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Zum Tod von Günter Grass : Spuren eines Nobelpreisträgers

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Günter Grass war zu verschiedenen Gelegenheiten in Neumünster

Neumünster | Die Stadt trauert um den Hans-Fallada-Preisträger Günter Grass. Der Schriftsteller, Bildhauer, Maler und Grafiker war 1996 mit dem Preis ausgezeichnet worden. Drei Jahre später erhielt er den Literaturnobelpreis.

Die Jury traf ihre Entscheidung damals unter Würdigung seines Romans „Ein weites Feld“ – ein politisch orientiertes Buch, das nicht ganz unumstritten war. Der Roman spielt in Berlin zwischen Mauerfall und Wiedervereinigung, zeichnet aber ein Panorama deutscher Geschichte von der Revolution 1848 bis zur Wiedervereinigung 1990. „Das Buch verstand es auf hervorragende Art, die deutsche Wiedervereinigung auf literarische Weise zu verarbeiten“, sagte gestern Neumünsters Kulturdezernent und Erster Stadtrat Günter Humpe-Waßmuth. Und Oberbürgermeister Dr. Olaf Tauras fügte hinzu: „Die Stadt Neumünster wird Günter Grass ein ehrendes Andenken bewahren.“

Der berühmte Schriftsteller war immer wieder in Neumünster zu Gast gewesen. So lotste ihn beispielsweise Helmut Loose 1967 in die „Reichshalle“: Gemeinsam mit dem Schriftstellerkollegen Siegfried Lenz sprach Grass über „Fragen der Politik und der staatsbürgerlichen Pflichten“. Die Veranstaltung sollte in der Textilfachschule stattfinden, wurde wegen Überfüllung aber in die Gaststätte an der Altonaer Straße verlegt. An diesem Abend sprach Grass über die deutsche Wiedervereinigung als „naiven Glauben“. Helmut Loose, später Stadtpräsident, war damals Landesvorsitzender der Jungsozialisten.

1979 holte Buchhändler Jürgen Lübbert den Schriftsteller Grass ins Studio-Kino am Kuhberg, wo der Film „Die Blechtrommel“ gezeigt wurde. Grass signierte Bücher und diskutierte mit Zuschauern über den Film und das Buch.

An demselben Tag kam eine Klasse der Holstenschule in den seltenen Genuss einer ganz speziellen Deutschstunde: Günter Grass besuchte das Gymnasium und las aus seinen Werken. Anschließend diskutierte er mit den Schülern des 12. Jahrgangs.

Im Januar 2005 kam er nach etlichen Jahren Pause wieder einmal zu einer Wahlkampfhilfe für die SPD nach Neumünster. In der Holstenhalle fand der landesweite Wahlkampfauftakt für die Landtagswahl statt. Bundeskanzler Gerhard Schröder hatte fest zugesagt, dann aber kurzfristig einen Rückzieher gemacht. Für ihn sprang der berühmte Nobelpreisträger ein.

 

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erstellt am 14.Apr.2015 | 08:00 Uhr

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