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Seniorenmagazin : Stopp die Neugier: Halt an der roten Linie!

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Die Diskretionszone in Geschäften, Banken, Büros soll die Privatsphäre schützen / Die Ohren aber bleiben gespitzt

von
erstellt am 27.Dez.2013 | 12:00 Uhr

Oh toll, meine Bank hat eine neue Schalterhalle, modern, kühl, funktionell und noch toller – wenn ich am Schalter stehe, habe ich freien Blick auf einen Monitor auf dem Schreibtisch! Was hat denn Herr Meier zurzeit auf dem Konto? Wenn ich wollte, könnte ich das lesen. Die Mitarbeiterin nahm meinen Hinweis desinteressiert zur Kenntnis, Kritik war wohl nicht erwünscht am Neueröffnungstag. Aber einige Wochen später war mir die Aussicht auf Herrn Meiers Konto durch urwaldähnliche Anpflanzungen versperrt. Ich glaube, das war der Zeitpunkt, als die Diskretionszone erfunden wurde.

Seitdem erfahre ich leider nicht mehr, was der Typ vor mir so lange mit dem Postbeamten zu reden hat, brav stehe ich hinter der gelben Linie. Auch wird mir verborgen bleiben, welche Dokumente der Herr vor mir der Bankangestellten unterbreitet und minutenlang diskutiert.

Die rote Linie und das Schild „Abstand halten, Diskretionszone“ bremsen meine Neugier aus, aber – ich muss gestehen – die Ohren bleiben gespitzt. Ich weiß nicht was passiert, wenn man einfach die farbige Linie überschreiten würde. Geht ein Alarm los? Werden Taschen auf versteckte Aufnahmegeräte untersucht?

Gehorsam stehen Leute an farbigen Linien, in Behörden, Arztpraxen und Banken. Aber aufgepasst! Wenn Sie gelbe Linien sehen, die einen Quadratmeter begrenzen, die dürfen Sie überschreiten und bei Bedarf eintreten, das ist nämlich die Raucherzone auf Bahnhöfen.

Ich bin so froh, dass in der Apotheke die Leute auch ohne Stopplinie Abstand halten, und ich diskret meine Wünsche vorbringen kann. Peinlich ist es dann allerdings, wenn die Apothekerin vom weit entfernten Regal mir durch den Laden zuruft: „Wenn Ihr Fußpilz nach drei Tagen nicht weg ist, müssten Sie die Dosierung erhöhen.“ Aber wenn man sich gleich mit der Apothekerin in eine Besprechungsecke zurückzieht, heizt man doch noch mehr die Neugier der anderen Kunden an.

Also das System ist noch ausbaufähig und auch lückenhaft, wie mein zehnjähriger Enkel Carlo neulich feststellte. Bei einem Frühstücksbüfett in einem Hotel holte er mir einen Espresso aus einer Hightech-Kaffeemaschine, deren Bedienung mich überforderte. „Oma, ich muss mich beschweren“, kam er empört zurück, „ bei der Kaffeemaschine gab es keine Diskretionszone.“ Ja ich finde, da muss noch nachgebessert werden.

 

Das gesamte Seniorenmagazin gibt es in der heutigen Courier-Ausgabe.





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