Gerichtsbericht : Staatsanwalt fordert fünf Jahre Haft

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Im Prozess um eine Messerattacke in der Erstaufnahmeeinrichtung für Flüchtlinge in Neumünster wurden gestern die Plädoyers gehalten.

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20. Januar 2018, 13:00 Uhr

Neumünster | Im Prozess um einen blutigen Streit in der Erstaufnahmeeinrichtung für Flüchtlinge am Haart wurden gestern im Kieler Landgericht die Plädoyers gehalten. Seit einer Woche muss sich vor der 8. Strafkammer ein Mann (26) aus Afghanistan wegen versuchten Totschlags verantworten. Er soll am 12. Juni 2017 mitten in der Nacht auf einen Albaner (20) eingestochen und ihn lebensgefährlich verletzt haben (der Courier berichtete). Worum es bei dem Streit ging, darüber gibt es unterschiedliche Aussagen. Der Angeklagte fühlte sich offenbar von dem Jüngeren sexuell bedrängt. Das Opfer hingegen berichtete von einem Streit, weil ihm der Kontrahent Geld und Pass gestohlen habe.

Der Staatsanwalt folgte in seinem Plädoyer im Wesentlichen der Schilderung des Verletzten und forderte fünf Jahre Haft. Allerdings wertete er die Messerattacke nicht als versuchtes Tötungsdelikt, sondern als gefährliche Körperverletzung. Dass der Angeklagte seinem Kontrahenten gleich zweimal in die Brust stach, wog dabei schwer. Einen homosexuellen Übergriff hielt der Jurist nicht für wahrscheinlich und sah somit keine Notwehrsituation. Der Vertreter des Nebenklägers ging von einem Tötungsvorsatz aus, nannte jedoch kein Strafmaß.

Der Verteidiger hingegen plädierte auf Notwehr. Der sexuelle Übergriff sei mit dem Glauben seines Mandanten in keiner Form vereinbar gewesen. Der Anwalt forderte deshalb Freispruch.

Zuvor hatte das Gericht noch einen Kinder- und Jugendpsychiater befragt, um die Aussage eines jungen Zeugen besser einschätzen zu können. Der 16-Jährige will bei der Tat dabei gewesen sein, wurde wenig später jedoch wegen psychischer Probleme stationär behandelt. Inwieweit er in dieser Zeit in seiner Wahrnehmung beeinträchtigt war, muss die Kammer jetzt beurteilen. Das Urteil wird Mitte kommender Woche erwartet.

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