Shopping : Stadt verlegt offenen Sonntag – weil in Hamburg die Autobahn gesperrt ist

Neugierig? – Noch ist der Anbau des DOC von einem hohen Bauzaun vor allzu neugierigen Blicken geschützt. Im Herbst sollen hier rund 35 weitere Markenshops eröffnen.
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Neugierig? – Noch ist der Anbau des DOC von einem hohen Bauzaun vor allzu neugierigen Blicken geschützt. Im Herbst sollen hier rund 35 weitere Markenshops eröffnen.

Am 5. Juli machen die Geschäfte nicht auf, dafür im Herbst dreimal innerhalb von sechs Wochen

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21. Mai 2015, 06:00 Uhr

Neumünster | Der Antrag von Citymanager Michael Keller kam auf den letzten Drücker: Am Montag bat er die Ratsversammlung, den verkaufsoffenen Sonntag am 5. Juli zu verschieben. Einen Tag später kam das Papier als Dringlichkeitsvorlage in letzter Minute auf die Tagesordnung der Sitzung. Ohne Diskussion stimmte das Stadtparlament einstimmig zu. Nun kommt es im Herbst zu einer merkwürdigen Ballung von offenen Sonntagen.

Immer am Ende eines Jahres beantragt der Citymanager die Termine für die vier verkaufsoffenen Sonntage. Die werden vorher in einem Unternehmer--Arbeitskreis mühevoll austariert, um Anlässe zu finden und die verschiedenen Interessen zu befriedigen. So sollte es auch 2015 einen offenen Sonntag im Hochsommer geben, weil das DOC von den Urlaubern auf der Autobahn profitiert. Am 5. Juli sind schon Ferien in Nordrhein-Westfalen. Viele Neumünsteraner Geschäftsleute schätzen den Sommertermin dagegen nicht (der Courier berichtete).

Diese Planung hat nun offenbar der Ausbau der Autobahn 7 durchkreuzt: Am Wochenende 3. bis 6. Juli wird die Autobahn 7 zwischen den Abfahrten Hamburg-Schnelsen und dem Dreieck Hamburg-Nordwest voll gesperrt. „Aufgrund dieser Sperrung und der damit verbundenen Auswirkungen (Kundenwegebeziehung nach Neumünster) geht der Arbeitskreis davon aus, dass viele Kunden den verkaufsoffenen Sonntag am 5. Juli nicht in Anspruch nehmen werden“, schrieb Michael Keller in seinen Antrag.

Zwar ist der Großflecken von der Abfahrt Schnelsen 53 Kilometer entfernt, aber für das DOC ist diese Sperrung eine Katastrophe, weil ein Großteil der Kunden aus Hamburg und von noch weiter südlich kommt. „Auf Wunsch des DOC-Managements haben wir im Arbeitskreis nach einem neuen Termin gesucht“, bestätigte Citymanager Michael Keller. Ein anderer Sommertermin war jedoch nicht kompromissfähig. Darum wurde es der 8. November, der dritte Termin in sechs Wochen (neben 27. September und 25. Oktober).

Profitieren dürfte davon die Holsten-Galerie, denn der neue Termin liegt gut drei Wochen nach der Eröffnung. Verlierer sind die Veranstalter des Oldtimertreffens und des Table-Kicker-Cups (TKC), die nun am 5. Juli auf dem Großflecken weniger Publikum erwarten. „Wir sind über diese Verlegung nicht glücklich und diskutieren noch, ob wir unseren TKC auch verlegen“, sagt Ralph Godbersen vom Veranstalter Old Tablers.

Kommentar von Thorsten Geil:

Im ersten Moment klingt es ein bisschen übermotiviert, in aller Hektik einen verkaufsoffenen Sonntag wegen einer Autobahnsperrung in Hamburg zu verlegen. Aber auf den zweiten Blick steckt dahinter schon ein Sinn. Das DOC lebt nicht von Neumünster, sondern zieht Kunden aus ganz Norddeutschland und besonders aus Hamburg an. Wer es nicht glaubt, muss sich dort einmal die Autokennzeichen anschauen. Und viele werden nicht nach Neumünster fahren, wenn die Autobahn dicht ist. Der DOC-Betreiber McArthur Glen bezahlt etwa zwei Drittel unseres Citymanagements, und darum darf er sich einen der vier offenen Sonntage im Jahr aussuchen. Das ist legitim, denn wer die Musik bezahlt, der bestimmt auch, was gespielt wird.

Drei Sonntage binnen sechs Wochen sind allerdings auch ein bisschen gaga. Aber das ist dann wohl einfach Pech.

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