Holsten-Galerie : Staub: Behörde droht ECE mit Baustopp

Mit Wassermassen aus dem Teich versucht ECE, das Staubproblem auf der Großbaustelle einzudämmen. Seit gestern wird  mit einem Traktor, der eine Art Güllebehälter  zieht,  bewässert.
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Mit Wassermassen aus dem Teich versucht ECE, das Staubproblem auf der Großbaustelle einzudämmen. Seit gestern wird mit einem Traktor, der eine Art Güllebehälter zieht, bewässert.

Die Anwohner schalteten das Landesamt für Landwirtschaft, Umwelt und ländliche Räume ein. Jetzt sollen Wasser und Asphalt helfen.

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20. Juni 2014, 05:00 Uhr

Neumünster | Die Botschaft ist deutlich: Wenn sich die Staubbelastung auf der Großbaustelle der Holsten-Galerie in der Innenstadt nicht verbessert, werden die Arbeiten gestoppt. Das teile Malte Döring vom Landesamt für Landwirtschaft, Umwelt und ländliche Räume aus Flintbek am Mittwoch dem ECE-Projektmanager Georg Monheim mit. Vorausgegangen waren massive Beschwerden von Anwohnern. Jetzt soll unter anderem Wasser aus dem Teich für Abhilfe sorgen.

„Zahlreiche Nachbarn waren an uns als zuständige Behörde herangetreten, nachdem die Staubbelastung besonders am Teich über Tage sehr hoch war. Ich bin sofort zur Baustelle gefahren und habe mir ein Bild gemacht. Am Teich, wo ja auch Einzelhandel ist, habe ich gleich ordentlich Staub in die Augen bekommen. Schnell war klar, dass die Maßnahmen vor Ort nicht ausreichen“, erzählte Malte Döring gestern auf Anfrage.

Einer der betroffenen Anlieger ist Vezir Dündar. Seine Familie betreibt seit 1990 den Ali-Baba-Grill am Teich. „Ich muss ständig alles abwischen“, sagte er und zeigte Fotos von massiv verdrecktem Mobiliar auf seinem Handy. Der Staub dringt durch die kleinsten Ritzen in seinen Imbiss. „Ich mache schon ständig das Fenster zu, aber durch geschlossene Scheiben kann ich nichts verkaufen“, klagte er. Und dabei hatte er schon in Absprache mit ECE zur Hauptabrisszeit sein Geschäft für 15 Tage gegen Entschädigung geschlossen. „Aber zwei Wochen haben nicht gereicht. Außerdem wird hier überhaupt nichts mehr bewässert, und Planen gegen den Staub werden auch nicht ausgelegt“, wunderte sich Vezir Dündar. Gestern Nachmittag gab er erst einmal auf, schloss das Geschäft. „Ich hatte den Staub schon im Salat. Es hat keinen Zweck“, sagte er traurig. Er will erst wieder öffnen, wenn der Schutt abgefahren ist.

Bei ECE hat man nach dem Gespräch mit dem Landesamt reagiert. Seit gestern wird die Baustelle intensiv bewässert. Ein Traktor mit einem 9000 Liter Wassertank, ähnlich einem Güllebehälter, fährt nach Bedarf vor allem über die staubigen Baustraßen. „Es ist schon so lange trocken. Die Lastwagen wirbeln alles auf. Und es gibt keine Häuser mehr, die etwas abhalten könnten“, beschrieb Abbruch-Polier Thomas Kuschel die Misere. Das Wasser für die Bewässerungsaktion kommt aus dem Teich. „Die Stadt hat das in dieser Notsituation genehmigt. Die Mengen wirken sich auf das Gewässer nicht aus“, erklärte Heinrich Kautzky, Fachdienstleiter Umwelt und Bauaufsicht.

Als weitere Maßnahme sollen alle drei Baustraßen bis Ende kommender Woche asphaltiert sein. Das war laut Georg Monheim als Schutz bisher nicht möglich, „weil noch Entwässerungsleitungen eingebracht werden mussten“.

Letztendlich ist ein Ende des Staub-Problems absehbar: Am 20. Juli soll das gesamte Abbruchmaterial verschwunden sein. Bis dahin hofft Georg Monheim inständig auf deutlich mehr Regen und weniger Wind.

Kommentar

Der Wettergott möge helfen

Wo gehobelt wird, fallen Späne. Das ist sicher wahr.  Manche Unannehmlichkeit müssen die Neumünsteraner   in Kauf nehmen, solange die Holsten-Galerie gebaut wird. Doch es gibt Grenzen. Und die sind scheinbar erreicht. Massive Staubbelastung  kann zu gesundheitlichen  Schäden führen – und leider auch geschäftliche Existenzen gefährden. Beides darf nicht passieren. Daher ist es gut, dass die Behörde jetzt eingegriffen hat – und dass der Bauherr reagiert. Und falls das nicht reicht: Möge auch der Wettergott beiden Seiten gnädig sein und statt Wind ein wenig Regen bringen.

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