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Anscharkirche : Stolpersteine erzählen Geschichten

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Flüchtlinge berichteten im Gottesdienst über ihre Erlebnisse. Eine Führung zu den Stolpersteinen regte zum Nachdenken an.

shz.de von
erstellt am 10.Nov.2014 | 08:30 Uhr

Neumünster | Was haben der Nationalsozialismus, 25 Jahre Mauerfall und aktuelle Konflikte im Nahen Osten und anderswo gemein? – Menschen, die aus ihrer Heimat fliehen müssen. Diese Themen wurden gestern miteinander verknüpft.

In einem Gottesdienst in der Anscharkirche beschrieb Sirwan Baban, ein Kurde aus dem Irak, vor 100 Zuhörern, wie ihm die Flucht gelang. „1997 waren meine hochschwangere Frau, meine kleine Tochter und ich vier Tage lang mit Schleppern und weiteren 40 Leuten zu Fuß unterwegs in die Türkei. Viele unserer Freunde sind dabei ums Leben gekommen, weil wir durch Minenfelder laufen mussten“, beschrieb er. Während der Flucht, bekam seine Frau auch noch die Wehen. „Sie kam in Ankara ins Krankenhaus. Wir mussten aber sofort weiterflüchten, weil wir ja illegal waren und man uns sofort wieder in den Irak geschickt hätte“, erzählte er weiter. Über Griechenland gelang schließlich die Flucht nach Deutschland.

An den Gottesdienst geknüpft nahm Stadtführerin Heide Winkler anschließend interessierte Menschen mit auf einen etwas anderen Stadtrundgang. 14 von 27 in Neumünster verlegten Stolpersteinen ging sie mit acht Zuhörern auf den Grund. Sie erzählte über die Leidenswege der Menschen, die einst in Neumünster gelebt hatten und während des Nationalsozialismus‘ ums Leben gekommen sind, sofern das überhaupt bekannt ist.

„Die Menschen sollen einfach mal darüber nachdenken. Sie sollen über diese Steine stolpern und sich Gedanken machen, was damals war“, sagte sie. Am Nachmittag gab es eine erneute Stolperstein-Führung. Kirchenkreis und Diakonie Altholstein hatten zu dem vorangegangenen Gottesdienst während der Ökumenischen Friedensdekade eingeladen.

„Menschliche Not, Diktatur und Widerstand sind noch in anderer Weise gegenwärtig. Auch heute flüchten Menschen aus ihren Heimatländern vor unerträglichen Verhältnissen“, sagte Diakonin Silke Leng.

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