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SHMF : Starke Bildersprache aus dem hohen Norden

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Isländische Bestsellerautorin begeisterte mit Lesepassagen auf Deutsch und in ihrer Heimatsprache

Neumünster | Mit der Lesung der isländischen Bestsellerautorin Steinunn Sigurðardóttir in der Stadtbücherei fand das Beiprogramm zum Schleswig-Holstein-Musikfestival einen prominenten Abschluss. 55 Gäste folgten teilnahmsvoll dem charmanten Auftritt der international bekannten Schriftstellerin.

In fließendem Deutsch las die ehemalige Journalistin sowohl aus einem ihrer Gedichtbände als auch aus dem viel beachteten und bereits auf deutsch vorliegendem Roman „Jojo“ vor. Ein besonderes Hörerlebnis bereitete die Autorin dem interessierten Publikum, als sie ihre Passagen in die fremden Klänge ihrer Heimatsprache übersetzte.

„Wunderbar! Ich habe gehofft, dass Frau Sigurðardóttir auch aus dem Original vorträgt – zum Glück hat sie es getan“, freute sich die Besucherin Karin Napp aus Eutin. Sie nutzte die Möglichkeit zum persönlichen Gespräch im Anschluss der Lesung und ließ sich, wie viele andere Besucher auch, ein Buch signieren: „Ich habe schon einiges von ihr gelesen und freue mich über die Begegnung mit dieser eindrucksvollen Frau.“

Um gemeinsames Leiden und ein Tabuthema geht es in „Jojo“, um Sympathie im ursprünglichen Sinn. Sigurðardóttir erzählt von der Freundschaft zweier Männer, deren unsichtbares Band durch die Erfahrung sexuellen Missbrauchs geknüpft ist. „Noch vor 15 Jahren glaubte ich nicht, über dieses Tabuthema schreiben zu können. Aber ich musste auf meine Art bewältigen, was ich gesehen habe, als ich einen Blick in eine gebrochene Kinderseele tat und nicht helfen konnte“ erklärte die studierte Psychologin ihren Weg zum Roman.

Da Reykjavik zu überschaubar ist, hat die Isländerin erstmalig den Schauplatz eines Romans ins Ausland verlegt, nach Berlin, wo sie einige Jahre mit ihrem Mann lebte. „In Reykjavik hätten die Leute versucht herauszufinden, ob ich mit den Figuren meines Romans bestimmte, reale Menschen meine. Das wäre nicht gut gegangen“, erklärte die Autorin die Hintergründe für die Verlegung der Schauplätze nach Berlin.

Die Lesung der Bestsellerautorin bot psychologisch differenzierte Romanfiguren in literarisch anspruchsvoller Weise. Der Wechsel der Erzählperspektive und die Wortkreationen der sprachgewaltigen Autorin wie „Tumortöter“ oder „Lachmädchen“ ließen beim Zuhören lebendige Bilder und Ahnungen entstehen.

„Beeindruckend. Ich glaube, sie erzählt aus einer großen Erfahrung heraus. Mit gefällt ihre Sprache sehr“, lobte auch Erika Deiters, Frau des geladenen Honorarkonsuls von Island in Hamburg.

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erstellt am 29.Aug.2014 | 07:00 Uhr

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