Kleingärtner gegen Sportverein : Streit um Knick am Laubenweg

Werner Freymann weist auf die Buchen am Laubenweg, die bis in den Nachmittag hinein seinen Garten (rechts) beschatten.
Werner Freymann weist auf die Buchen am Laubenweg, die bis in den Nachmittag hinein seinen Garten (rechts) beschatten.

Kleingarten-Anlieger Werner Freymann will den Sportverein SC Gut Heil notfalls gerichtlich zwingen, seinen Knick auf den Stock zu setzen.

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19. März 2014, 05:00 Uhr

Neumünster | Seit eineinhalb Jahren gibt es am Laubenweg einen erbitterten Nachbarschaftsstreit um den Knick, der den Sportplatz des SC Gut Heil einfriedet. Pächter und Eigentümer der gegenüber liegenden Kleingärten verlangen, dass der Sportverein den Knick auf den Stock setzt. Aber selbst ein Schlichtungsversuch vor dem Schiedsmann brachte keine Einigung. Jetzt überlegt Nachbar Werner Freymann (68), vor Gericht zu ziehen, und droht mit einer Schadensersatzklage.

Seit 2011 beschweren sich Freymann und seine Partnerin Ingrid Reiser, aber auch andere Kleingärtner, dass der Knick seit Jahrzehnten nicht mehr gepflegt wurde. „Der Knick nimmt uns bis zum Nachmittag die Sonne. Wir können in unserem Garten nichts anbauen, weil im Schatten alles vergammelt“, sagt Freymann. Ein Nachbar sei sogar schon einmal auf den durch ständigen Schatten vermoosten und rutschigen Steinplatten gestürzt.

Freymann argumentiert mit der Knickschutzordnung und dem Landesnaturschutzgesetz und hat Gut Heil angeboten, den Knick selbst herunter zu schneiden. Das lehnt der Verein ab. „Es kommen zwar immer wieder Klagen, dass die Bäume zu hoch seien. Wir sehen das aber nicht so“, sagt Gut Heils Vorsitzender Norbert Freund: „Uns geht es um die Einfriedung, den Sicht- und den Lärmschutz am Sportplatz.“ Der Sportverein sei  auch schon bei der Knickpflege aktiv geworden und habe einzelne Bäume herausgesägt. „Das hat uns einen Haufen Geld gekostet“, sagt  Freund und macht klar: „Wir sind nicht daran interessiert, den Knick auf Null zu sägen.“ Ein neuer  Nachbar sei gut beraten, erstmal das Gespräch zu suchen und nicht gleich mit Drohungen zu kommen.

Die Situation scheint völlig verfahren. „In diesem Fall gab es keine Einigung“, sagt der Schiedsmann Uwe Radike, der in solchen Nachbarschaftsstreitigkeiten zunächst anzurufen ist. Auch er ist der Meinung, dass das kein Knick mehr ist, sondern schon eine ausgewachsene Baumreihe. Das Knick-Recht in Schleswig-Holstein sei aber ein „Soll-Recht, kein Muss-Recht“, sagt Radike. Und: „Im Gesetz steht nirgendwo, dass sich Nachbarn einigen sollten.“

Die Stadt sieht keine Möglichkeit einzugreifen. „Es handelt sich um einen gesetzlich geschützten Knick, ein wertvolles Biotop“, sagt Umwelt-Fachdienstleiter  Heinrich Kautzky.  So ein Knick dürfe nicht beseitigt werden. Kautzky: „Es gibt aber keine Handhabe, den Eigentümer zu zwingen, den Knick auf den Stock zu setzen.“ Durchgewachsene Knicks könnten ihre Funktion nicht mehr erfüllen.  Kautzky: „Wir als Naturschutzbehörde würden uns wünschen, dass der Knick gepflegt wird und würden dazu auch beraten.“

Wie der Streit auch ausgeht: Zurzeit darf an den Knick ohnehin keine Hand angelegt werden. „Die Zeit für Pflegemaßnahmen ist erstmal abgelaufen.  Die sind nur vom 1. Oktober bis Mitte März möglich“,  sagt  Heinrich Kautzky.

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