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Kinderbetreuung : Stadt plant Nachtschicht in der Kita

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Der Bund soll mithelfen, die Betreuungszeiten kräftig auszuweiten.

von
erstellt am 09.Dez.2015 | 18:22 Uhr

Neumünster | Die Stadt unternimmt einen weiteren Anlauf, die Betreuungszeiten in den Kitas auszudehnen, um die Einrichtungen den geänderten Lebens- und Arbeitsbedingungen anzupassen. Dazu will sich die Stadt für das Modellprogramm „Kita Plus“ des Bundes bewerben.

Das Förderprogramm unterstützt ab 2016 bundesweit Kitas und Kinderpflegeeinrichtungen, die den Eltern gezielt Betreuungszeiten außerhalb der „Kernzeiten“ anbieten, also etwa am frühen Morgen und späten Abend, aber auch an Wochenenden, Feiertagen und in der Nacht. Bei einem Zuschlag sind Förderquoten bis zu 95 Prozent möglich. Bislang bieten Neumünsters Kitas – von wenigen Sonderregelungen abgesehen – eine Regel-Betreuung von 6.30 und 17 Uhr an.

Fünf Einrichtungen in Neumünster haben nach einer ersten Umfrage der Stadt bislang Interesse an einer Teilnahme an dem Programm bekundet:

> Die Kita Schubertstraße möchte künftig Betreuungen von 6 bis 21.30 Uhr anbieten.

>Die Diakonie-Kinderkrippe „Kleine Fische“ will eine U3-Gruppe aufbauen, in der Betreuung zwischen 5 und 22 Uhr gewährleistet wird. Zusätzlich will man Angebote am Wochenende schaffen und einen Shuttle-Service für Familien einrichten.

>Das Familienzentrum Ruthenberger Rasselbande plant Betreuungszeiten von 6 bis 21 Uhr und Angebote für das Wochenende. Dabei sollen besonders Schulkinder und Kinder mit Beeinträchtigungen in den verlängerten Betreuungszeiten berücksichtigt werden.

> Die beiden Tagespflegestellen „Zweipluszehn“ und „Königskinder “ wollen Betreuungszeiten ausdehnen und sogar Übernachtungsmöglichkeiten für kleine Kunden anbieten.

Der Jugendhilfeausschuss unterstützte den Vorstoß in seiner Sitzung am Dienstagabend einhellig. Das letzte Wort hat allerdings die Ratsversammlung. Denn die Förderung gibt es nicht zum Nulltarif: Die Teilnehmer an dem Programm müssen sich bereits mit der Anmeldung verpflichten, die Angebote über den Förderzeitraum hinaus fortzuführen.

Konkret: Bliebe es bei den fünf angemeldeten Einrichtungen, würde der städtische Förderanteil von 11  000    Euro (in 2016) beziehungsweise 17 000 Euro (2017 und 2018) ab 2019 auf die Vollfinanzierung von immerhin 340  000 Euro springen.

Sozialdezernent Günter Humpe-Waßmuth warb dennoch mit Nachdruck dafür, bereits jetzt die Weichen zu stellen: Die Stadt sei gut beraten, die Betreuung der Kinder rechtzeitig an den demografischen Wandel und die veränderten sozialen Rahmenbedingungen anzupassen. Der Bedarf an neuen Betreuungszeiten werde zunehmen, sagte der Stadtrat voraus. „Wir möchten keinen Flickenteppich in der Betreuung und für die Familien einen Kita-Alltag organisieren, der mit möglichst wenig Beziehungswechseln auskommt“, sagte der Sozialdezernent.

Einstimmig sprach sich der Jugendhilfeausschuss darüber hinaus dafür aus, im Bildungszentrum Vicelinschule eine zusätzliche Kraft einzustellen, die die sozialen und kulturellen Initiativen im Stadtteil fördern soll (der Courier berichtete).

STANDPUNKT

Macht die Kitas stark

Kindererziehung  und  frühkindliche Bildung  verlagern sich  mehr und mehr in den Kindergarten. Nicht wenige   Kinder, die nicht etwa bei Mama und  Papa,  auch nicht bei Oma, sondern in der Kita  ihre ersten Worte sprechen oder erstmals mit der Gabel essen.  Diese Entwicklung mag man bedauern, aber sie bleibt Fakt   und ist keinesfalls  – wie gern  unterstellt – die  Schuld angeblicher Rabeneltern, sondern der gesellschaftlichen Entwicklung geschuldet:  Immer mehr Alleinerziehende müssen sich kümmern, und die Arbeitswelt  verlangt höchste   Flexibilität. Das kann nur mit  starken Kitas funktionieren, die dem geänderten Rahmen laufend angepasst werden.  Mit erweiterten  Öffnungszeiten allein wird es dabei übrigens nicht getan sein.

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