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Holsteinischer Courier

19. August 2017 | 17:16 Uhr

Vogelpest : Stadt hebt Stallzwang auf

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Züchter rund um den Einfelder See dürfen ihr Geflügel nach drei Monaten wieder nach draußen lassen . Erleichterung bei Tierhaltern

Neumünster | Das Kieler Landwirtschaftsministerium lockert die Schutzmaßnahmen gegen die Vogelgrippe: Der Einfelder See gilt nicht mehr als Risikozone und wird aus den ausgewiesenen Sperrzonen des Landes herausgenommen. Damit endet in Neumünster (vorerst) die Stallpflicht für Geflügel. Die Anordnung soll in diesen Tagen veröffentlicht werden, sie tritt dann einen Tag nach Bekanntmachung in Kraft. Für den Kreis Segeberg ist die Stallpflicht bereits aufgehoben. Züchter und Vereine nahmen die Entwarnung für Neumünster am Wochenende mit Erleichterung auf.

Seit dem 26. November durften die Halter von Hühnern, Enten, Gänsen und anderen Geflügelarten ihre Tiere in einem 500 Meter breiten Streifen rund um den Einfelder See nur in geschlossenen oder überdachten Stallungen unterbringen, um eine Ausbreitung der Seuche durch Wildvögel zu verhindern (der Courier berichtete). Laut Veterinäraufsicht der Stadt waren von der Aufstallungspflicht „etwa fünf bis sieben“ Zuchtbetriebe betroffen. Die Stadt hatte zum Auftakt des Stallzwangs Stichkontrollen zur Durchsetzung der Anordnung angekündigt.

Sven und Heike Stüber, die in ihrer Gärtnerei am Looper Weg rund 120 Gänse, Hühner und Enten halten, sind über die Ankündigung der Behörden heilfroh – auch wenn sie nur mittelbar betroffen sind, wie sie sagen. Noch Ende November hatten sie befürchtet, dass auch sie ihre Tiere von den Wiesen auf unbestimmte Zeit in die Stallungen treiben müssen (der Courier berichtete).

Aber es kam anders: Die Stadt bescheinigte dem Gärtnereibetrieb , dass seine Wiesen und Stallungen knapp außerhalb der 500-Meter-Zone rund um den Einfelder See liegen, die Stallpflicht für ihre Tiere also nicht greift. „Zum Glück“, wie Heike Stüber sagt, die die Stallpflicht schlicht für Tierquälerei hält. Auch ihr Mann kritisiert die jetzt wieder aufgehobene Sperrzone um den Einfelder See als willkürlich und völlig nutzlos im Kampf gegen die Seuche. Die Wildvögel würden sich ja wohl kaum an die 500-Meter- Grenze halten, wenn sie irgendwo etwas fallen ließen, argumentiert Stüber.

Der Blumenhändler und Züchter hofft, dass jetzt auch die strengen Auflagen für den Transport seiner Tiere gelockert werden. Das Problem: Die Brutkästen für die nächste Generation seiner Enten, Hühner und Gänse stehen an der Dorfstraße. Aufwachsen sollen die Tiere, die in diesen Tagen schlüpfen, aber auf den satten Wiesen im Außengelände am Looper Weg. Wegen der Vogelgrippe braucht Stüber für den zwei Kilometer langen Transport allerdings ein tierärztliches Attest darüber, dass seine Jungtiere auch tatsächlich gesund sind. So sieht es eine Schutzauflage des Bundes vor, die vorerst bis 31. März befristet ist. Ob sie angesichts der entspannten Lage noch einmal verlängert wird, sei offen, erklärte Dr. Bettina Kohnen-Gaupp, Leiterin der städtischen Veterinär- und Lebensmittelaufsicht.

Armin Eggers ist der Ehrenvorsitzende des Landesgeflügelzuchtverbands und froh, „dass die Hysterie vorbei ist“. Bald schlüpfen die ersten Kücken. „Die brauchen ihren Auslauf und artgerechte Bedingungen“, sagt Eggers. Ähnlich sieht es Holger von Ahrentschildt, der Vorsitzende des Rassegflügelzuchtvereins Einfeld. Vor allem für die Züchter von Wasser- und Wasserziergeflügel wäre die Situation bald schwierig geworden. „Die Tiere fangen mit der Balz an, die Revierkämpfe gehen los. Das wäre in Tierquälerei ausgeartet“, sagt er.

Ernst-Werner Plambeck vom gleichnamigen Eierhof in Tungendorf-Dorf ist der einzige gewerbliche Geflügelhalter in Neumünster. Er hält keine Hühner im Freiland, findet die Stallpflicht in potenziellen Gefährdungsgebieten aber richtig. Plambeck betritt seinen Stall nur über Desinfesktionsmatten. „Für uns Tierhalter, insbesondere die Hühnerhalter, ist Hygiene oberstes Gebot. Daran hängt schließlich die Existenz“, sagt er.

 

KOMMENTAR

von Jens Bluhm

Um Missverständnissen vorzubeugen: Mit der Vogelgrippe  ist nicht zu spaßen, auch wenn sie für uns nicht  täglich präsent  ist. Und die Geflügelzüchter müssen es sich um unser aller Gesundheit Willen schon gefallen lassen, zu  lästigen Schutzmaßnahmen vergattert zu werden, auch wenn das ins Geschäft schneidet. Allerdings  rechtfertigt das noch nicht automatisch  jede Schutzmaßnahme. Was die  Stallpflicht  tatsächlich bringt, darf durchaus hinterfragt  werden. Paradoxerweise  sind die meisten registrierten Fälle von Vogelgrippe nicht beim Kleinbauern   aufgetreten, der seine Gänse  auf der Wiese hinter der Scheune hält, sondern in den  hermetisch abgeschirmten Großställen –  allen  Hygieneauflagen zum Trotz. Und was  eine 500-Meter-Sperrzone  für Wildvögel soll, die weder Grenzen noch Metermaß kennen,  kann man auch niemandem so richtig erklären. Beim nächsten Alarmruf brauchen wir bessere  Rezepte.

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erstellt am 02.Mär.2015 | 06:15 Uhr

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