U-20-Poetry-Slam : Sprachkünstler mit ganz viel Ausdruck

Teilnehmerin Lisa Schøyen (20) war aus Bremen angereist. um ihren Text vorzutragen.
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Teilnehmerin Lisa Schøyen (20) war aus Bremen angereist. um ihren Text vorzutragen.

Beim U-20-Poetry-Slam im Theater in der Stadthalle überzeugten die Teilnehmer mit tiefgehenden Texten.

shz.de von
21. Mai 2015, 17:00 Uhr

Neumünster | Der letzte Poetry-Slam der Unter-20-Jährigen in dieser Saison lockte am Dienstagabend knapp 90 Besucher ins Theater in der Stadthalle. In der Reihe „Lyrik und Textase“ präsentierten neun junge Menschen in dem modernen Dichterwettstreit ihre selbst verfassten Texte.

Mit starkem Ausdruck erzählten die Sprachkünstler etwa davon, was gesellschaftlicher Druck mit einem machen kann oder welche Bedrängnis Geschlechterrollen mit sich bringen. Zuschauer aus drei Generationen klatschten, was das Zeug hielt. Mit ihrem Applaus-Pegel entschieden sie am Ende über den Gewinner.

Das gestaltete sich an diesem Abend gar nicht so leicht, wie Agnes Trenka vom Kulturbüro berichtete: „Gewonnen haben Jesko Vorbek und Jan Windisch. Man konnte beim finalen Applaus wirklich keinen Unterschied bemerken, sodass es einen Doppelsieg gab.“ Da die Frage, was gute und schlechte Kunst ist, immer aus dem Auge des Betrachters entschieden wird, geht es nicht nur ums Gewinnen, sondern ums Vortragen. „Es ist eine Mischung aus Reinigung, Verarbeitung und Spaß. Bühnengeilheit gehört auf jeden Fall dazu“, meinte Autorin Lisa Schøyen (20) trocken. Ihr Text „In fünf Anläufen gescheitert“ bewies einmal mehr, dass junge Menschen mehr umtreibt als Feiern oder Facebook.

Auswendig stellte die Studentin ihren Prosatext über eine Abtreibung vor und fand eingängige Sprachbilder für Gefühle. Da hieß es zum Beispiel: „Es gibt Tage, da bin ich aus Glas, da sind meine Adern schwarz anstatt rot.“ Ihre Themen greift sich die junge Frau aus dem Leben, meistens aus dem eigenen, manchmal auch aus Situationen, die sie im Alltag beobachtet. „Wenn ich ein Gespräch in der Bahn höre, benutze ich das in einem anderen Kontext.“ Notizblock und Kugelschreiber braucht sie erst am Ende ihres Schaffensprozesses: „Ich trage die Sätze lange mit mir herum, gehe sie tausend Mal im Gedächtnis durch und schreibe sie auf. Die sind dann auch in Stein gemeißelt, ich ändere nichts mehr.“


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