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Boostedt : Sportler bangen um ihre Sportstätten

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Zehn Mannschaften des SV Boostedt nutzen die Hallen auf dem Gelände der Rantzau-Kaserne. Was passiert nach dem Abzug der Bundeswehr?

Boostedt | Mit der offiziellen Schließung der Rantzau-Kaserne zum 30. Juni 2015 verliert der Sportverein Boostedt voraussichtlich eine wichtige Trainingsstätte, denn in den gerade geänderten Nutzungsverträgen mit dem Dienstleistungszentrum der Bundeswehr in Plön wird die Laufzeit bis zu diesem Stichtag begrenzt. Zwei Hallen und ein Sportplatz stehen auf dem Kasernengelände derzeit zur Verfügung.

Außerdem muss der Verein in die Halle G 14 wechseln, da die bisher genutzte Sporthalle P 14 jetzt auf dem abgegrenzten Bereich für die geplante Flüchtlingserstaufnahmestelle liegt (der Courier berichtete).

„Der Hallenwechsel ist nicht schlimm, da die neue Halle in einem besseren Zustand ist als die, die wir bisher haben. Aber die Vertragsänderung im Hinblick auf die Laufzeit macht uns Sorgen, denn zurzeit nutzen rund zehn Mannschaften an vier Wochentagen die Trainingsstätten auf dem Kasernengelände“, erklärte Reimer Ohlendorf, Vorsitzender des Sportvereins mit 1200 Mitgliedern. „Mit unseren eigenen Kapazitäten können wir das nicht auffangen. Und die Schule hat dort oben ja auch Bedarf“, berichtete er weiter. Die Grund- und Gemeinschaftsschule nutzt die Sportanlagen der Kaserne für größere Veranstaltungen.

Wie es für den Verein nach Ablauf des Vertrages weitergeht, weiß noch niemand. „Wenn die Bundeswehr das Gelände im Juni freigibt, sind wir raus aus der Sache. Möglich ist allerdings eine kurzfristige Verlängerung. Das hängt jedoch immer vom aktuellen Bedarf in der Kaserne ab. Danach muss sich der Verein oder die Gemeinde mit der Bima (Bundesanstalt für Immobilienaufgaben) über eine mögliche Nutzung auseinandersetzen“, erklärte Thorsten Schlotfeldt aus dem Dienstleistungszentrum auf Anfrage.

Das könnte sich jedoch hinziehen, denn die Gemeinde hat sich zwar bei der Bima im Zuge der anstehenden Konversion bereits das Erstzugriffsrecht auf die Sportanlagen gesichert. Doch seit dem Frühjahr warten die Gemeindevertreter auf ein entsprechendes Angebot (der Courier berichtete). „Wir gehen davon aus, dass der Gemeinde Boostedt Ende November 2014 das Gutachterergebnis vorliegen wird“, erklärte der zuständige Mitarbeiter der Bima aus dem Geschäftsbereich Verkauf in Kiel, Hermann-Josef Huber, auf Nachfrage.

Sollten die Gemeinde oder der Verein jedoch in Betracht ziehen, die Sportstätten zunächst zu mieten, müssten sie sich wiederum an den Bima-Geschäftsbereich Gewerbe in Schwerin wenden. Dort allerdings fiel die Antwort eher vorsichtig aus. „Ob eine Vermietung infrage kommt, muss hier auf jeden Fall mit der Verkaufsabteilung abgestimmt werden, da diese für die Veräußerung zuständig ist und der Verkauf nicht durch langfristige Mietverträge behindert werden soll“, erklärte die zuständige Sachbearbeiterin Mylène Pionke.

Ebenso verhalten äußerte sich Boostedts Bürgermeister Hartmut König (CDU). „Wir müssen erstmal das Angebot vorliegen haben, denn wir wissen ja noch gar nicht, zu welchen Konditionen uns das Sportgelände angeboten wird. Und bis zu einer endgültigen Entscheidung sind dann mit Sicherheit noch ausgiebige Beratungen notwendig“, sagte er.
 

Kommentar von Susanne Otto

Boostedt wird allein gelassen

Die Gemeinde Boostedt hat reichlich Probleme – und das unverschuldet: Die Bundeswehr zieht ab und damit ein großer Wirtschaftsfaktor. Das Kasernengelände bleibt und soll vermarktet werden,     500 Flüchtlinge sollen  in  leeren Kasernengebäuden untergebracht werden.  Für eine kleine Gemeinde  mit ehrenamtlichen Politikern ist das schon schwer zu stemmen. Schlimmer ist aber, dass   die zuständigen Stellen  die Boostedter immer nur vertrösten oder an andere verweisen. Die Bundeswehr hat mit dem Gelände in absehbarer Zeit   nichts mehr zu tun, die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben  lässt die Gemeinde seit über sechs Monaten auf ein Angebot warten, und zu allem Überfluss sind je nach Aufgabenfeld mal die Bima in Kiel und mal die in Schwerin zuständig. Das Land zeigt sich bemüht, was die Flüchtlingsunterkunft angeht, aber konkrete Hilfe gab es  noch nicht. Es zeigt sich einmal mehr, wie  schwerfällig der  Verwaltungsapparat ist. Die Boostedter  sind die Leidtragenden. Sie sollten sich Hilfe holen und auf ein professionelles Konversionsmanagement setzen.





 

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