zur Navigation springen

Aus dem Gerichtssaal : Staatsanwalt fordert lange Haftstrafen

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Gestern wurde das erste Plädoyer im Prozess um den brutalen Raub von Einfeld gehalten.

von
erstellt am 27.Jun.2017 | 08:00 Uhr

Neumünster | Im Prozess gegen drei Neumünsteraner (25, 29 und 45), die sich unter anderem für den Raub von Einfeld verantworten müssen, hat der Staatsanwalt vor dem Kieler Landgericht gestern harte Strafen gefordert. Zwischen elf und elfeinhalb Jahren Haft hält der Vertreter der Anklage für vier bandenmäßige Raub- und Diebstahlstaten für erforderlich. Der Jurist lastete dem Trio auch die brutale Tat aus dem Seewisch am 21. Juli 2016 komplett an. Die Angeklagten bestreiten jegliche Beteiligung an diesem Überfall (der Courier berichtete).

In der Nacht waren drei maskierte Männer in das Haus eines Seniorenpaares (73 und 75) eingedrungen. Sie hatten die gesundheitlich stark beeinträchtigten Bewohner gefesselt, geschlagen und später eingesperrt zurückgelassen. Die Täter flohen unerkannt mit der Beute aus dem Tresor.

Akribisch zählte der Staatsanwalt die Indizien auf, die ihn „in der Gesamtschau von der Täterschaft überzeugten“. So wurde nach der Tat ein Kassenbon auf dem Grundstück gefunden. Der kleine Zettel führte die Ermittler zum Hagebaumarkt an der Boostedter Straße und schließlich zum Angeklagten Silvio F. (45). Der soll dort Arbeitshandschuhe gekauft haben. Die überfallene Frau hatte ähnliche Handschuhe beschrieben.

Michael B. (29) soll kurz nach dem Raub einen teuren Audi mit auffallend vielen 50-Euro-Scheinen bar bezahlt haben – Geld in entsprechender Stückelung war in Einfeld verschwunden. Mike M., der dritte im Bunde, soll sich in einem von der Polizei abgehörten Telefonat verraten haben. Zeit hatten laut Staatsanwalt am Tattag alle: Silvio F. sei krankgeschieben gewesen, der Soldat Mike M. habe dienstfrei gehabt und Michael B. keine Beschäftigung.

In den folgenden Monaten sollen die Drei unter den Augen der Ermittler noch in eine Autowerkstatt nahe Itzehoe und ein Haus in Gadeland eingebrochen sein. Anfang November schlugen die Beamten zu, als die Männer offenbar im Begriff waren, ein älteres Paar (beide 86) in Wittorf zu überfallen.

Der einschlägig vorbestrafte Silvio F. soll nach Ansicht der Staatsanwaltschaft elfeinhalb Jahre in Haft. Für Michael B., der auch schon durch Diebstähle auffiel, hält der Jurist elf Jahre und drei Monate für angemessen. Mike M. kommt zwar zugute, dass er noch nicht vorbestraft ist. Er griff aber bei der Festnahme die Polizei massiv mit Spray an. Der Staatsanwalt plädierte deshalb für ihn auf elf Jahre Haft.

Vor allem die Brutalität in Einfeld und die Gefühlskälte in den Telefonaten danach wogen im Plädoyer des Staatsanwalts schwer. „Und zugegeben haben Sie nur, was ohnehin nachgewiesen war“, so der Jurist. Das Urteil wird Anfang Juli gesprochen.

 

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen