Neumünster : Stadtbücherei wandelt sich zum Lernort

Tim Meyer (26) aus Neumünster studiert Volkswirtschaftslehre in Kiel und nutzt die Stadtbücherei gerne als Ort, um ungestört zu lernen und sich auf Prüfungen vorzubereiten.
Tim Meyer (26) aus Neumünster studiert Volkswirtschaftslehre in Kiel und nutzt die Stadtbücherei gerne als Ort, um ungestört zu lernen und sich auf Prüfungen vorzubereiten.

Zahl der aktiven Leser und der Ausleihen ging auch 2017 zurück. Onleihe wird dagegen immer beliebter.

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08. März 2018, 08:30 Uhr

Neumünster | In der Stadtbücherei ist im vergangenen Jahr die Zahl der aktiven Leser auf 6123 zurückgegangen. Vier Jahre zuvor waren es noch fast 700 mehr. Das geht aus den Kennzahlen hervor, die am 15. März, ab 18 Uhr Thema im Schul-, Kultur- und Sportausschuss sind. Er tagt in der Wilhelm-Tanck-Schule.

Bücherei-Leiter Dr. Klaus Fahrner weist auf einen demografischen Trend hin: „Es gibt weniger junge Leser, die älteren werden mehr.“ Im vergangenen Jahr gab es weniger Führungen für Grundschulklassen. „Das schlägt sofort durch, denn meist meldet sich die ganze Klasse an und leiht dann auch aus“, so Fahrner.

Der für den Kulturbereich zuständige Stadtrat Carsten Hillgruber möchte daher die Zusammenarbeit mit den Schulen weiter ausbauen. Er kündigte entsprechende Gespräche mit den Schulen an. „Ziel ist es, Kinder so früh wie möglich ans Lesen heranzuführen.“

Den rückläufigen Leserzahlen entsprechend fielen auch die Ausleihzahlen bei Büchern und anderen Medien geringer aus. Sie gingen von gut 440 000 auf knapp 435 000 zurück. Die Entleihungen via Internet (Onleihe) wachsen dagegen allmählich, aber stetig und machten 2017 einen Anteil von knapp 17 400 aus. Fahrner: „Wir haben viele ältere Leser, die nicht mehr so mobil sind und nur noch die Onleihe nutzen.“ Im Programm dort gibt es Bücher, auch Hörbücher und auch Zeitschriften. Fast 132 000 Medien gibt es in der Stadtbücherei an der Wasbeker Straße und den beiden ehrenamtlich betreuten Stadtteilbüchereien in Einfeld und Tungendorf. In Einfeld gab es 12 025 Ausleihen, in Tungendorf 7865. Das sind fast 2000 mehr als im Jahr 2016. Die Statistik ist aber verzerrt, weil die Bücherei in Einfeld 2016 drei Monate lang wegen der Umbauarbeiten geschlossen war. Fahrner: „Jetzt hat Einfeld wieder auf Normalzustand aufgeholt.“

9172 Medien wurden neu angeschafft – das sind rund 7 Prozent des Bestands. „Eine ähnliche Zahl wird ausgemustert – schon aus Gründen der Aktualität“, sagt Fahrner. Viele Bücher seien aber auch schlicht zerlesen und müssten deswegen ausgetauscht werden.

Die Kosten steigen und liegen inzwischen bei 1,27 Millionen Euro. Das Gros dabei sind die Personalkosten für die 18 Mitarbeiter und den Azubi. Die Stadtbücherei bildet eine „Fami“ aus, eine Fachangestellte für Medien und Informationsdienste. Rechnerisch steigen die Kosten je Ausleihvorgang, sie liegen jetzt bei 2,91 Euro.

Allerdings kommen immer mehr Nutzer gar nicht um Bücher auszuleihen. „Wir werden immer mehr zu einem Lernort“, sagt Bibliothekarin Frauke Tensfeldt. Viele Besucher kämen in die Stadtbücherei, um hier zu recherchieren, das W-Lan und einen ruhigen Arbeitsplatz zu nutzen.

„Vor allem an den Nachmittagen sind die Arbeitsplätze mit Schülerarbeitsgruppen immer gut besetzt“, sagt Frauke Tensfeldt. Auch VWL-Student Tim Meyer schätzt die Stadtbücherei. „Ich nutze sie gerne zur Prüfungsvorbereitung“, sagt der Student.

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