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Holsteinischer Courier

20. August 2017 | 12:30 Uhr

Boostedt : Stille Nacht auf Gut Moltsfelde

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Die Häftlinge rechnen in Weihnachtsfesten. Etwa 130 Angusrinder müssen versorgt werden.

Boostedt | Hinter Gittern ist Weihnachten ein anderes Fest. Zwar gibt es geschmückte Bäume und besonderes Essen – Familie und Freunde aber fehlen. Das ist auch in der Abteilung des offenen Vollzugs der Justizvollzugsanstalt Neumünster auf dem Landesgut Moltsfelde in Boostedt nicht anders. Doch die meisten der hier Inhaftierten können  die Feiertage auf Freigang verbringen.

„Viele haben Weihnachtsurlaub. Einige müssen jedoch hier bleiben, um die Tiere zu versorgen. Denn in unseren Ställen stehen rund 130 Angusrinder, Kälber und Bullen“, erklärt der Betriebsleiter Wilhelm Möllhoff. An Heiligabend ist es deshalb auf Moltsfelde eher still. „Mancher zieht sich früh auf sein Zimmer zurück. Denn die Feiertage sind nicht einfach. Es ist trotz des Freigangs ja immer noch Vollzug. Und mancher, der nach Weihnachten wiederkommt, muss erst einmal aufgefangen werden“, erzählt die Vollzugsbeamtin Silvia Streich.

Für viele Häftlinge sei auch nicht der Sommer oder der Geburtstag, sondern das Weihnachtsfest die Größe, in der sie rechneten, wie lange ihre Haftzeit noch andauere, erzählt sie weiter. Aus diesem Grund ist den Häftlingen auch die gemeinsame Weihnachtsfeier besonders wichtig. „Diese hatten wir allerdings bereits. Wir haben gemeinsam gegessen und anschließend ein bisschen geklönt. Um Weihnachten herum kommen auch immer Postkarten von Ehemaligen, es gibt Anrufe oder sie kommen vorbei, um zu erzählen, dass sie noch an Deck sind“, berichtet die Vollzugsabteilungsleiterin Vera Splittgerber. Doch trotz des glänzenden Christbaumes und des Festessens haftet dem Heiligen Abend im Knast ein bitterer Beigeschmack an.

„Wenn ich an das Fest denke, habe ich ein schlechtes Gefühl. Ich gucke auf die Uhr und weiß genau, dass zu Hause jetzt gegessen wird oder die Bescherung anfängt. Dann wird einem so richtig bewusst, was man alles verpasst. Ein weiteres Weihnachten steht mir noch bevor, aber da muss ich jetzt durch“, erklärt ein 27-jähriger Insasse.

Und ein Zweiter ergänzt, dass es, wenn es schlecht läuft, wohl noch drei Feste bis zu seiner Entlassung dauern werde. „Wir sind ja alle nicht ohne Grund in Haft. Aber es ist ein Stillstand im Leben, der enorm an den Nerven zerrt. Dennoch ist es hier auf dem Hof leichter auszuhalten. Denn der geschlossene Vollzug ist insbesondere für die Familien sehr hart und nur schwer zu ertragen.“


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