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Holsteinischer Courier

22. Oktober 2017 | 09:05 Uhr

Warnstreik : Städtische Kitas bleiben zu

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Rund 1050 Kinder in der Stadt sind von dem eintägigen Ausstand am Donnerstag betroffen. Notdienste gibt es diesmal nicht.

von
erstellt am 18.Mär.2015 | 05:30 Uhr

Neumünster | Viele Eltern in Neumünster werden morgen die Omi bemühen müssen oder Urlaub nehmen: Die Gewerkschaft Verdi hat für Donnerstag zum Warnstreik im Sozial- und Erziehungsdienst aufgerufen. Acht von neun städtischen Kitas bleiben geschlossen.

Betroffen sind die städtischen Kindertagesstätten Einfeld, Gartenstadt, Schubertstraße, Haartallee, Schwedenhaus, Volkshaus, Wittorf und der Hauke-Haien-Kindergarten. In Faldera bleibt die städtische Kita geöffnet. Am Freitag ist dort schon seit langem mit viel Elternunterstützung ein Tag der offenen Tür geplant. „Die Mitarbeiter wollten deshalb nicht streiken, unterstützen die Forderung aber ideell“, sagte Jörg Asmussen vom Fachdienst Frühkindliche Bildung.

Anders als im Vorjahr wird diesmal flächendeckend gestreikt. „Notdienste in den Kitas gibt es nicht. Wir haben alle Eltern vorab über den Warnstreik und die Schließung informiert“, sagte Asmussen. Rund 1050 Kinder und ihre Eltern sind betroffen. Die von selbstständigen Erziehern angebotene Kindertagespflege ist nicht berührt, ebenso Kitas freier Träger wie der Awo, Lebenshilfe, Kirche oder des DRK. Hier gelten andere Tarifverträge.

Die Eltern regierten gestern ganz unterschiedlich auf die Ankündigung des Warnstreiks. „Ich hoffe, Oma hat Zeit. Sonst muss einer von uns Eltern Urlaub nehmen“, sagte Daniela Schnoor, als sie ihre Zwillinge Lena und Sarah (3) aus der Tungendorfer Kita im Volkshaus abholte. Birthe Ostermann kann ihren Tom-Lucas (2) morgen selbst betreuen. „Ich bin Hausfrau, mich trifft das nicht“, sagte sie und findet den Streik gut. „Die Erzieher haben eine hohe Verantwortung für meine Kinder“, sagte sie.

Carsten Voß ist Beamter bei der Berufsfeuerwehr und darf deshalb nicht streiken. Für den Ausstand der Erzieher hat er gleichwohl Verständnis. „Wie sollen sie denn sonst zum Ausdruck bringen, dass sie mehr Geld verdient haben“, sagte er. In Tungendorf stehen alle 19 Mitarbeiter zum Ausstand. „Wir streiken zum ersten Mal – auch mit einem schlechten Gewissen den Kindern und Eltern gegenüber. Aber irgendwann muss man mal Stellung beziehen“, sagte die Kita-Leiterin Bärbel Schmidt-Holländer.

In der aktuellen Tarifrunde geht es der Gewerkschaft darum, die soziale Arbeit aufzuwerten. Im Kern heißt das, dass die Beschäftigten wie Erzieher in höhere Gehaltsgruppen eingestuft werden, was ein Plus von etwa 10 Prozent bedeuten würde. „Als Erzieher an kommunalen Kitas verdient man als Berufsstarter 2311 Euro brutto“, rechnete die Verdi-Fachsekretärin Annette Falkenberg vor. Die Gewerkschaft rechnet mit rund 300 Teilnehmern am Warnstreik. Die Streikversammlung beginnt am Donnerstag um 8.30 Uhr im Kiek In. Dazu wird auch Oberbürgermeister Dr. Olaf Tauras erwartet. Er ist zurzeit Vorsitzender der Kommunalen Arbeitgeber-Vereinigung Schleswig-Holstein. Die Streikenden wollen Tauras ihr Forderungspapier überreichen. Gegen 10 Uhr ist dann ein Demonstrationszug zum Großflecken und dort die zentrale Kundgebung im Verdi-Bezirk Südholstein geplant. Die Teilnehmer kommen auch vom Allgemeinen Sozialen Dienst und aus anderen Städten wie Norderstedt oder Bad Segeberg.

Kommentar von Dörte Moritzen

Ein Kita-Streik pro Jahr ist zuviel:

Eins ist klar: Die Arbeit, die Erzieher heutzutage leisten müssen, hat sich gewandelt.   Und sie ist sicher nicht einfacher geworden. Wertvolle pädagogische Arbeit sollte der Gesellschaft, nicht zuletzt den Eltern, auch einiges wert sein.  Eine bessere Bezahlung der  hochqualifizierten Fachkräfte  ist somit dringend erforderlich. Dennoch bleibt die Frage, ob die Forderungen stets mit Streiks durchgedrückt werden müssen – und das mittlerweile jährlich. Schon Ende März vergangenen Jahres standen viele Eltern bei einem städtischen Kita-Streik mit dem Rücken zur Wand. Denn nicht jeder hat eine Omi in der Nähe oder einen flexiblen Arbeitgeber in der Hinterhand. Sollte sich der Streik ohne Notdienst ausweiten, könnte es für manchen Arbeitnehmer aus der Elternschaft durchaus eng  werden. Kinder- und familienfreundlich ist das nicht.

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