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Holsteinischer Courier

17. Dezember 2017 | 06:07 Uhr

Flüchtlinge : Stadt rekrutiert neuen Wohnraum

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Wohnungsunternehmen und private Vermieter haben bis Oktober 2016 rund 200 Wohnungen zugesagt. Die Verhandlungen über weitere Neubauten laufen

von
erstellt am 02.Dez.2015 | 18:26 Uhr

Neumünster | Die Stadt bereitet sich auf die dauerhafte Aufnahme von Flüchtlingen vor – und hat dafür bereits erste Zusagen aus der Wohnungswirtschaft: Bis Oktober 2016 wollen Wohnungsunternehmen und private Vermieter rund 200 Wohnungen bereitstellen. Das bestätigte Thorben Pries, kommissarischer Leiter der „Projektgruppe Flüchtlinge“ bei der Stadt, gestern auf Courier-Nachfrage. Darüber hinaus verhandle man mit der Wohnungswirtschaft über beschleunigte Sanierungen und auch über Neubau, sagte Pries.

Erst am Dienstag war bekannt geworden, dass sich Neumünster erstmals seit Einrichtung der zentralen Landesunterkunft am Haart ab Oktober an der dezentralen Unterbringung von Flüchtlingen beteiligen muss. Bislang waren Neumünster mit Verweis auf die zentrale Erstaufnahme keine weiteren Flüchtlinge zugewiesen worden. Eine entsprechende Regelung gilt auch für Boostedt als Sitz der Erstaufnahme-Außenstelle. Ob und wann für das Amt Boostedt dieser Sonderstatus fällt, ist derzeit offen.

Nach aktuellem Stand soll Neumünster ab dem vierten Quartal 2016 2,74 Prozent der dann nach Schleswig-Holstein kommenden Flüchtlinge dauerhaft aufnehmen. Bei der Stadt rechnet man – orientiert an den aktuellen Zahlen – mit rund 350 Menschen pro Quartal, für die Neumünster dann zum neuen Zuhause werden soll. Die Stadt stehe vor einer „gewaltigen Herausforderung“, hatte der OB bereits im Vorfeld der Verhandlungen mit dem Land im Rat angekündigt.

Um die Mammutaufgabe zu meistern, hatte die Stadt im September die Projektgruppe Flüchtlinge eingerichtet. Fünf Arbeitsgruppen (dauerhafte Flüchtlinge, Ehrenamt, Öffentlichkeitsarbeit, Erstaufnahme und unbegleitete Flüchtlinge) sollen ausarbeiten, wie die Menschen versorgt und integriert werden können. Auch Vertreter der Wohnungswirtschaft, von Arbeitsagentur und Jobcenter sind mit eingebunden.

Mit Oktober 2016 habe die Stadt jetzt immerhin eine Planungsgrundlage, sagte Pries. Viele potenzielle Vermieter hätten in der Vergangenheit immer wieder gefragt, ab wann denn die Stadt mieten wolle. Ob die bis Oktober rekrutierten Wohnungen reichen, um zumindest die ersten Wellen der Flüchtlinge unterzubringen, ist allerdings völlig offen. „Wir haben noch keine Erfahrungen, welche Familienstrukturen auf uns zukommen“, räumte Pries ein. Notfalls werde die Stadt auf Gemeinschaftsunterkünfte als „Puffereinrichtungen“ zurückgreifen, aus denen die Menschen dann auf Wohnungen verteilt werden sollen. Als Richtschnur und Ziel gelte aber eine möglichst schnelle Durchmischung in der Stadt, und eine Kasernierung solle möglichst vermieden werden, sagte Pries.

Alle Bemühungen, Wohnraum zu rekrutieren, orientierten sich vom Mietpreis her an den Sätzen, die auch für Sozialhilfeempfänger gelten, unterstreicht Pries. Die Flüchtlinge würden also nicht besser gestellt als Hartz-IV-Empfänger.

Völlig offen ist derzeit, welche Kosten mit der dauerhaften Unterbringung der Flüchtlinge auf die Stadt zurollen. Der Deutsche Städtetag veranschlagt die Kosten für Unterbringung und Betreuung derzeit auf rund 1000 Euro pro Person und Monat. Der Bund ersetzt derzeit nur 670 Euro.

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