Trakehner-Hengst Kaiser Milton : Streit um des Kaisers lahme Hufe

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Der Trakehner-Hengst „Kaiser Milton“ bei der Vorstellung während des Trakehner-Hengstmarktes im vergangenen Oktober in den Holstenhallen. Seit November 2017 schwelt der Streit.
Der Trakehner-Hengst „Kaiser Milton“ bei der Vorstellung während des Trakehner-Hengstmarktes im vergangenen Oktober in den Holstenhallen. Seit November 2017 schwelt der Streit.

Die Güteverhandlung um den Trakehner-Hengst „Kaiser Milton“, Sieger der Hengst-Körung des vergangenen Jahres in Neumünster, ist gescheitert.

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11. Oktober 2018, 18:45 Uhr

Neumünster | Um den edlen Trakehnerhengst „Kaiser Milton“ droht ein langer juristischer Streit: Die Güteverhandlung vor dem Landgericht Kiel scheiterte gestern. Die Kontrahenten – der Käufer aus Bad Bevensen (Niedersachsen) und der Verkäufer aus den Niederlanden – lehnten das Angebot des Vorsitzenden Richters der 12. Zivilkammer, Ulf Müller, ab, eine gütliche Einigung zu suchen. Der Käufer will das nach seinen Angaben kranke Pferd zurückgeben, ohne etwas zu bezahlen. Und der Verkäufer möchte endlich den Kaufpreis samt Mehrwertsteuer und Versicherungsprämie erhalten – fast 382 000 Euro. Noch ist kein Cent geflossen.

Der Fall ist in der Geschichte des renommierten internationalen Trakehner Hengstmarktes in Neumünster einzigartig und demGeschäftsführer Lars Gehrmann sichtlich unangenehm – zumal der 56. Markt mit Gästen aus mehr als 20 Ländern vom 18. bis 21. Oktober in den Holstenhallen in Neumünster bevorsteht. Die Veranstalter sprechen vom „weltweit größten Trakehner Event des Jahres“, 1962 fand der erste Markt statt.

„Kaiser Milton“ wurde beim Trakehner Hengstmarkt 2017 – wie berichtet – als bester Hengst gekört und schließlich für 320 000 Euro plus Nebenkosten versteigert. Doch schon beim Abladen nach dem Transport nach Niedersachsen stellte der neue Besitzer nach eigenen Angaben fest, dass das Tier vorne links lahmt - angeblich wegen eines nicht korrekt gewachsenen Hufes. Tierärzte stellten laut Besitzer auch einen Fesselträgerschaden fest. Und: Das Pferd hat einen Herzfehler. Alle vier Herzklappen weisen eine Undichtigkeit auf. Wegen des Problems hat „Kaiser Milton“ laute Herzgeräusche, die auch schon bei der Auktion bekannt waren, wie Gehrmann einräumt. Allerdings bewerten die Anwälte des Trakehner Hengstmarktes und des niederländischen Verkäufers die lauten Herztöne als vernachlässigbar.

Dieses Phänomen habe aus tierärztlicher Sicht keinen Einfluss auf die Leistungsfähigkeit eines Pferdes und werde auch nicht vererbt. Und die Lahmheit und den Fesselträgerschaden bezweifeln Gehrmann und die Anwälte: Bei einem Besuch ihres Tierarztes in einer Klinik, in der das Pferd stand, habe das Tier nicht zur Lahmheit gebracht werden können.

Den tierärztlichen Bericht aus Berlin über den angeblichen Fesselträgerschaden wiederum interpretieren die Anwälte so, als sei ein solcher Schaden dort nicht festgestellt worden.

„Warum sollte ich erst ein solches Pferd kaufen, um es einen Tag später ohne Grund zu reklamieren?“, fragte der Käufer vor Gericht. Er hätte sogar 50 000 Euro mehr bezahlt, so sehr habe ihm „Kaiser Milton“ gefallen. Es sei fraglich, ob er jemals wieder in seinem Leben ein solch schönes Pferd finde. Aber als Betreiber eines Gestüts und Unternehmer könne er das Pferd nicht behalten – auch nicht zu einem niedrigeren Preis, wie es der Richter auszuloten versuchte. Denn, so argumentiert der Besitzer, wegen des Herzproblems, aber auch der chronischen Lahmheit und des Fesselträgerschadens könne „Kaiser Milton“ nicht stark beansprucht werden und keine großen Turniere bestreiten. Ohne Turniererfolge werde der Hengst aber für die Zucht nicht so stark nachgefragt.

Im übrigen sei fraglich, ob „Kaiser Milton“ die noch ausstehenden beiden Hengsteignungsprüfungen im nächsten und übernächsten Jahr überhaupt bestehen würde. Erst dann wäre er als Deckhengst auf Lebenszeit zugelassen. In diesem Jahr habe der dreijährige Hengst wegen seiner Probleme erst zum letztmöglichen Termin im September die erste Eignungsprüfung gemacht und bestanden. Allerdings habe er den Hengst am neunten Tag der 14-tägigen Prüfung wegen Lahmheit abholen müssen, sagte der Besitzer.

„Jetzt ist die Stunde der Wahrheit – sagen Sie etwas“, versucht Richter Müller die Parteien zu einem Kompromiss zu bewegen. Die von Müller vorgeschlagene Bestellung eines Schiedsgutachters, dessen Spruch beide Parteien akzeptieren, lehnen diese ab. Die Beweislast, dass das Pferd am Tag der Auktion (22. Oktober 2017) tatsächlich schon krank war, liegt beim Käufer. Richter Müller kündigte an, am 22. November eine Entscheidung bekanntzugeben, wie es weitergeht. Am wahrscheinlichsten ist die Eröffnung eines Beweisverfahrens.

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