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Böller, Raketen, Fackeln : Start des Feuerwerkverkaufs: Was ist Silvester 2015 „in“ und „out“?

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Reporter Rolf Ziehm hat erste Kunden beim Böllerkauf begleitet. Was ist zum Jahreswechsel „in“ und „out“?

Neumünster | Zum Jahreswechsel sind die Neumünsteraner ganz Feuer und Flamme. Pyrotechnik gehört für viele zu Silvester und Neujahr einfach dazu. Und mancher schaut auch nicht streng auf den Euro und lässt sich das Silvesterfeuerwerk richtig etwas kosten.

Der Trend geht dabei seit Jahren schon hin zu ausgeklügelten, hochwertigen und entsprechend teuren Feuerwerksbatterien; Knaller wie die klassischen China-Böller sind dagegen immer weniger gefragt. „Je farbenfroher, desto besser“, sagte Stephan Straube, der stellvertretende Marktleiter bei Edeka Huchthausen in Wittorf, über die Entwicklung. Das Geschäft mit Silvesterartikeln lief dort am Dienstag gleich am ersten Verkaufstag gut an.

Ähnlich äußerte sich Kenneth Richter von Edeka Grümmer in Tungendorf. „Die Raketen- und Familiensets laufen gut, bei Böllern flacht die Nachfrage eher ab“, sagte er. Auch bei Grümmer setzt man verstärkt dieses Jahr auf Feuerwerksbatterien, die nur einmal gezündet werden müssen. „Die Kunden sind bereit, dafür auch ein wenig mehr auszugeben“, sagte Richter.

Domenik Pasch (6) darf zwar selbst noch nicht böllern, begleitete aber Christin Leßnau beim Einkauf. Lauri Abraham hat im Hagebaumarkt an der Kieler Straße ein großes Sortiment an Feuerwerksartikeln.
Domenik Pasch (6) darf zwar selbst noch nicht böllern, begleitete aber Christin Leßnau beim Einkauf. Lauri Abraham hat im Hagebaumarkt an der Kieler Straße ein großes Sortiment an Feuerwerksartikeln. Foto: Ziehm

30 Euro im Schnitt sind es beim Hagebaumarkt Wigger an der Kieler Straße, schätzte Filialleiter Torsten Fiehring. Der „Rolls Royce“ im Sortiment, ein Verbundfeuerwerk namens Pyrotec Pro 3 für 169,50 Euro, war sogar schon durch die Vorbestellungen restlos ausverkauft, ist aber beim Großhändler nachgeordert. Wie im Vorjahr hatte Wigger an der Kieler Straße am Montagabend ein Probeschießen veranstaltet. Die 500 Besucher gaben da bereits fleißig ihre Bestellungen auf.

Torsten Fiehring ist mit den Umsatzzahlen zufrieden.
Filialleiter Torsten Fiehring ist mit dem ersten Verkaufstag zufrieden. Foto: Ziehm

Torsten Fiehring erwartet höhere Umsätze als im Vorjahr und nannte auch eine Erklärung dafür. „Die gute wirtschaftliche Lage der Deutschen spricht für mehr Konsum auch beim Silvesterfeuerwerk“, sagte er.

Sina Heisig verkauft bei Huchthausen nicht nur Böller und Raketen, sondern auch Glücksbringer zum Jahreswechsel.
Sina Heisig verkauft bei Huchthausen nicht nur Böller und Raketen, sondern auch Glücksbringer zum Jahreswechsel. Foto: Ziehm

Bei Huchthausen hielten es Nadine Will und Manuel Wolgast bei der Rollentrennung fast schon klassisch. „Bengalische Fackeln für die Dame und ein paar Knaller für meine 14-jährige Nichte“, sagte Nadine Will. „Die Raketen sind Männersache“, sagte Manuel Wolgast: „Ein bisschen Knallerei darf sein.“

Knallen zu Silvester: Muss das sein?

Standpunkt Pro: Den Spaß nicht nehmen lassen

von Christian Lipovsek

Natürlich ist das Geld für Feuerwerk im wahrsten Sinne des Wortes verpulvert. Und logisch: Jede Hilfsorganisation würde sich über die Euros freuen, die in die Luft fliegen. Doch was wäre Silvester bitteschön ohne Raketen und Böller?

Wenn man nach dem Raclette überhaupt bis Mitternacht durchhält, stößt man vielleicht noch mit einem Gläschen Sekt auf das neue Jahr an und legt sich dann friedlich und in aller Ruhe ins Bett. Was für ein Spaß! Nein, an Silvester darf gefeiert werden – und dazu gehört Feuerwerk wie der Tannenbaum zu Weihnachten. Da braucht man die Arbeitsplätze einer ganzen Branche und den Umsatz für den Handel gar nicht als Argumente ins Feld zu führen. Verbieten sollte man nur die Leichtsinnigkeit und Unvernunft, mit der manche Jugendliche und einige Erwachsene mit dem Sprengstoff umgehen. Aber das ist ja leider nicht möglich.

Standpunkt Contra: Nur unkontrolliertes Geballer

von Dörte Moritzen

Sicher, ein Feuerwerk ist wunderschön. Wenn zur Holstenköste oder zum Jahrmarkt die Experten für kurze Zeit wahre Funkenregen an den Himmel zaubern, ist das durchaus ein Kunstgenuss. Doch muss tatsächlich zum Jahreswechsel jedermann über viele Stunden zum selbst ernannten Pyrotechniker mutieren?

Wohl kaum. Das unkoordinierte Geballer – oft leider auch aus Kinderhänden oder von angetrunkenen Erwachsenen abgefeuert – hat im Übermut  schon manchen körperlichen und finanziellen irreparablen Schaden angerichtet. Gleichzeitig verpufft alljährlich ein Vermögen am Himmel und lässt stinkende Rauchschwaden und Müllberge zurück. Um Letztere darf sich  dann meist auch noch die Allgemeinheit kümmern. Doch am meisten leiden in dieser Nacht in der Regel die Tiere. Hund, Katze oder alles, was in freier Wildbahn kreucht und fleucht, kann sich nämlich nicht wehren.

 

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erstellt am 29.Dez.2015 | 18:14 Uhr

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