zur Navigation springen

Gartenstadt : Stock-Guss: Vertagung sorgt für Streit

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

SPD und CDU geraten sich im Stadtteilbeirat über die Brache an der Rendsburger Straße in die Haare.

von
erstellt am 25.Sep.2015 | 08:30 Uhr

Neumünster | Die Sitzung hatte noch gar nicht richtig begonnen, da hatten sich SPD und CDU im Stadtteilbeirat Gartenstadt auch schon in der Wolle. Weil die CDU das Thema Stock-Guss von der Tagesordnung nehmen wollte (wir berichteten) – und das letztlich auch durchsetzte, blies vor allem Kurt Feldmann-Jäger (SPD) zur Verbal-Attacke: Er wisse nicht genau warum, aber in der Debatte um die Zukunft des Stock-Guss-Geländes solle offenbar „Bürgers Meinung ungehört“ bleiben, attackierte der SPD-Beirat. Stadtteilvorsteher Martin Kriese (CDU), der die Vertagung beantragt hatte, wies das postwendend zurück.

Worum geht’s? – Eigentlich hatte Stadtplaner Bernd Heilmann in der Sitzung im Hotel Prisma die Pläne für das neue Famila-Einkaufscenters auf dem ehemaligen Stock-Guss-Gelände vorstellen sollen. Weil das Thema aber auch im übergeordneten Bauausschuss auf der jüngsten Sitzung überraschend zurückgestellt worden war, wollte auch die CDU im Beirat noch kein Votum abgeben: „Wir tun uns schwer, über etwas zu diskutieren, von dem wir noch nicht wissen, wie es eigentlich aussehen soll“, argumentierte Kriese.

Tatsächlich war das Thema im BPU auch deshalb zurückgestellt worden, weil der OB in der Sitzung noch „Gesprächsbedarf von Seiten Familas“ angekündigt hatte. Die Stadt lehnt die Famila-Pläne ab, sie sieht durch den gewaltigen Markt, der so groß wie das A&B-Center ausfallen könnte, die Entwicklung der Innenstadt gefährdet (der Courier berichtete).

Kurt Feldmann-Jäger beharrte dagegen auf eine möglichst frühzeitige Beteiligung der Bürger, um die entscheidenden Weichenstellungen für die künftige Nutzung nicht zu verpassen. „Wir wollen darüber reden, bevor im Flächennutzungsplan alles festlegt ist.“ Hintergrund seines Vorstoßes: Die SPD kann sich auch eine Wohnbebauung auf dem ehemaligen Gießerei-Gelände vorstellen, die Stadtplanung lehnt das ab.

Detlev Schulz stellte im Beirat erste Überlegungen der Stadtverwaltung zur Überarbeitung des städtischen Buslinienverkehrs vor. Die sehen unter anderem vor, die Linie 16, die die Gartenstadt mit der Innenstadt verbindet, künftig nur noch bis zum Hahnknüll zu führen. Bislang fährt der Linienbus über den Staatshof bis zum Tierpark weiter. Stadtteilvorsteher Martin Kriese bedauerte für den Beirat, dass die Gartenstadt ihre Direktverbindung zum Tierpark verlieren soll. Wichtiger ist dem Beirat allerdings, dass die Gartenstädter wieder Anschluss an eine Einkaufsmöglichkeit bekommen. Weil es im zentralen Stadtteil keinen Lebensmittelladen mehr gibt, wünschen sich die Gartenstädter etwa einen Verbindung zum A&B-Center – möglichst ohne umständliches Umsteigen am Bahnhof.

Mehrere Eltern beschwerten sich, dass der Schulweg durch den Osterhofpark noch nicht wie versprochen komplett mit Lampen ausgestattet ist. Der Beirat will nachhaken. Gute Nachrichten hatte Martin Kriese für Anlieger, die zum Einkauf regelmäßig die Rendsburger Straße überqueren. Die Stadt kündigte den Bau mobiler Verkehrsinseln in Höhe des Dänischen Bettenlagers an, die Fußgängern die Querung der vierspurigen Straße erleichtern soll (siehe Bericht auf dieser Seite).

Die nächste Sitzung des Stadtteilbeirats ist für den 25. November geplant. Der Ort steht noch nicht fest.

 

STANDPUNKT

von Jens Bluhm

Stimmt, die Gartenstädter sollten rechtzeitig mitreden dürfen,  wie man das geräumte Stock-Guss-Areal an der Rendsburger Straße am sinnvollsten verwertet – aber, bitteschön,  dann auch von der Politik vernünftig vorbereitet.  Was sollen  Besucher, die sich für das Thema interessieren, von den parteipolitischen Scharmützeln und Formaldebatten halten, mit denen die Beiräte am Mittwochabend im Hotel Prisma  die Freizeit ihrer Besucher verplemperten?  Kann man das nicht im Vorwege im kleinen Kreis regeln,  zumal das Ergebnis – Vertagung – ja schon vorab feststand?  So schafft man Politikverdrossenheit.  Nur  der straffen Sitzungsleitung durch Vorsteher Martin Kriese ist wohl zu danken, dass sich die 30 Besucher  der Sitzung, denen auch noch andere Themen unter  den Nägeln brannten, nicht vorzeitig aus dem Staub gemacht haben.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen