Energiekosten : Stadtwerke heben erneut den Strompreis an

Das Heizkraftwerk der SWN an der Bismarckstraße. Zum 1. März erhöhen die Stadtwerke den Strompreis.
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Das Heizkraftwerk der SWN an der Bismarckstraße. Zum 1. März erhöhen die Stadtwerke den Strompreis.

Durchschnittshaushalt muss mit 50 Euro Mehrkosten pro Jahr rechnen

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16. Januar 2015, 05:30 Uhr

Neumünster | Trotz sinkender Einkaufspreise an der Strombörse: Zum dritten Mal binnen 15 Monaten heben die Stadtwerke die Strompreise an. Zum 1. März verteuert sich die Kilowattstunde um 0,84 Cent auf 27,75 Cent, der Grundpreis klettert um 1,66 Euro pro Monat auf 8,68 Euro (Bruttopreise, Premiumtarif). Unter dem Strich entspricht das einer Preisanhebung von etwa 4,8 Prozent. Im nur noch selten nachgefragten Grundtarif beträgt die Verteuerung etwa 4,6 Prozent. Ähnliche Teuerungsraten kommen auf die Nutzer der beiden Ökotarife SWN-Öko-Mix und SWN- Wasserkraft zu.

Ein Haushalt mit einem Jahresverbrauch von 3500 Kilowattstunden muss künftig im beliebten Premiumtarif mit Jahreskosten von 1075 Euro rechnen, knapp 50 Euro mehr als bisher. Fast 50 Prozent aller SWN-Stromkunden nutzen diesen Tarif.

Die Stadtwerke hatten die Preise für Strom zuletzt im April vergangenen Jahres um 2,4 Prozent angehoben, nachdem sie die Tarife bereits zum Jahreswechsel 2013/14 um 2,1 Prozent erhöht hatten (der Courier berichtete).

Trotz gesunkener Beschaffungspreise und niedrigerer Umlagen sei eine neuerliche Preisanhebung „unumgänglich“, sagte SWN-Vertriebsleiter Mathias Stolten gestern bei der Bekanntgabe der neuen Tarifstruktur. Stolten verweist auf die drastisch angestiegenen – staatlich vorgegeben – Netzentgelte. Sie waren zum Jahresende von der Bundesnetzagentur neu festgelegt worden. Für die Schleswig-Holstein Netz AG – sie ist auch für den Raum Neumünster zuständig – steigen die Netzentgelte im Arbeitspreis um 1,19 Cent pro Kilowattstunde, im Grundpreis um 19,91 Euro pro Jahr – ein Anstieg von satten 22 Prozent.

Da die Netzentgelte allein mehr als ein Viertel des Gesamtstrompreises ausmachen, sei eine solche Steigerung nicht mehr aufzufangen, erklärte Stolten. Das gelte auch dann, wenn die Stadtwerke – wie geschehen – die sinkenden Beschaffungskosten an die Kunden voll durchreichen. So sei der Anteil des Grundversorgers SWN am Arbeitspreis weiter gesunken, von 7,20 Cent pro Kilowattstunde auf 7,06 Cent pro Kilowattstunde. „Eigentlich senken wir als SWN die Preise, können die Mehrkosten durch steigende Netzentgelte damit aber nicht ausgleichen“, sagte Stolten. Ohnehin sei der Einfluss der Stadtwerke auf den Strompreis in den vergangenen Jahren weiter drastisch geschrumpft: Nur noch etwa ein Viertel des Strompreises entfalle auf Einkauf und Vertrieb, drei Viertel entfallen auf Steuern, Abgaben, Umlagen und Netzentgelte.

Aus besagten Gründen empfindet Stolten auch den Vergleich mit anderen Stadtwerken als „unfair“. Zur Erinnerung: Kiel, Schleswig und Brunsbüttel haben die Strompreise erst kürzlich teils drastisch gesenkt. Kiel beispielsweise habe allerdings wesentlich niedrigere Netzentgelte, sagte Stolten: „Könnten wir die Netzentgelte ausklammern, stünden wir besser da als Kiel.“

STANDPUNKT

Unglaublich – während in anderen Regionen die Preise für Strom gesenkt werden, weil die Beschaffungskosten an den Strombörsen und  den Strompreis belastende Umlagen sinken, erhöhen die Stadtwerke den Preis  – und das bereits zum dritten Mal hintereinander innerhalb von 15 Monaten. Wie kann das angehen? Füllt sich da jemand auf Verbrauchers Kosten die Taschen?

  Aber halt.  Bevor wir jetzt wütend mit dem Finger auf die SWN zeigen, lohnt es sich, noch einmal genauer  hinzuschauen. Die SWN-Strategen werden jedenfalls nicht müde zu unterstreichen, dass sie die Preisvorteile beim Einkauf an die Verbraucher durchreichen. Und in der Tat wird ihr Einfluss auf den Endpreis für den Verbraucher  immer geringer. Wenn dann die staatlich vorgegebenen  Lasten in die Höhe schießen, sind die SWN mit ihrem  Latein schnell am Ende. Der Knackpunkt liegt woanders: Wegen der erneuerbaren Energien liegen die Kosten für die Leitungsnetze im Norden  und damit die Netzentgelte unvergleichlich hoch. Die Politik muss die Lasten fairer verteilen.

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