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Holsteinischer Courier

20. Oktober 2017 | 07:25 Uhr

Busverkehr : Stadtwerke und VHH sind sich einig

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Verhandlungen über die Übernahme des Nahverkehrs stehen vor dem Abschluss. Jetzt müssen die Aufsichtsräte entscheiden.

von
erstellt am 02.Okt.2014 | 05:00 Uhr

Neumünster | Was lange währt, wird endlich gut: Die Stadtwerke Neumünster (SWN) und die Verkehrsbetriebe Hamburg-Holstein (VHH) haben nach monatelangen Verhandlungen über eine Übernahme des Busverkehrs in Neumünster offenbar den entscheidenden Durchbruch erreicht. „Ja, wir sind uns einig“, bestätigte gestern SWN-Sprecher Nikolaus Schmidt auf Couriernachfrage. Der Ball liege jetzt in den Aufsichtsgremien der beteiligten Gesellschaften.

Der SWN-Aufsichtsrat wird das Verhandlungspaket voraussichtlich noch in dieser Woche beraten, der VHH voraussichtlich noch in diesem Monat. Beide Aufsichtsräte müssen dem Ergebnis zustimmen, bevor es unterschriftsreif werden kann.

Nach der jetzt vorliegenden Einigung sollen die Stadtwerke den öffentlichen Linienbusverkehr zum 1. Januar kommenden Jahres komplett übernehmen. Sowohl der Fuhrpark von 33 Bussen als auch der Betriebshof an der Rendsburger Straße gehen dazu in den Besitz der SWN Verkehr GmbH über, einer eigens zu diesem Zweck gegründeten neuen Tochterfirma der Stadtwerke. Sie soll künftig auch als Arbeitgeber der Busfahrer auftreten, die im Liniendienst Neumünster bisher von den VHH beschäftigt wurden.

Sowie die Aufsichtsgremien von SWN und VHH grünes Licht geben, könnten die Verhandlungen über die Übernahmekonditionen für die Kollegen zwischen den Tarifpartnern starten, sagte Schmidt. Rund 80 der 88 VHH-Mitarbeiter sollen übernommen werden, „sofern die Beschäftigten dies denn wollen und sich vorab nicht anderweitig orientieren“, wie Schmidt einschränkt.

Die Verhandlungen waren notwendig geworden, nachdem die VHH im vergangen Jahr überraschend angekündigt hatte, sich aus wettbewerbsrechtlichen aus dem Busverkehr in Neumünster zurückzuziehen. Der laufende Vertrag läuft noch bis Ende 2015, die VHH wollten jedoch möglichst schon zum Jahresende ihre über fünf Jahrzehnte laufende Zusammenarbeit mit Neumünster beenden, um sich verstärkt im Hamburger Raum engagieren zu können. Statt den Busbetrieb in Neumünster europaweit auszuschreiben, hatte die Ratsversammlung daraufhin die Stadtwerke beauftragt, Verhandlungen über eine Übernahme des Linienbusverkehrs aufzunehmen.

Dennoch waren die Verhandlungen offenbar kein Selbstläufer: Erst vor 14 Tagen hatte sich SWN-Geschäftsführer Matthias Trunk bei Oberbürgermeister Dr. Olaf Tauras schriftlich über den schleppenden Fortgang der Gespräche beklagt, die Verhandlungen drohten zu scheitern. Dem Vernehmen nach waren die Stadtwerke auch deshalb verschnupft, weil die VHH-Verhandlungsführer noch in der Schlussrunde für den Busbestand und den erst 2006 für 6,5 Millionen Euro errichteten Betriebshof plötzlich neue Bewertungszahlen vorlegten.

SWN-Sprecher Nikolaus Schmidt wollte den zwischenzeitlichen Knatsch gestern nicht kommentieren: „Wir richten den Blick nach vorn und freuen uns, dass die Verhandlungen auf der Zielgeraden liegen.“

 

Kommentar von Jens Bluhm:

Das Steuer bleibt in der Stadt

Die Verhandlungen standen lange im Stau, aber jetzt  scheinen sie tatsächlich in die Zielgerade einzubiegen. Das ist ein  gutes Zeichen, auch  wenn die  genauen Konditionen für die  Übernahme des Linienbusverkehrs durch die Stadtwerke noch nicht öffentlich  auf dem Tisch liegen: Dass sich  Stadtwerke und VHH nach zähen – und offenbar nicht immer ganz konfliktfreien – Verhandlungen verständigt haben, ist ein  Gewinn für alle busfahrenden und steuerzahlenden Neumünsteraner. Die Alternative zur Steuerung durch die SWN Verkehr GmbH wäre gewesen, den Busverkehr, zu dem die Stadt im Rahmen ihrer Daseinsvorsorge verpflichtet ist, europaweit auszuschreiben. Das ist immer mit einem gewissen Risiko  behaftet. Dass das Steuer für den Busverkehr jetzt in der Stadt bleibt, ist  ein Vorteil – nicht zuletzt auch  für die angestellten Busfahrer. 

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