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Gerichtsbericht : Streit um dubiosen Grundstücksverkauf

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Das Gericht verurteilte einen Rentner zu einer Bewährungsstrafe. Er wollte Schulden mit Waffengewalt eintreiben.

von
erstellt am 22.Sep.2015 | 07:00 Uhr

Neumünster | Gleich zwei schwerwiegende Fehler machte ein Rentner (67), als er vor einigen Monaten sein Grundstück mit Gartenlaube verkaufen wollte. Zum einen ließ sich der Neumünsteraner nach eigenen Angaben zum Teil zu einem Schwarzgeldgeschäft überreden. Zum anderen versuchte er, als die Zahlungen nicht wie gedacht flossen, mit einer Waffe das Geld einzutreiben. Letzteres wertete die Staatsanwaltschaft das als versuchte räuberische Erpressung. Der Mann musste sich deshalb gestern für seine rabiate Zahlungsaufforderung vor dem Schöffengericht verantworten.

Bereitwillig schilderte der Angeklagte, wie sich das dubiose Geschäft seiner Meinung nach damals entwickelt hatte. „Ich wollte mein Grundstück mit Gartenlaube für 30  000 Euro verkaufen“, berichtete der Mann. Nach einem Inserat in einer überregionalen Zeitung meldete sich ein Makler. Wenig später gab es schon einen Interessenten. Nach einigen Gesprächen wurden sich Verkäufer und Käufer demnach einig: 12 000 sollten offiziell gezahlt werden, der Rest sollte nach Auskunft des Rentners auf Wunsch des Käufers unter der Hand fließen. Ein Notartermin wurde gemacht, und der erste Teil des Geschäfts ging über die Bühne, so der Angeklagte. Anschließend stockte die Sache jedoch. Auf Nachfrage habe der Käufer zwar noch kleine Summen gezahlt, doch dann sei irgendwann nichts mehr gekommen, erklärte der Rentner. „Ich habe mich hingehalten gefühlt“, berichtete er. Unter anderem habe der säumige Zahler die Verzögerungen mit einem Einbruch in sein Haus begründet. „Da sei ein Safe weggekommen und jetzt müsste erst alles mit der Versicherung geklärt werden. Das könnte dauern“, habe der Käufer zum Beispiel gesagt.

Am 20. November 2014 riss dem Verkäufer letztendlich der Geduldsfaden. Gegen 10.40 Uhr begegnete er laut Anklage seinem Kontrahenten an dem besagten Grundstück. Es kam zu einer Diskussion. Als der Käufer irgendwann einfach wegging, soll der Angeklagte laut Staatsanwaltschaft ein Tierabwehrspray, das als Gaswaffe gilt, aus dem Handschuhfach seines Autos genommen haben. Mit den Worten „ich kriege noch Geld von dir“ hielt er ihm das Spray vor das Gesicht – so hieß es gestern in der Anklage.

„Ich weiß, dass es ein Fehler war. Das war nicht klug“, beteuerte der Angeklagte vor Gericht reumütig. Doch er stellte auch klar: „Der war über 20 Meter weg. Ich habe es in die Luft gehalten, das war alles.“

Weil er die Tat unumwunden zugab, musste das Opfer vor Gericht nicht mehr aussagen. Der Anklagevertreter hielt dem bisher unbescholtenen Rentner neben dem Geständnis unter anderem zugute, dass das Spray auf die große Entfernung ohnehin keine Wirkung mehr habe entfalten können. Er sah deshalb einen minderschweren Fall im Versuchsstadium und forderte die Mindeststrafe von drei Monaten Freiheitsstrafe, die auf zwei Jahre zur Bewährung auszusetzen seien – eine Größenordnung, der sich auch die Verteidigung nicht entgegenstellte.

Das Gericht folgte in seinem Urteil den Anträgen. „Wir leben nicht in einem Land, wo man Forderungen mit Waffengewalt einfordern sollte“, mahnte der Richter. Wenn Sie so ein Schwarzgeldgeschäft machen, müssen Sie wissen, dass Sie rechtlich keinen Anspruch darauf haben“, meinte der Jurist.

Der angeklagte Rentner nahm das Urteil noch im Gerichtssaal an. Ob er das restliche Geld noch erhalten wird, ist unklar. Er will sich mit seinem Anwalt beraten. Die Ursache des Streit war nämlich nicht Gegenstand des Prozesses vor dem Schöffengericht. Hier ging es ausschließlich um die versuchte räuberische Erpressung – also um den Versuch, mit Waffengewalt Geld einzutreiben.

 

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