Bundesvorsitzende in Neumünster : Stadt will in Digitalisierung investieren

Diskutierten, wie man die Schulen besser ausstatten könnte: Siegbert Schwab (GEW, von links), Astrid Henke (GEW), Carsten Hillgruber und Marlis Tepe (GEW).
Diskutierten, wie man die Schulen besser ausstatten könnte: Siegbert Schwab (GEW, von links), Astrid Henke (GEW), Carsten Hillgruber und Marlis Tepe (GEW).

3,8 Millionen Euro plant die Stadt für die Ausstattung der Schulen mit Medien / GEW fordert bauliches Umdenken

shz.de von
08. Juni 2018, 08:50 Uhr

Neumünster | 3,8 Millionen Euro will die Stadt Neumünster in den nächsten vier Jahren in die Ausstattung der Schulen mit Medien stecken. Das Signal zur Modernisierung des Unterrichts stimmte Marlis Tepe, Bundesvorsitzende der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW), positiv. Sie nutzte bei ihrem Besuch in der Stadt aber die Chance, um ihre Forderung nach mehr baulicher Modernisierung zu bekräftigen.

„Viele Schulen sind immer noch nach dem Flur-Modell gebaut, also ein langer Flur, von dem die Klassenräume abgehen. Das entspricht nicht mehr den heutigen pädagogischen Konzepten. Viel besser wäre ein Cluster-Modell, also eine räumlich offener gestaltete Schule, in der es Einzel- und Gruppenarbeitsplätze, Leseecken sowie Ruhebereiche gibt“, so die GEW-Chefin. Als Beispiel nannte sie die Freiherr-vom-Stein-Schule, die zwar als „Digitale Schule“ in Sachen Fortschritt ganz weit vorn sei, bei deren Bau vor zehn Jahren allerdings versäumt wurde, auch neue Wege zu gehen.

Die Neubauten seien bereits alle mit Gruppenräumen geplant, versicherte Stadtrat Carsten Hillgruber. „Wer digital lernen will, muss aber auch die Voraussetzungen dafür haben. Ein vernünftiger W-Lan- und Breitbandausbau ist da enorm wichtig“, betonte Siegbert Schwab vom GEW-Kreisverband Neumünster. Damit gehe einher, dass viele Lehrer die EDV selbst in ihrer Freizeit warten würden. „Das kann keine Lösung sein“, so Schwab weiter. Nur vier Systembetreuer hat die Stadt bisher für die EDV-Betreuung aller 29 Schulen eingestellt. „Wir planen, drei weitere Stellen zu schaffen“, erklärte Carsten Hillgruber. An Schulen, die digital arbeiten, müssen die Schüler oftmals selbst ihre mobilen Endgeräte mitbringen. „Das ist gerade in Städten wie Neumünster, in denen viele ärmere Familien wohnen, ein Problem, weil diese sich nicht zwangsläufig solche Geräte für ihre Kinder leisten können“, sagt Astrid Henke, GEW-Landesvorsitzende. Ein Teil der 3,8 Millionen soll in diese Endgeräte fließen. „Ob die Schulen Klassensätze stellen, oder die Schüler selbst ihre Smartphones mitbringen müssen, soll jede Schule individuell nach ihrem Schulkonzept entscheiden“, erläuterte Hillgruber.

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