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Holsteinischer Courier

11. Dezember 2017 | 15:00 Uhr

Erstaufnahme : Sprachunterricht vom ersten Tag an

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Bildungsministerin Britta Ernst eröffnete gestern die Flüchtlingsschule in der Erstaufnahme. Platz für 170 Schüler am Haart und in Boostedt.

von
erstellt am 09.Feb.2016 | 12:30 Uhr

Neumünster | Der Schlüssel trug Schleifen mit der Botschaft „Herzlich Willkommen“ in den vier Sprachen Arabisch, Türkisch, Farsi und Russisch. Bildungsministerin Britta Ernst überreichte ihn gestern an Lehrerin Angelika Neth und eröffnete damit symbolisch die Flüchtlingsschule in ihren neuen Räumen in der Erstaufnahme am Haart.

„Mit dem Spracherwerb legen Flüchtlinge den Grundstein für Integration“, sagte die Ministerin. Und die 22 Mädchen und Jungen waren beim Deutschunterricht von Angelika Neths Kollegin Anna Melkher mit Feuereifer bei der Sache. Die 35-Jährige stammt aus Russland, Ilker Mermer hat türkische Wurzeln.

„Das ist schon eine besondere Aufgabe, man muss dafür brennen“, sagte Schulrat Jan Stargardt. Das Lehrer-Trio sei nur der Anfang und werde wie die Schule weiter wachsen. Insgesamt sind zunächst 170 Schulplätze in der Erstaufnahmestelle Neumünster und der Außenstelle in Boostedt vorgesehen. Gestern gab es dort 81 Schüler.

Das Land, die Kommunen, mehr als 400 Lehrkräfte und viele ehrenamtliche Helfer leisteten bei der Integration Großartiges, sagte Ministerin Britta Ernst, die zuvor auch die Schule in Boostedt besucht hatte. Ernst hob hervor, dass das Recht auf Bildung schon in den Erstaufnahmeeinrichtungen bestehe. Das sei nicht in jedem Bundesland so. Man weise die Eltern aber auch auf die Schulpflicht in Deutschland hin. Aber das sei oft gar nicht nötig. „Die Kinder freuen sich auf die Schule“, sagte sie

Die Voraussetzungen der Flüchtlingskinder sind ganz unterschiedlich. „Es gibt Analphabeten, es gibt Kinder, die schon schreiben können, aber mit anderen Schriftzeichen, andere Kinder können sogar Englisch. Wir arbeiten hier sehr heterogen“, sagte Angelika Neth. Eine möglichst frühzeitige sprachliche Förderung schon in der Erstaufnahme soll es den Schülern erleichtern, später an den Wohnorten in den Zentren für Deutsch als Zweitsprache und dann in den Regelschulen zu lernen und dort einen Abschluss zu machen.

Die Flüchtlingsschule ist jetzt in neuen Räumen, neu ist der Unterricht in der früheren Scholtz-Kaserne aber nicht. „Wir haben von 1998 bis zum Herbst 2015 Schulunterricht angeboten, dann wurden die Räume wegen der hohen Belegung gebraucht“, sagte der Leiter der Erstaufnahmeeinrichtung, Ulf Döhring. „Wir haben am 1. Februar begonnen, uns einzurichten. Die Möbel waren schon seit September da und haben nur auf uns Lehrkräfte und die Schüler gewartet“, sagte Angelika Neth und nannte die Flüchtlingsschule mit der Kita direkt nebenan ein „richtiges kleines Bildungszentrum“.

Zurzeit sind etwa 800 Menschen in der Erstaufnahme untergebracht. „Etwa ein Drittel davon sind Kinder“, sagte Ulf Döhring. Er verwies auf Gespräche mit der Volkshochschule. „Nächste Woche geht es los mit den Willkommenskursen“, so Döhring. In einer engen Kooperation zwischen den Flüchtlingsschulen und dem Deutschen Roten Kreuz soll es zudem in den Osterferien an beiden Standorten weitere Angebote zur Sprachförderung geben.

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