Kita-Streik : Streik: Eltern kriegen kein Geld zurück

Heute kann Jonah (4) lange vergeblich an der Tür der Kita Wittorf an der Reuthenkoppel rütteln. Wer keinen Platz in der Notgruppe hat, kann hier in den kommenden Tagen wegen des Streiks leider nicht spielen.
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Heute kann Jonah (4) lange vergeblich an der Tür der Kita Wittorf an der Reuthenkoppel rütteln. Wer keinen Platz in der Notgruppe hat, kann hier in den kommenden Tagen wegen des Streiks leider nicht spielen.

Ab heute bleiben acht von neun städtischen Kindertagesstätten geschlossen / Mehr Notgruppen sind mit dem reduzierten Personal nicht möglich

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08. Mai 2015, 05:00 Uhr

Neumünster | Wenn ab heute in acht von neun städtischen Kindertagestätten auf ungewisse Zeit die Türen geschlossen bleiben, sind die Eltern der rund 900 dort betreuten Kinder im Vergleich zu einigen anderen Standorten gleich doppelt betroffen: Sie haben nicht nur das Problem, eine Betreuung für ihren Nachwuchs zu organisieren und oft auch zusätzlich zu finanzieren – sie werden aller Voraussicht nach auch keinen Cent ihrer Beiträge wiedersehen. Während zum Beispiel in Kiel ab dem fünften Streiktag in Folge gekürzt werden darf, ist in Neumünster laut Stadt eine Rückerstattung nicht vorgesehen.

„Eine Erstattung der Kostenbeiträge ist nach der Kostenbeitragssatzung für die Kindertagesstätten der Stadt Neumünster nach Paragraf 3 Absatz 7 ausgeschlossen“, erklärte Stadtsprecher Stephan Beitz gestern auf Anfrage.

Zurzeit zahlen die Eltern für einen Ganztagsplatz in der Krippe (Kinder unter drei Jahren) ohne Essen 211 Euro monatlich. Ein Ganztagsplatz in der Elementargruppe (drei bis sechs Jahre) kostet 155 Euro monatlich. Für den Ganztagsplatz im Hort (Grundschüler, bis 14 Uhr ) werden 80 Euro fällig. Allerdings decken diese Zahlungen der Eltern lediglich elf bis zwölf Prozent der Gesamtkosten für einen Platz ab.

Während die Eltern laut Satzung während des Streiks weiter zahlen müssen, werden die entsprechenden Tagessätze der Erzieher-Gehälter vom Arbeitgeber Stadt nicht ausgezahlt. „Für die Dauer der Streikteilnahme besteht kein Anspruch auf Arbeitsentgelt. Das heißt: Das Entgelt ist für aufgrund der Arbeitsniederlegung ausgefallene Arbeitsstunden entsprechend zu kürzen“, hieß es gestern von Seiten der Stadt. Weil aber noch nicht alle Beschäftigten mitgeteilt haben, ob sie an dem Streik teilnehmen, kann die Stadt zurzeit noch nicht beziffern, wie viel Geld sie letztlich einbehalten wird.

Während die Kita Faldera wegen eines Wandertags erst ab Montag geschlossen bleibt, ist die Kita Haartallee in der kommenden Woche geöffnet. Notgruppen gibt es in der Kita Einfeld, in der Kita Gartenstadt und der Kita Wittorf. Weitere Betreuungsangebote wird es nicht geben. „Eine Ausweitung der Notgruppen wird aufgrund der derzeitigen streikbereiten Mitarbeiter nicht möglich sein“, sagte Stephan Beitz.

Den Eltern, die keinen Platz in einer Notgruppe ergattern konnten, empfiehlt die Stadt, „die Kinder bei Verwandten oder Freunden unterzubringen“. Außerdem könnten „einige Eltern ja gegebenenfalls mehrere Kinder bei sich zu Hause aufnehmen“, hieß es gestern. Für manche Eltern dürfte das schwierig werden. Zwar ist der Streik laut Stadt erst einmal nur bis Mittwoch vor Himmelfahrt angesetzt, doch laut Gewerkschaft könnte er auch noch mindestens bis Pfingsten dauern.

Kommentar

Von Dörte Moritzen

Sicher, die Anforderungen an  Erzieher haben  drastisch zugenommen.   Die zu betreuenden Kinder werden immer jünger, viele sind verhaltensauffällig, und die Eltern erwarten von der Kita mittlerweile deutlich mehr als einen sicheren Ort zum Spielen. Mehr Personal sowie eine bessere Vergütung sind somit  keinesfalls aus der Luft gegriffen.  Dennoch muss die Frage erlaubt sein: Ist ein unbefristeter Streik das richtige Mittel, um bessere Bedingungen zu schaffen? Zurzeit ist die Stadt als Arbeitgeber der  lachende Dritte. Sie kann  durch den  Streik  erstmal ein hübsches Sümmchen sparen. Die Leidtragenden sind die berufstätigen Eltern. Sie zahlen  weiter ihre Beiträge, finanzieren  zusätzlich Tagesmütter, nehmen Urlaub oder schleppen den Nachwuchs  ins Büro. Damit aber verärgert man   genau die, die einen  Teil der  Zeche   zahlen sollen.  Eltern, die es sich halbwegs leisten können, sollten sich durchaus im Klaren sein, dass gute Kinderbetreuung  seinen  Gegenwert  hat und zurzeit eher zu Dumpingpreisen angeboten wird.  Man sollte die Eltern  aber langsam  mal als Gesprächspartner  mit  ins Boot holen und sie nicht nur verärgern. Sonst könnte sich der eine oder andere bald einen neuen Träger suchen. Mangels Verlässlichkeit.

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