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Modellschule : Stein-Schule im digitalen Lern-Zeitalter

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Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Als eine von 20 Modellschulen im Land geht das Medien-Projekt in die nächste Runde: Schüler lernen zu Hause im virtuellen Klassenraum

shz.de von
erstellt am 23.Feb.2016 | 16:00 Uhr

Neumünster | Die Mathe-Aufgaben stehen im Internet, Stundenplanänderungen werden über Facebook oder eine App kommuniziert, und in der Cafeteria wird via Tablet-Computer über Philosophie diskutiert: An der Freiherr-vom-Stein-Schule gibt es seit Sommer 2015 Wlan für alle schulweit und eine schulinterne Lernplattform. Dafür wurde sie als eine von 20 Schulen landesweit gestern als Preisträger des Projektes „Lernen mit digitalen Medien“ von Bildungsministerin Britta Ernst ausgezeichnet. Alle Schulen werden mit insgesamt 300000 Euro gefördert.

Denn die digitalen Medien werden immer wichtiger in der Schule – was im Leben außerhalb zur Selbstverständlichkeit gehört, zieht auch in die Schulen ein – international gesehen, in Deutschland verzögert. Gefragt war beim aktuellen Projekt ein nachhaltiges und innovatives Schulkonzept zum unterrichtswirksamen Einsatz digitaler Medien. Nach dem Start 2015 geben die ausgewählten 20 Schulen ihr Wissen in einem Netzwerk an andere Schulen weiter. „Das Engagement der Schulen ist beispielhaft, ihre ganz unterschiedlichen Ansätze, das Lernen mit und über digitale Medien in den alltäglichen Unterricht zu integrieren, überzeugen“, lobte die Ministerin gestern bei der Übergabe von Urkunden und Schildern, die an den Schulgebäuden angebracht werden sollen.

An der Freiherr-vom-Stein-Schule brachten Schüler den digitalen Stein vor fünf Jahren ins Rollen. Sie waren unzufrieden, dass sie ihre Handys und MP3-Player nicht in der Schule nutzen durften. Die Lehrer griffen den Wunsch auf, es wurde ein Konzept erarbeitet. Seit dem Sommer 2015 existiert eine Lernplattform, auf der die Schüler ihre eigenen digitalen Medien nutzen dürfen. Dort werden alle papiergebundenen Lernmaterialien, angereichert mit Lern-Apps, wie in einem „digitaler Klassenschrank“ eingestellt. Schüler können recherchieren oder Präsentationen erarbeiten, sich aber auch mit Lehrern und Eltern per Mail austauschen.

Wer glaubt, dass nun alle Schüler nur noch „Kopf unten“ herumlaufen, irrt. Der stellvertretende Schulleiter Olaf Hubert: „Es gilt das Prinzip der Ausgewogenheit. Schüler müssen alles können – das Digitale ist nur eine Facette. Sie müssen genauso gut, wie sie in der digitalen Welt zurechtkommen, auch in der echten Welt Kompetenzen und Fähigkeiten erwerben und umsetzen.“ Für die Lehrer bedeute dies Umdenken, sagt Lehrer Ole Cramer: „Lehrer müssen weg vom Gedanken, das alles können zu müssen, sondern das Know-How der Schüler einsetzen.“ Olaf Hubert ergänzt: „Lehrer müssen Macht abgeben, weniger den Inhalt bestimmen, sondern die Schüler beim Lernprozess begleiten und zum Lernberater werden.“

Das Projekt „Lernen mit digitalen Medien“ geht dieses Jahr in die nächste Runde. Nachdem die Modellschulen im Mai 2015 erkoren wurden, digitale Schulbücher ab Juni 2016 erprobt wurden, heißt es ab Juni 2016 „Flipped Classroom“. Dabei dreht sich das bisherige Unterrichtsprinzip um: Nach dem Motto „Video ist das neue Lesen“ gibt es Lerninhalte übers Internet nach Hause. Dagegen finden Hausaufgaben und andere Aktivitäten in der Schule statt, erläuterte Hartmut Karrasch, Sachgebietsleiter beim IQSH (Institut für Qualitätsentwicklung an Schulen) für Online-Lehren und -Lernen. Bis zu zehn Schulklassen erhalten kostenlose Mailkonten, außerdem gibt es kostenfreie Seminare übers Internet in den Kernfächern. In einer Mediathek mit 24000 Medien können die Schüler digital lernen.

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