsichtlich des Waldumbaus geleistet, trotzdem wird die Umgestaltung zum reinen Laubwald auf dem Boxberg noch Zeit in Anspruch nehmen. „25 bis 30 Jahre“, schätzt Petersen, „wenn zwischendurch nichts weiter passiert.“

Sollten die Stürme aus Gründen des Klimawandels an Häufigkeit und Intensität zunehmen, wäre der Waldumbau erst recht erstrebenswert, meint Cordelia Wiebe: „Umso wichtiger ist es, naturnahe und stabile Bestände zu haben, die mit solchen Wetterbedingungen zurechtkommen.“ Ein Naherholungsgebiet soll der Boxberg auch in Zukunft bleiben. „Der Naturwald soll später ganz in Ruhe gelassen werden“, erklärt Cordelia Wiebe, „wir brauchen als Stiftung mit reinen Naturschutzzielen keine wirtschaftlichen Aspekte zu berücksichtigen.

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