Neumünster : Streit weitet sich aus – AJZ droht NPD-Politiker Proch mit rechtlichen Schritten

Bei Rock- und Punkkonzerten geht es im AJZ auch mal lauter zu. Nach massiven Beschwerden  von Anliegern will der Treff sein Konzertprogramm jetzt auf zwölf Konzerte im Jahr beschränken.
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Das AJZ in Neumünster wendet sich in einem offenen Brief an NPD-Politiker Mark Proch.

Nach dem Konflikt zwischen Antifa und Big Harry hatte der Ratsherr Partei ergriffen und die Stadt für die Finanzierung des Jugendzentrums kritisiert.

shz.de von
12. Januar 2018, 13:07 Uhr

Neumünster | Antifa gegen Big Harry, Big Harry gegen alles Radikale, NPD gegen Antifa und jetzt das AJZ gegen die NPD. Der Streit in Neumünster weitet sich aus. Nach kritischen Aussagen des Ratsherren der Partei, Mark Proch, in einem Videostatement meldet sich der Verein Aktion Jugendzentrum (AJZ) zu Wort und droht mit rechtlichen Schritten.

Der NPD-Politiker hatte die Reaktion der Antifa auf ein geplantes Konzert des Musikers Big Harry in der Kneipe „Titanic“ heftig kritisiert und diese als „linksextremistische, kriminelle Vereinigung“ bezeichnet. Das AJZ hatte er zudem als einen von der Stadt finanzierten Treffpunkt der Antifa dargestellt. Damit hat der Politiker offenbar einen weiteren Konflikt entfacht. Denn jetzt wendet sich das AJZ in einem offenen Brief an Proch, in dem es unter anderem heißt:  

„In ihrem Video sprechen sie von der Antifa als ,vermummte Horden', die ,gewaltbereit Steine auf politische Gegner oder auf Menschen, die nicht ihrer Weltauffassung entsprechen, schmeißen und auch vor weiteren Gewalttaten [...] nicht zurückschrecken'. […] Dass Sie […] den Eindruck erwecken, unser Jugendzentrum sei Ausgangspunkt von politisch motivierten Gewalttaten, diskreditiert unsere pädagogische Arbeit, für die wir seit Jahrzehnten mit der Stadt Neumünster kooperieren und geht an der Realität vorbei.“

Proch verschweige zudem, dass das AJZ eine Einrichtung der Offenen Kinder- und Jugendarbeit sei, in der erfolgreich pädagogische Angebote für junge Menschen durchgeführt würden. Das Haus werde täglich von bis zu 70 Kindern und Jugendlichen als verlässliche Anlaufstelle und sicherer Freizeitort genutzt. Darunter seien „erfreulicherweise auch einige, die sich aktiv gegen Rassismus und Ausgrenzung einsetzen, was wir, angesichts des Rechtsrucks unserer Gesellschaft ausdrücklich unterstützen“, so der Verein.

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