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„Filmfest Flüchtlinge“ : Sprache als Schlüssel zur Integration

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Das erste Filmfestival zum Thema Flüchtlinge stieß auf große Resonanz. Gäste aus verschiedenen Ländern schilderten ihre Erlebnisse.

shz.de von
erstellt am 09.Nov.2015 | 15:00 Uhr

Neumünster | „Das Filmfestival war ein großer Erfolg“, freuten sich Jan Schumann, Dieter Hanisch und mit ihnen das ganze Organisationsteam. 350 Gäste besuchten von Freitag bis einschließlich Sonntag das erste „Filmfest Flüchtlinge“ im Kulturverein Dada am Waschpohl (KDW). Mit insgesamt sechs Filmen, teils preisgekrönt, widmete sich das Festival dem Thema Flüchtlinge (der Courier berichtete).

Eindrucksvoll berichteten die Protagonisten von ihren Erfahrungen mit Migration und Integration. „Da wir die teils erschütternden Filme nicht kommentarlos stehen lassen wollten, hatten wir ein Rahmenprogramm organisiert, bei dem Asylbewerber, ehrenamtlich in der Flüchtlingshilfe arbeitende Menschen sowie Vertreter der Stadt und karitativer Verbände zu Wort kamen“, sagte Dieter Hanisch.

So wurde beispielsweise am Sonnabendnachmittag über die Lage der Flüchtlinge im Raum Neumünster diskutiert. Auf dem Podium saßen Matthias Schwalbe vom Verein „Willkommen in Boostedt“, Jürgen Prade vom „Freundeskreis Asylbewerber Bordesholm“ , Dr. Ivo Heer von der Flüchtlingsambulanz im Friedrich-Ebert-Krankenhaus (FEK), Rike Müller von der Migrationsberatung der Diakonie Altholstein, Ludmilla Schlahn von der Caritas und Eilean Layden, Leiterin der Koordinierungsstelle für Integration der Stadt Neumünster.

Auf die Frage des Diskussionsleiters Dieter Hanisch „Schaffen wir das?“ antworteten alle Teilnehmer mit Ja. Eilean Layden wünschte sich jedoch mehr Informationen von Land und Bund. „Längerfristig planen können wir zur Zeit nicht“, sagte die Angestellte der Stadt. Für Jürgen Prade ist der Wille zur Hilfe ausschlaggebend und Rike Müller fragte: „Was wollen wir schaffen?“ Für die Migrationsberaterin sei in erster Linie wichtig, dass die Flüchtlinge in der Erstaufnahmestelle am Haart menschenwürdig untergebracht sind. Da stoße man wegen der Überbelegung im Moment an die Grenzen, so Müller.

Solche Probleme sehe er in Boostedt nicht, sagte Matthias Schwalbe. Während der Deutschkurse, die sein Verein anbietet, sei die Stimmung gut, so Schwalbe und gab damit das Stichwort für Dr. Ivo Heer. „Sprache ist der Schlüssel zur Integration“, sagte der medizinische Leiter des FEK. Das erlebe er täglich in der neu eingerichteten Flüchtlingsambulanz. Die Klientel unterscheide sich nicht von der in der Notaufnahme, Krankheitsbilder seien unspektakulär. „Wenn Leute plötzlich anfangen zu weinen oder am ganzen Körper zittern, muss sichergestellt werden, ob das anatomische oder psychische Ursachen hat. Ohne Sprache sind Diagnosen dann kaum möglich“, sagte Heer. Um so mehr freue er sich, dass nun zwei syrische Ärzte an Bord seien.

Nicht nur über, sondern auch mit den Flüchtlingen sprechen, das war den Organisatoren des Festivals wichtig. Gäste aus dem Iran, dem Irak, aus Syrien, dem Kongo und Afghanistan schilderten deshalb am Wochenende ihre Erlebnisse. So auch die Darsteller Abdulla Mehmud und Heide Sanati aus der Dokumentation „Persona non data“. Nach dem Film vertieften sie ihre Berichte.

Im nächsten Jahr wollen die Organisatoren das „Filmfest Flüchtlinge“ in die zweite Runde schicken. „Dann auch gerne mit der Stadt zusammen“, wünschte sich Dieter Hanisch.

 


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