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Grossflecken : Spitzenreiter hatte Tempo 106 drauf

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Stadt analysierte drei Wochen lang am Großflecken die Verkehrsdaten, will aber nicht verstärkt blitzen. Bei freier Straße wird Tempo 20 ignoriert

Neumünster | Beim bundesweiten Blitzmarathon wurde ein Fahrer mit Tempo 105 in der Rendsburger Straße erwischt. Doch damit war er nicht der negative Spitzenreiter in diesem Jahr. Im Juli erfasste die Geschwindigkeitswarntafel der Stadt einen Raser auf dem Großflecken mit 106 Sachen! Hier gilt Tempo 20. Den Verlust der Fahrerlaubnis muss der unbekannte Fahrer nicht fürchten. Das Messgerät war kein Blitzer, sondern zeichnete nur die Verkehrsdaten auf.

Die Stadt stellte dem Courier die Daten zur Verfügung. Die Tafel stand drei Wochen lang vom 21. Juli bis 8. August in Höhe der Holstenstraße. „Eine Auswertung liegt für den 21. bis 26. Juli vor“, sagte Alexandra Dunst, die Leiterin der Bußgeldstelle. 60 800 Fahrzeuge passierten in dieser Zeit den Großflecken, also rund 10 130 am Tag.

„Das entspricht ziemlich genau den Erwartungen“, sagte Verkehrsplaner Michael Köwer. Wegen der Sommerferien war das Verkehrsaufkommen etwas geringer. Zu Normal-Zeiten rechnet die Stadt mit 12 000 Fahrzeugen am Tag, die Hälfte davon als Durchgangsverkehr. Vielen Fahrern ist anscheinend nicht bewusst, dass seit dem Start des Verkehrsversuchs am 15. Juli 2013 Tempo 20 auf dem Großflecken gilt. Die Regelung wurde nach dem Abbruch des Verkehrsversuchs beibehalten. Das Messergebnis besagt, dass die Hälfte der Fahrer sich an das Tempolimit hielt, die andere Hälfte schneller fuhr.

Alexandra Dunst überrascht das nicht. Man müsse einerseits die Kolonnenbildung sehen, wenn der Großflecken voll ist. „Gibt es freie Bahn, fährt kaum jemand mit Tempo 20, sondern schneller“, so Dunst: „Wir werden aufgrund dieser Auswertung aber jetzt nicht öfter blitzen als schon sporadisch in der Vergangenheit.“ Zuletzt war das am 15. April der Fall. Zwischen 7.35 und 10.35 Uhr befuhren 401 Pkw den Großflecken in der Messrichtung. 44 oder elf Prozent davon waren Temposünder. „Alles im Verwarngeldbereich ohne Punkte in Flensburg“, so Alexandra Dunst: „Das ist Neumünsteraner Durchschnitt.“

Bussgeldkatalog: Das kosten Geschwindigkeitsübertretungen

Nach dem aktuellen, seit dem 1. Mai gültigen Bußgeldkatalog  müssen Autofahrer mit folgenden Verwarngeldern und Punkten  in der Flensburger Verkehrssünderkartei rechnen.

Überschreitung (jeweils nach Abzug eines Toleranzwertes) von:

 10 km/h: 15 Euro.

 11 bis 15 km/h: 25 Euro.

 16 bis 20 km/h: 35 Euro.

 21 bis 25 km/h: 80 Euro plus 1 Punkt.

 26 bis 30 km/h: 100 Euro plus 1 Punkt.

 31 bis 40 km/h: 160 Euro, 2 Punkte und 1 Monat Fahrverbot.

 mehr als 70 km/h: 680 Euro, 2 Punkte und 3 Monate Fahrverbot. ro

 

Kommentar: Verkehrsberuhigung per Dauerstau

Die Stadt hat es bei einer kostenfreien Warntafel belassen. Die Ergebnisse des dreiwöchigen Tests und echter Blitzer-Aktionen sind aufschlussreich. Die Hälfte hält sich an das zugegeben eher ungewohnte Tempo-20-Gebot, das es in Neumünster sonst nur am Kleinflecken beim Museum gibt. Die andere Hälfte fährt schneller. Entweder, weil sie es drauf anlegt oder weil sie die Schilder ein- und ausgangs des Großfleckens nicht bemerkt und mit Tempo 30 unterwegs ist.

Man kann das Messergebnis auch noch anders interpretieren: Selbst zu vermeintlich verkehrsarmen Zeiten wie in den Ferien ist der Großflecken oft so voll, dass beim Stop-and-Go Tempo 20 nicht zu schaffen ist. Verkehrberuhigung durch Dauerstau. Der Großflecken ist nicht für 12000 Fahrzeuge am Tag ausgelegt,  die Hälfte davon  Durchgangsverkehr.  Mit der Holsten-Galerie wird es noch mehr Verkehr geben. Blitzen ist dann unnötig. Nach Ladenschluss wird dann gerast, was das Zeug hält. Aber dann schlafen Polizei und städtische Überwachungskräfte.

 

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erstellt am 27.Sep.2014 | 05:00 Uhr

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