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Weltkatzentag : Streuner-Katzen – ein großes Problem

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Heute ist Tag der Katze: Das Problem halbwilder Katzen ist im Tierheim täglich ein Thema / Viele Tierhalter kennen sich auch einfach nicht aus

Neumünster | Eine der ganz großen Sorgen der Mitarbeiter in der Tierauffangstelle sind halbwilde Streunerkatzen. „Ich habe jeden Tag vier bis fünf Anrufe zu diesem Thema. Das ist ein Kampf gegen Windmühlenflügel. Viele schaffen sich leichtfertig Katzen an“, sagt Gisela Bünz, Vorsitzende des Tierschutzvereins und Leiterin der Tierauffangstelle. Auch heute, am Tag der Katze, wird das wohl nicht anders sein.

Gestern Nachmittag standen Ursula und Michael Kelich (44) aus Brokenlande mit einem leeren Käfig im Tierheim auf der Matte. Wochenlang hatten sie versucht, einen herumlaufenden Kater einzufangen – vergebens. „Jetzt ist er überfahren worden“, sagten sie traurig. Es war nicht das erste Mal, dass das Paar eine solche Aktion startete. „Das ist der erste richtige Schritt. Die Leute dürfen nicht wegsehen“, sagt Gisela Bünz. Die Keilichs machten es richtig: „Kontakt zum Tier aufnehmen, es anfüttern, eine Beziehung aufbauen und entweder so einfangen oder mit einer Katzenfalle.“ Das oberste Ziel: Die Produktion von noch mehr Katzen außerhalb der menschlichen Obhut vermindern – mit konsequenter Kastration. „Das gilt sowohl für die Streuner als auch für die Hauskatzen. Selbst wenn sie reine Wohnungstiere sind, müssen sie kastriert werden, sonst können sie dauerrollig werden“, sagt die Tier-Expertin. Es sei ein fataler Irrtum, dass Katzen einmal im Leben geworfen haben müssten: „Ohne sind die genauso glücklich.“

Wenig später stand Günter Herrendörfer (76) aus Tasdorf mit einem Kätzchen in einer Transportbox im Tierheim. „Die muss doch jemandem gehören. Sie lief mir hinterher wie ein kleiner Hund. Aber meine Frau und ich können sie nicht nehmen“, sagt er. Gisela Bünz lobte sein Verhalten: „Wenn sie jung eingefangen werden, haben sie eine gute Chance, vermittelt zu werden.“

Eine Reihe schöner, aber scheuer halbwilder Katzen lebt im Tierheim – aber niemand will sie. Die meisten Menschen suchen ein zahmes Schmusetier. Insgesamt logieren zurzeit sogar rund 80 Katzen im Tierheim, Neuankömmlinge müssen schon in Kaninchenkäfigen untergebracht werden.

Ein weiterer Aufreger macht die Tierheimleiterin fassungslos: die Unwissenheit. „Einer Frau wurde vom Tierarzt geraten, ihren Kater auf einen Bauernhof zu geben, weil er so wild war. Dabei hatte er nur Panik vorm Impfen“, erzählt sie nach einem Hausbesuch. Eine andere Frau versuchte, ihre Katze mit Zeitung und Wasserpistole zu erziehen, weil die ihre Krallen am Regal statt am Kratzbaum wetzte – etwas, womit Katzenbesitzer immer rechnen müssen. Gisela Bünz schüttelt nur den Kopf, wenn sie so etwas hört: „Katzen kann man nicht erziehen, allenfalls mit Streicheleinheiten und Leckerlis zu etwas bewegen.“

Wohlwollende, freundliche und hartnäckige Aufklärungsarbeit leistet die Tierärztin Heimke Siemen-Thiesfeld aus Einfeld täglich: „Mancher Landwirt oder Reitstallbesitzer ist uneinsichtig. Man muss aber differenzieren.“ Die Besitzerin von fünf Katzen hat gerade in ihrem Wohnort Bissee eine Kastrationsaktion organisiert und hilft als Tierärztin, wo sie kann. Aber: „Man kann das Problem nicht auf dem Rücken der Tierärzte austragen. Es ist zu begrüßen, dass das Umweltministerium einen Kastrations-Fonds plant. Auch die Pflicht, alle Katzen mit einem Chip zu versehen, würde ich sehr gut finden. Es wäre wunderschön, wenn sich Menschen mehr um Katzen kümmern würden.“

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