zur Navigation springen

Armut in Neumünster : Stadt will Armut so früh wie möglich bekämpfen

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Handlungskonzept setzt bei Kindern und Jugendlichen an / Ausschüsse folgen einmütig den Empfehlungen

Neumünster | Mit dem Sozial- und Gesundheitsausschuss am Mittwoch und dem Schul-, Kultur- und Sportausschuss gestern haben jetzt zwei Gremien der Ratsversammlung einstimmig dem „Handlungskonzept Armut“ zugestimmt.

Die zugrunde liegenden Daten sind seit langem bekannt. Doch obwohl die Arbeitslosigkeit zurückgegangen ist, hat sich „am Sockel von Armut nichts geändert“, machte Hans Heinrich Voigt (Grüne) als neuer Vorsitzender des Sozialausschusses deutlich. Katrin Kleinhans vom Institut Empirica und Jörn Hellberg von der Stadtverwaltung erläuterten das rund 120 Seiten starke Werk (der Courier berichtete).

Die Armut in der Stadt müsse mit Hilfe von verknüpften Präventionsketten bekämpft werden, hieß es von den Experten. Die Stadt könne die Einkommens- und Vermögensverteilung oder Faktoren wie Hartz-IV-Sätze oder den Mindestlohn nicht beeinflussen, so Hellberg. Sie könne aber sehr wohl versuchen, Nachteile auszugleichen, um Teilhabe zu ermöglichen, und auch präventiv tätig werden. Dazu führt das Konzept 28 Vorschläge auf, die aber noch nach ihrer Priorität geordnet werden sollen.

Eine Maxime wurde deutlich: Die Mittel und Hilfen sollen zielgerichtet dort eingesetzt werden, wo sie am nötigsten sind. Hier sehen die Fachleute und die Kommunalpolitiker trotz versteckter oder verschämter Altersarmut den möglichst frühen Ansatz der Hilfen als nötig an. „Am besten noch vor der Geburt. Das ist banal, aber richtig“, sagte Stadtrat und Sozialdezernent Carsten Hillgruber.

Es gibt zwar ein gutes Beratungsangebot und vielfältige Netzwerke. Aber die seien noch oft als „Komm-Struktur“ angelegt. „Es gibt einen Mangel an aufsuchender Hilfe“, sagte Katrin Kleinhans. Für Hellberg ist ein Paradigmenwechsel nötig. In den Mittelpunkt gerückt werden müssten die Familien, Kinder und Jugendlichen „und nicht die Probleme der Institutionen mit ihnen“, so Hellberg. Der Blick auf die Sozialräume bleibe wichtig. Handlungsbedarf gibt es vor allem in der Innenstadt. „Wir wollen aber nicht mit der Gießkanne losgehen“, sagte Jörn Hellberg.

In der kommenden Woche beraten auch noch der Jugendhilfeausschuss (14. November, 18 Uhr in der Kita Einfeld am Bollbrück 1b) und der Finanzausschuss (15. November, 17.30 Uhr in Sitzungsraum 2.5/2.6 des Neuen Rathauses) über das „Handlungskonzept Armut“. Verabschiedet wird es von der Ratsversammlung am 21. November.

Karte
zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen