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Energiekosten : Stadtwerke: Strompreis rauf, Gaspreis runter

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

12 Euro mehr für Strom im Jahr. Gaskunden sind die Gewinner

von
erstellt am 16.Feb.2016 | 08:00 Uhr

Neumünster | Eine gute und eine schlechte Nachricht gibt es für Kunden der Stadtwerke (SWN): Während der Gaspreis binnen Jahresfrist zum zweiten Mal sinkt, sollen Stromkunden ab 1. April zwölf Euro mehr pro Jahr zahlen. Gaskunden gehören unter dem Strich zu den Gewinnern. Sie dürften – trotz der Verteuerung beim Strom – rund 130 Euro pro Jahr sparen.

Beim Strompreis schlagen nach Darstellung des SWN-Vertriebschefs Mathias Stolten vor allem die zum Jahresbeginn erhöhten Nebenkosten erneut spürbar zu Buche. So hätten allein Netzentgelte und Umlagen die Kilowattstunde (kWh) Strom seit Beginn des Jahres um 1,11 Cent pro kWh verteuert, rechnete Stolten gestern bei der Bekanntgabe der neuen Preisstaffeln vor. Zwar sei der Beschaffungspreis für Strom an der Leipziger Strombörse deutlich gesunken, aber dies könne die gestiegenen Kosten durch Umlagen und Netzentgelte nur bedingt auffangen, sagte Stolten.

Unter dem Strich wollen die SWN den Arbeitspreis dennoch stabil halten. Er beträgt bei dem überwiegend von den Kunden genutzten Premium-Tarif unverändert 27,75 Cent pro kWh. Der monatliche Grundpreis klettert dafür um einen Euro auf jetzt 9,87 Euro (Brutto). Stromkunden zahlen damit 12 Euro mehr im Jahr. Bei einem Jahresverbrauch von 3500 kWh (durchschnittlicher Verbrauch für einen Vier-Personen-Haushalt) entspricht das einer Preiserhöhung von etwa 1,3 Prozent, rechnen die Stadtwerke vor. Zuletzt hatten die SWN den Strompreis zum März vergangenen Jahres um rund 4,8 Prozent angehoben. Auch damals hatten sie die Anhebung mit den staatlich vorgegebenen Netzentgelten begründet.

Deutlich erfreulicher sieht die Rechnung für Gaskunden aus: Zwar haben auch hier die Netzentgelte zum Januar weiter angezogen, aber zugleich sind die Einkaufspreise für Gas weiter gefallen. „Den Preisvorteil geben wir an die Kunden weiter“, kündigt Stolten an. Die SWN senken den Arbeitspreis für Gas ebenfalls mit Wirkung zum 1. April um 0,6 Cent/kWh. Der Grundpreis bleibt unverändert. Bei einem durchschnittlichen Jahresverbrauch von 20 000 kWh entspricht das einer Preissenkung um 10,8 Prozent. Der Durchschnittshaushalt spart damit 142,80 Euro pro Jahr.

Im Mai vergangenen Jahres hatten die SWN den Gaspreis um 0,5 Cent/kWh oder 8 Prozent gesenkt. Immer wieder laut werdende Kritik an einer späten Preissenkung angesichts der seit Monaten fallenden Gaspreise mag Stolten daher nicht gelten lassen. Die Senkung im Mai 2015 hätten die meisten Mitbewerber am Markt nicht mitgemacht, sagte Stolten. Außerdem warte man vor Neukalkulationen die Ankündigungen der Bundesnetzagentur ab, wie stark die Netzentgelte tatsächlich erhöht werden. Bei dem Verfahren sei der Verbraucher keineswegs immer der Verlierer, sagte Stolten. So seien die erhöhten Netzentgelte für Strom und Gas etwa bereits seit Jahresbeginn fällig, aber erst zum 1. April würden sie die SWN-Kunden belasten.

Trotz offener Strom- und Gasmärkte haben die Stadtwerke nach eigenen Angaben in ihrem Verbreitungsgebiet bei der Strom- und Gasversorgung einen Marktanteil von rund 90 Prozent. Insgesamt versorgen die SWN in Neumünster und dem Umland etwa 17 500 Haushalte mit Gas und etwa 65 000 Haushalte mit Strom. Die Zahl der Kunden sei weitgehend konstant, sagte Stolten. Einige Kunden wanderten ab, viele kehrten aber auch wieder zurück. „Im Schnitt hält sich das die Waage“, sagte der SWN-Vertriebschef.

STANDPUNKT

von Jens Bluhm

Der Gaspreis sinkt , weil Gas an der Börse billig zu haben ist. Auch Strom ist an der Börse billig zu haben  – aber der Strompreis steigt,   wenn auch diesmal eher moderat. Die vielen Kritiker wird das kaum besänftigen. Auch die „Anpassung“ nach oben – übrigens die fünfte in Folge – um nur  ein gutes Prozent dürfte die Generalkritik am Verkauf  des Neumünsteraner Stromnetzes kaum besänftigen. Immer wieder müssen die Netzentgelte für steigende Preise herhalten. War der Verkauf des Netzes  durch die Ratsversammlung vor sieben  Jahren doch eine folgenschwere Fehlentscheidung für die Stadt? Wer die   Entwicklung der Preise in den vergangenen Jahren aufmerksam verfolgt hat,  für den nährt sich zumindest der Verdacht. Offenbar kennen die Strompreise für Neumünsters Verbraucher nur noch eine Richtung: aufwärts!

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