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Neue Anlaufstelle : Start in der Flüchtlingsambulanz

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Das erste Team aus deutschen und syrischen Medizinern versah am Wochenende seinen Dienst. Weitere Pflegekräfte werden gebraucht.

shz.de von
erstellt am 20.Okt.2015 | 09:00 Uhr

Neumünster | Als bundesweit einmaliges Angebot hat die Einheit für integrierende Versorgung (EIV) am Friedrich-Ebert-Krankenhaus am Wochenende ihren Dienst aufgenommen. Gestern zog das Team aus deutschen und syrischen Medizinern sowie Pflegekräften gemeinsam mit der Klinikleitung eine erste positive Bilanz zum Start. Die neue Anlaufstelle ist eine Notfallambulanz ausschließlich für Flüchtlinge. Finanziert wird sie vom Land. Mit rund zwei Millionen Euro ist die Neuerung für ein Jahr finanziell mit allen Personalkosten, Sachkosten und Leistungen abgesichert (der Courier berichtete).

Wichtig geworden war die neue Einrichtung, nachdem die Notfallambulanz des FEK nach dem immensen Anstieg der Flüchtlingszahlen in der Erstaufnahme am Haart völlig überlaufen war. Während im Januar 2015 noch 48 Flüchtlinge als Patienten ambulant und 25 stationär behandelt werden mussten, waren es im September bereits 238 ambulante und 144 stationäre Fälle. Weil gerade Patienten ohne Deutschkenntnisse viel Zeit für die Diagnose erfordern, war eine separate, mehrsprachige Struktur dringend von Nöten.

Zunächst ist die Flüchtlingsambulanz, die einmal rund um die Uhr im Einsatz sein soll, nur an den Wochenenden besetzt. Nach Aussage von FEK-Geschäftsführer Alfred von Dollen und Pflegedirektor Christian de la Chaux liegt das am fehlenden Pflegepersonal. Geeignete Ärzte hingegen seien als Bewerber vorhanden, hieß es. Für die neue Ambulanz wird nach und nach ein multikulturelles Team aus Ärzten und Pflegekräften aus den Herkunftsländern der Flüchtlinge sowie Medizinern und Pflegern aus dem hiesigen Gesundheitssystem zusammengestellt.

Dr. Munzer Shekho (45) und sein KollegeDilovan Alnouri (39) sind die beiden ersten syrischen Assistenzärzte im neuen Team. Beide kamen vor rund zwei Jahren in der Erstaufnahmeeinrichtung am Haart an, sind verheiratet und haben jeweils zwei Kinder. Alnouri stammt aus einer kleinen Stadt im Nordirak, wo er acht Jahre als Gefäß-Chirurg tätig war. Sein Kollege kommt aus Aleppo, ist Internist und hatte in seiner Heimat 15 Jahre lang eine eigene Praxis. Beide mussten in den Kriegswirren Hals über Kopf mit ihren Familien fliehen und alles aufgeben. „Die neue Stelle am FEK ist mir sehr, sehr wichtig“, sagt Munzer Shekho. Und sein Kollege, der bereits ein Praktikum am FEK absolvierte, ergänzt: „Ich wollte in Deutschland schnell auf eigenen Beinen stehen.“ Beide hoffen, dass ihre Zeugnisse jetzt möglichst schnell anerkannt werden, damit sie eigenverantwortlich ohne Aufsicht ihren Dienst versehen können. Aber die Chancen auf ein rasches Verfahren stehen gut. Das Studium in Syrien ist dem deutschen sehr ähnlich.

Sowohl Henrik Schlüter, der leitendede Oberarzt der zentralen Notaufnahme, und Privatdozent Dr. Ivo Heer, Ärztlicher Direktor am FEK, lobten gestern die fachlichen Kompetenzen der syrischen Kollegen. 23 Patienten „mit dem normalen Krankheitsbild einer Ambulanz“ haben sie laut Schlüter im Team am Wochenende behandelt. „Wir waren uns bei der Diagnose immer schnell einig. Es hat alles gut funktioniert“, so die deutschen Kollegen.

Neben der ärztlichen Kunst sind in der neuen Ambulanz die Sprachkenntnisse der syrischen Kollegen von großer Bedeutung. Beide sprechen Kurdisch als Muttersprache und fließend Arabisch durch Schule und Studium in Syrien. Sie können Englisch und lernen zurzeit eifrig Deutsch. Beide können sich bereits gut mit ihren Kollegen in der ihnen fremden Sprache verständigen.

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