zur Navigation springen

Bordesholm : „Städtebauliche Argumente zählen“

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Windkraft im Amt Bordesholm: 320 Menschen informierten sich vorgestern Abend über ihre Möglichkeiten der Einflussnahme

Bordesholm | Das Thema Windkraft bleibt ein Dauerbrenner: 320 Bürger fanden sich vorgestern Abend auf Einladung des Amtes in der Sporthalle der Bordesholmer Lindenschule ein, um sich zu informieren. Nach den neuen Regionalplänen des Landes sind Bissee, Groß Buchwald, Negenharrie, Mühbrook, Schönbek und Loop Vorranggebiete für Windkraft.

„Es lief so, wie wir uns das gewünscht hatten: sachlich und informativ. Es sollte keine Diskussion für oder gegen die Windenergie sein“, fasste Amtsdirektor Heinrich Lembrecht den Infoabend zusammen. Obwohl über Windräder gerne heiß diskutiert wird, hielten sich die rund 320 Besucher an die Vorgabe des Amtsdirektors und nahmen umso reger an der Aussprache teil.

„Welche Chancen haben Unterschriftenlisten gegen Windräder?“, wollte ein Wattenbeker wissen. „Keine. Was zählt, sind städtebauliche Argumente“, sagte Jens-Ulrich Kannieß, Fachanwalt für Verwaltungsrecht. Er stellte die rechtlichen Möglichkeiten der Bürger und der Gemeinden vor und empfahl dringend: „Machen Sie von Ihrer Einwendung Gebrauch!“ Bis zum 30. Juni 2017 können alle Bürger und Gemeinden eine Stellungnahme an die Landesregierung abgeben. Im Herbst dieses Jahres werden die Stellungnahmen ausgewertet und der Entwurf aktualisiert. „Das Beteiligungsverfahren ist einfach und aus meiner Sicht von einer Offenheit, die ich von den anderen Bundesländern nicht kenne“, so der Jurist.

„Windparks sind das Todesurteil für manche Dörfer. Der Werteverlust
von Häusern ist groß“, gab ein Bürger zu bedenken. „Der Werteverlust spielt
keine Rolle. Im Regionalplan kann das allerdings abgewogen werden“, erklärte Kannieß.

Über die Anzahl und Höhen der Anlagen gab es keine Auskunft. „Die Durchschnittsanlage ist 150 Meter hoch. Die Landesplanung baut lieber weniger Anlagen, aber dafür höhere“, so Volker Breuer, Fachdienstleiter Regionalentwicklung im Kreis Rendsburg-Eckernförde. Er erläuterte das Verfahren, nach dem das Land Vorranggebiete für die Windenergienutzung ausweist. Demnach gibt es sogenannte harte und weiche Tabukriterien – Volker Breuer sprach von etwa 100, die eine Fläche für Windkraft ausschließen. Wohnsiedlungen, militärische Anlagen und Naturschutzgebiete gelten als harte Ausschlusskriterien.

Jan Rohwer ist Gemeindevertreter in Groß Buchwald und sagte nach der Veranstaltung: „Ich habe nichts gegen Windkraft. Ich weiß auch, dass Landwirte das Geld für die Fläche gut gebrauchen können. Ich will aber keine Windräder sehen, die still stehen. Wir brauchen zuerst das Netz und dann das Rad.“
Margret Doose stand neben einer großen Karte und schätze den Abstand ihres Wohnhauses zur geplanten Anlage ab. Besonders interessant fand sie im Vortrag eine Neuigkeit: „Mich hat erstaunt, dass Schleswig-Holstein eine andere Abstandsregelung hat als Bayern. Ich wohne wohl weniger als einen Kilometer entfernt. Glücklich wäre ich mit einem Windrad nicht, aber wenn schon eins da ist, dann soll es sich wenigstens drehen.“

In Schleswig-Holstein muss ein Puffer von mindestens 250 Metern eingehalten werden, in Bayern zehn Mal so viel, wie das Rad hoch ist. „Ab 250 Metern Abstand wird übrigens nicht mehr auf Infraschall geprüft“, sagte Kannieß.

Die Planungsunterlagen liegen vom 28. Februar bis 29. März öffentlich in Schaukästen des Rathauses in der Mühlenstraße 7 in Bordesholm und im Zimmer 208 aus. Das Beteiligungsverfahren ist bis zum 30. Juni online unter www.bolapla-sh.de möglich. 



zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen