Boostedt : Stress für Bewohner und Mitarbeiter

Bürgermeister Hartmut König (von links), Hartmut David von der Kirchengemeinde, Franz Strompen vom Verein Willkommen in Boostedt und Michael Kautecky vom Sozialverband waren unter anderem Teilnehmer des Runden Tisches.
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Bürgermeister Hartmut König (von links), Hartmut David von der Kirchengemeinde, Franz Strompen vom Verein Willkommen in Boostedt und Michael Kautecky vom Sozialverband waren unter anderem Teilnehmer des Runden Tisches.

Die Flüchtlingsunterkunft in Boostedt erreicht jetzt die Zahl von 500 Menschen.

shz.de von
17. Juli 2015, 07:00 Uhr

Boostedt | Die kurze Verweildauer der Flüchtlinge in der Erstaufnahmestelle der Rantzau-Kaserne stellt die Helfer vor Probleme. Das wurde während der ersten öffentlichen Sitzung des Runden Tischs zur Flüchtlingshilfe im Hof Lübbe am Mittwochabend deutlich. Etwa 50 Besucher folgten den Ausführungen von Vertretern der sieben Partner. Außerdem wird die Unterkunft in Boostedt in diesen Tagen ihre Höchstkapazität von 500 Menschen erreichen.

„Zwei der drei zusätzlichen Gebäude sind fertig gemacht worden“, erklärte gestern Katja Ralfs von Landesamt für Ausländerangelegenheiten in Neumünster. Sukzsessive werde jetzt die Zahl jetzt auf 500 Flüchtlinge heranwachsen. Ob die Zahl schon heute erreicht werden, konnte Katja Ralfs noch nicht sagen.

„Dieser schlagartige Anstieg im Juli von Menschen, die Schutz suchen, war nicht voraussehbar“, erklärte Manuela Söller-Winkler, Staatssekretärin im Kieler Innenministerium, vorgestern Abend bei der Sitzung der Flüchtlingshelfer. „Die Menschen sind hier für etwa zwei Wochen. Wir hoffen zukünftig auf eine längere Verweildauer“, erklärte Maria von Glischinski, die Leiterin des DRK-Betreuungsverbandes in der Erstaufnahmestelle in Boostedt. Und weiter: „Momentan haben die Mitarbeiter und die Bewohner sehr viel Stress. Die Flüchtlinge brauchen Zeit, um erst einmal anzukommen. Die Transfertage, an denen die Schutzsuchenden auf die Kreise verteilt werden, sind dienstags und donnerstags. Dann gehen schlagartig 80 bis 100 Menschen weg und die Zimmer müssen schnell für Neuankömmlinge hergerichtet werden.“

Auch die Verwaltung kommt an ihre Grenzen: „Wir gehen auf dem Zahnfleisch, insbesondere zur Urlaubszeit. Momentan betreuen zwei Sachbearbeiter 400 Menschen“, meinte Holger König vom Landesamt für Ausländerangelegenheiten und wünschte sich ebenfalls eine längere Verweildauer.

Auch die Vermittlung rudimentärer Deutschkenntnisse leidet. Diese Aufgabe übernehmen bis etwa zum Herbst noch Ehrenamtler. Der tägliche Deutschunterricht soll nun auch auf den Sonnabend ausgeweitet werden. „Wir werden aber dennoch ein verkürztes Programm anbieten müssen“, bedauerte Susanne Becker, eine der Unterrichtenden.

Sehr gut angenommen wird das Café Welcome, das alle 14 Tage von der Kirchengemeinde organisiert wird. „Es sind regelmäßig etwa 80 Menschen zu Gast. Allerdings kommen überwiegend Männer. Daher wächst zurzeit die Idee von einem extra Café nur für Frauen“, berichtete Hartmut David.

Auch der Sportverein und der Sozialverband Deutschland (SoVD) engagieren sich ehrenamtlich. Michael Kautecky vom SoVD bietet regelmäßig Fußballtraining an und stellte fest : „Es läuft hervorragend.“ Peter Blumenröther vom SV Boostedt gab bekannt, dass zurzeit eine Boulebahn auf dem Kasernengelände angelegt wird. Problematisch werde es im Winter: „Ich hoffe, dass wir dann geeignete Sportstätten zur Verfügung haben werden.“ Gemeinsam mit Anita Mehrens von der DRK-Kleiderstube betonte Blumenröther: „Wir brauchen dringend Fußballschuhe in Größe 42 bis 44 sowie Damensportschuhe. Die Männer spielen barfuß.“ Außerdem werden unbedingt Reisetaschen, Rucksäcke, Koffer und flache Damenschuhe gebraucht. Anita Mehrens bedankte sich für die vielen Spenden, die oft gute Markenkleidung enthielten.

Eine Frau aus dem Publikum wollte wissen, ob die Asylsuchenden bei der Ausleihe eines Fahrrads mit den deutschen Verkehrsregeln vertraut gemacht werden. Verpflichtend sei das nicht, aber Maria von Glischinski sagte: „Ich bitte Sie: Sprechen Sie die Leute direkt auf Fehlverhalten an. Wenn man nicht auf einen Faux-Pas hingewiesen wird, kann man nichts ändern.“

Gesucht werden nach wie vor Helfer sowie auch Sachspenden wie Papier, Blöcke und Stifte. 

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