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Neues Netzwerk : Struktur für Flüchtlingsarbeit

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Der Kirchenkreis Altholstein bietet den Gemeinden mit einem neuen Netzwerk Hilfe bei Fragen an.

shz.de von
erstellt am 06.Mär.2015 | 12:00 Uhr

Neumünster | Die Fragen sind oft nicht einfach zu beantworten: Was soll ich tun, wenn Flüchtlinge in der Gemeinde auftauchen und ihre muslimische Religion ausüben wollen? Wenn sie plötzlich in der Kirche stehen, aber kein Wort im Gottesdienst verstehen? Oder wenn sie sogar um Kirchenasyl bitten, um sich den Behörden zu entziehen? Mit einem neuen Netzwerk will der Kirchenkreis Altholstein Antworten geben und Strukturen für eine kontinuierliche Flüchtlingsarbeit schaffen. In zwei Arbeitsgruppen mit je 20 Mitgliedern werden derzeit Leitfäden erarbeitet.

Das Angebot richtet sich in erster Linie an leitende haupt- und ehrenamtliche Helfer der Kirchengemeinden, aber nicht nur. „Es gibt durchaus Gruppen, die sich unabhängig von der Kirche gegründet haben, um Flüchtlingen zu helfen. Auch ihnen stehen wir mit Rat und Tat zur Seite“, sagt Propst Stefan Block. Er bildet mit Michael Frenzel, Bereichsleiter Soziale Hilfen bei der Diakonie, Joachim Wöbke, Beauftragter für den Arbeitsbereich Flüchtlinge, und Diakonin Silke Leng den Führungskreis des Netzwerkes. Wichtig ist dem Quartett der Austausch zwischen den betroffenen Gemeinden. „Der Wissensstand ist überall anders. Manche haben schon lange Flüchtlinge bei sich, andere haben sich noch nie mit dem Thema beschäftigt. Einige wissen auch gar nicht, welches Angebot die Kirche überhaupt vorhält“, sagt Michael Frenzel. Ob Beratung, Sprachkurse, Begleitung bei Asylverfahren oder Lebenshilfe: Für fast alle Bereiche gibt es intern Ansprechpartner. Wo nicht weiter geholfen werden kann, wird an externe Partner oder Institutionen verwiesen, etwa den Flüchtlingsrat, Dolmetscher oder ans Deutsche Rote Kreuz. „Manchmal hilft auch nur der Gang zum Anwalt“, sagt Joachim Wöbke aus Erfahrung.

„Uns geht es nicht darum, dem Gemeindemitglied zu sagen, wo er gebrauchte Kleidung für Flüchtlinge spenden kann, sondern die Gemeinden auf eine nachhaltige Flüchtlingsarbeit vorzubereiten. Denn das Thema wird uns eine lange Zeit beschäftigen“, erklärt Silke Leng.

Sie spricht sich wie die anderen auch für eine längere Verweildauer der Flüchtlinge in der Erstaufnahme-Einrichtung am Haart aus. Derzeit sind die Ankommenden dort etwa zwei Wochen untergebracht, dann werden sie auf die Kreise verteilt. In Neumünster bleiben nur unbegleitete minderjährige Flüchtlinge. „Es müssten mindestens sechs Wochen sein“, sagt Silke Leng. Sie schlägt zudem eine Reisebegleitung der Flüchtlinge bei ihrer Fahrt in die Kreise vor, da sich fast alle nicht auskennen. „Die Bahnhofsmission macht gute Arbeit, aber das kann sie nicht leisten.“

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