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Kriminalstatistik: : Straftaten steigen auf Höchstmarke

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Asylvergehen verfälschen massiv das Bild. Sorge bereiten Einbrüche

von
erstellt am 19.Mär.2016 | 08:00 Uhr

Neumünster | Die Zahl der registrierten Straftaten in Neumünster ist 2015 um stolze 33 Prozent auf den neuen Höchststand von 17 400 geschnellt. Doch wie in den Vorjahren verfälschen Taten nach dem Asylverfahrensgesetz und dem Ausländergesetz massiv das Bild der Statistik. Die unerlaubte Einreise oder der unerlaubte Aufenthalt gelten bereits als Straftaten, und solche Delikte gibt es fast zwangsläufig, wenn Flüchtlinge nach Neumünster kommen. Auch Verstöße gegen die Residenzpflicht (wenn Asylbewerber die Stadt verlassen und dabei erwischt werde) gehen als Straftaten in die Statistik ein.

Rechnet man all diese Fälle heraus, ist die Kriminalität in Neumünster leicht um 1,6 Prozent oder gut 150 Taten auf 9250 Straftaten gestiegen. „Es gibt keine besonderen Auffälligkeiten bei Straftaten, die von Flüchtlingen oder Asylbewerbern begangen werden“, sagte Kriminalrätin Juliane Bohrer gestern bei der Vorstellung der Kriminalstatistik für 2015.

„Wir nennen die Dinge beim Namen. Der Maßstab ist die Tat“, betonte Bernd Lohse, der Leiter der Polizeidirektion. 2015 sei eine besondere Herausforderung für die Stadt gewesen, aber auch für die Polizeidirektion, so Lohse. Für die Betreuung der lange völlig überbelegten Flüchtlings-Erstaufnahme am Haart seien zeitweise bis zu 20 Polizisten abgestellt worden. Inzwischen habe sich die Situation deutlich entspannt. Das gelte seiner Einschätzung nach auch für das Unsicherheitsgefühl der Bürger oder Ambitionen, eine Bürgerwehr zu gründen. „Auch das hat sich entspannt“, sagte Lohse.

Sorge macht dem Chef der Polizeidirektion der starke Zuwachs der Einbruchskriminalität, die um 22 Prozent auf 333 Fälle stieg. Den hohen Anteil von 43 Prozent an missglückten Versuchen, bei denen die Täter nicht in die Wohnung gelangten, werten die Ermittler aber als Erfolg. „Die Neumünsteraner sichern ihre Wohnungen besser“, sagte Juliane Bohrer. Als Reaktion auf die gestiegene Zahl an Einbrüchen stellte die Polizei einen Fahndungstrupp auf und konnte auch schon Erfolge melden. „Es gab zum Jahreswechsel im Kieler Raum Festnahmen von Tätern, die auch in Neumünster aktiv waren“, sagte sie. Man wolle dabei nicht nur an die kleinen Täter vor Ort, sondern auch die Strukturen der Hintermänner ermitteln, sagte Lohse mit Blick auf Banden aus dem Kosovo und Serbien.

Lohse kündigte an, dass es ab April ein neues Sachgebiet bei der Kriminalinspektion geben wird, das sich mit komplexen Ermittlungsverfahren befassen soll. „Wir nehmen die organisierte Kriminalität stärker in den Fokus“, sagte Lohse und nannte insbesondere den Rauschgifthandel, Milieudelikte aus dem Rotlichtbereich wie Prostitution und Menschenhandel, aber auch Einbrüche.

Die Aufklärungsquote bei Wohnungseinbrüchen liegt in Neumünster mit 13 Prozent über dem Landesschnitt von 9 Prozent. Niedrig bleibt die Aufklärungsquote mit 9 Prozent auch bei den Fahrraddiebstählen, die in der Summe aber deutlich um fast 200 auf 735 Fälle zurückgingen. Ebenso erfreulich sei der Rückgang bei den Rohheitsdelikten wie Raub, Körperverletzung, Bedrohung oder Nötigung.

Neben 23 Brandstiftungen gab es auch vier versuchte Tötungsdelikte. Einen Fall wertet die Staatsanwaltschaft als Mordversuch. Der Mann, der am 18. Juni 2015 an der Wasbeker Straße brutal auf seine Ex-Partnerin einstach, steht (wie berichtet) zurzeit vor Gericht.

Kriminalstatistik 2015

Die gut 17 400 Straftaten gliedern sich in:

 Einfacher Diebstahl: 2025 Fälle (11,6 Prozent aller Fälle).

 Schwerer Diebstahl: 2247 (12,9 Prozent).

 Rohheitsdelikte: 1389 (8 Prozent).

 Sexualdelikte: 80 (0,5 Prozent).

 Vermögens- und Fälschungsdelikte: 1486 (8,5 Prozent).

 Sachbeschädigungen: 729 (4,2 Prozent).

 Rauschgiftdelikte: 384 (2,2 Prozent).

 Umweltkriminalität: 34 (0,2 Prozent).

 Sonstige (darunter auch Taten nach dem Asylverfahrensgesetz): 9044 (51,9 Prozent).

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